Test Superformance Cobra Coupé — 24.07.2007
Das schärfste Gift der Cobra
Shelby Cobra Daytona: ein Typ zum Niederknien. Denn der Daytona ist der schnellste aller Cobra. Wolfgang König hat ihn gefahren – diesen Treibsatz, der nicht beschleunigt, sondern explodiert. Ist das alles wirklich noch original?
Auf alle Fälle das brutalste Heck der Automobilgeschichte
Hammerhart, schon im Leerlauf. Ganz klar: Mit diesem Auto ist nicht zu spaßen. Die Nase schnüffelt dicht über dem Boden, die gewaltigen Hinterbacken enden so abrupt, als hätte man sie mit der Kreissäge bearbeitet. Abrissheck nannte man das damals, weil hier die Strömung abriss – das aerodynamische Geheimnis des Daytona. Auf jeden Fall das brutalste Heck der Automobilgeschichte. Und auch sonst ist alles genau wie früher: Die Sidepipes, die Räder mit den Zentralverschlüssen, die fetten Streifen. Nur: Das Exemplar, das hier in England vor der Garage von Nigel Hulme lauert, ist keine 44 Jahre alt. Gebaut wurde dieser Daytona im letzten Jahr, und zwar in Südafrika. Genau, eine Replica. Superformance heißt der Täter, zu Hause in einer blitzsauberen Fabrik in Port Elizabeth. Zusammen mit seinem holländischen Geistesgenossen Herman Eshuis holt Hulme die Nachbauten nach Europa. Doch wer nun an die berüchtigten Bugatti-Darsteller auf Käfer-Chassis denkt, irrt. Gewaltig sogar. Das Auto ist so dicht am Original, dass es Shelby höchstselbst sanktioniert.Die alten Daytonas waren in jeder Beziehung Höllenofen
Die Form stammt von Peter Brock, von jenem Mann also, der schon den Urtyp gezeichnet hatte. Bob Negstad, Konstrukteur des zeitgenössischen Cobra- 427-Fahrgestells, entwickelte das Chassis. Und Bob Olthoff, einst Shelbys Testfahrer, kümmerte sich um die Abstimmung. Authentischer geht’s nicht. Und das sieht man, auch innen. Die Uhrensammlung, Marke Stewart Warner, die kleinen Kippschalter, das schlichte Cockpit und der gekrümmte Schalthebel – da stimmt einfach alles. Mit einem Unterschied allerdings: Die Karosse wird nicht aus Aluminium gedengelt, sondern besteht aus GFK. Und sie ist ein paar Zentimeter größer. Folglich kommt man sich innen auch nicht mehr vor wie einer Sardinendose. Es gibt sogar ordentlich gepolsterte Sitze, Kurbelfenster und eine Klimaanlage, Gott sei Dank. Denn die alten Daytonas waren Höllenofen, und zwar in jeder Beziehung.Als Fitnessstudio eignet sich der Neue freilich nach wie vor. Für die Kupplung braucht man Beine wie Michael Ballack, und die Schaltung fühlt sich an wie in Beton gegossen. Da wünscht man sich, dass es nicht sechs Gänge, sondern wie früher nur vier wären. Immer noch mehr als genug. Schließlich poltert da vorn ein 6,6-Liter-V8, der klassische Stoßstangen-V8 von Ford. 500 PS warten darauf, entfesselt zu werden, was aber keineswegs das letzte Wort ist. Auf Wunsch kann man sich auch den echten 427er geben, den Siebenliter-V8 also. Der bringt dann bis zu 640 PS. Das Original hatte übrigens 385 PS. Heftig also, zumal das Auto gerade mal 1250 Kilogramm wiegt. Und weder ASR hat noch ABS oder gar ESP. Nur vier üppig dimensionierte, belüftete Scheibenbremsen. So gesehen, reichen auch die 500 PS, einen Sturm zu entfachen. Zwar tut sich unter 2000/min erst mal wenig, die scharfe Nockenwelle lässt den V8 nur lustlos hüsteln, doch das ändert sich schlagartig. Gib ihm 2500 Umdrehungen, und der Daytona wird wütend.

































