Test the best, Teil 1

Toyota iQ Smart fortwo Ford Ka Fiat 500 Toyota iQ Smart fortwo Ford Ka Fiat 500

Test the best, Teil 1

— 11.02.2009

Der große Auto-Gipfel

Testtermin auf Weltniveau: In der Nähe von Rom wählten die Chefredakteure der internationalen AUTO BILD-Familie ihre Favoriten unter den Kleinwagen und Supersportlern.

Normalerweise ist Yogendra Pratap ein ausgeschlafener Bursche. Doch am Abend des zweiten Testtages wollte er nur noch eines: ins Bett, schlafen. Den Preis für die längste Anreise hatte der Inder ohnehin sicher. Neu-Delhi–München–Rom hieß sein Flugplan. Ziel: die internationalen Test-Tage der AUTO BILD-Gruppe. 29 Chefredakteure waren zum European Proving Ground von Bridgestone, rund 30 Kilometer südlich von Rom, gekommen. Aus Ungarn und Holland, aus England und Frankreich, aus Spanien und Georgien. Sieben Fahrzeuge in zwei Klassen gingen unter optimalen Bedingungen an den Start. Jedes Modell stand für die Experten gleich mehrfach bereit, damit es beim Testen keinen Leerlauf gibt. Das Motto lautete "Test the Best" – und genau das taten die Experten. Mit viel Eifer, hart am Limit, aber auch mit dem nötigen Spaß, der bei so einem Familien-Treffen nicht fehlen darf. Gesucht wurden der schärfste Supersportler und der intelligenteste Kleinwagen. Die Herausforderer kamen jeweils aus Japan. In den Vollgaskonflikt der Edelheizer schaltete sich erstmals der 485 PS starke Nissan GT-R ein. Und bei den City-Flitzern wollte der brandneue Toyota iQ beweisen, dass auch Kurzware aus Fernost ihre charmanten Seiten haben kann. Zwei wichtige Vergleiche mit internationalem Flair. Wie geht das Rennen aus, wenn die Jury aus aller Herren Länder kommt?

Hier geht es zum zweiten Teil von "Test the best"

Vier kleine Duellanten: Toyota iQ, Smart fortwo, Fiat 500 und Ford Ka.

Der Fischer Dario aus Nettuno südlich von Rom setzt seine Sonnenbrille auch dann nicht ab, wenn der Himmel über dem kleinen Küstenort winterlich düster ist und Sonnenstrahlen so selten zu sehen sind wie Touristen Ende Januar. Und so spiegelt sich der Toyota iQ in seinen Brillengläsern, als Dario an den Kleinwagen tritt und mit seinen kräftigen Händen über das kurze, breite Blechkleid streicht. "Gefällt mir", sagt Dario kurz. "Die Form mag ich leiden." Dann geht er zurück zu seinen N etzen. Eine flüchtige Einzelmeinung. Deutlich ausführlicher und kompetenter werden die Urteile am nächsten Tag, als der Toyota iQ mit dem Fiat 500, dem Ford Ka und dem Smart auf der Bridgestone-Teststrecke die Frage klärt: Wer baut den intelligentesten Kleinwagen? Es ist ein echter iQ-Test, und die Jury ist so schlau, sich von niemandem beeinflussen zu lassen, erst recht nicht von Dario, dem Fischer. Die 29 AUTO BILD-Chefredakteure haben zwei Tage lang Zeit, die vier klassischen Stadtflitzer auf ihre Intelligenz-Quotienten zu prüfen. Wer hat die pfiffigste Form? Wer die ausgekochteste Leistung? Wer zeigt beim Komfort die cleverste Lösung, und welches Modell ist die Leuchte, wenn es um Fahrdynamik geht?

Der Toyota iQ weckt die größte Neugier bei der internationalen Testcrew

Den wollen alle zuerst ausprobieren: Toyotas Kleinstwagen iQ.

Am Anfang heißt es: schnell sein. Denn jeder will den Toyota iQ testen, den Herausforderer. Toyota greift mit ihm den Smart an und will dem Urvater des modernen Stadtautos den Kultstatus streitig machen. Mit Kult hat Sinisa Tkalcevic wenig am Hut. Der Chefredakteur von AUTO BLIC, unserem kroatischen Schwesterblatt, hat sich als Erster in den Toyota iQ gesetzt, und als er nach seinem ausgiebigen Test zurück auf den Parkplatz rollt, ist er schlauer als zuvor. "Ich hab’ etwas anderes erwartet. Die Verarbeitung der Plastikwüste ist schlimm, der hohe Preis fast schon lächerlich. Wenn das die Zukunft des Stadtautos ist, fahre ich bald wieder Motorrad." Ein hartes Urteil. Für Sinisa steht iQ für "inakzeptable Qualität". Sechs, setzen! Und tatsächlich verursacht so mancher Tester mit seinem Ehering Kratzer auf dem Billig-Plastik im Innenraum, die nie wieder weggehen. Der iQ ist wohl tatsächlich eher ein Auto für den Großstadt-Single.

Doch es geht auch anders: Tito Klein, Chefredakteur von AUTO BILD Spanien, findet den iQ "für den Preis in Ordnung" und lobt die gute Fahrdynamik. Tatsächlich liegen die vier Räder des breiten und kurzen iQ fast im Quadrat auf der Straße, was dem Handling spürbar guttut. Die Tester haben den Eindruck, der iQ wende fast auf der Stelle. Klein hat zwei Kollegen zur Testfahrt mitgenommen, und es wirkt schon ungewöhnlich, wenn der Beifahrer im iQ schräg vor dem Fahrer sitzt, damit dahinter ein dritter Erwachsener Platz findet. Und die Sicht nach rechts ist auch getrübt. Während Goran Kerim, Chefredakteur aus Mazedonien, verzweifelt und fluchend versucht, im Toyota iQ das abnehmbare Handschuhfach mit seinen Druckknöpfen wieder festzumachen, grübelt Yogendra Pratap aus Indien noch darüber, wem er mehr Punkte geben soll, dem Ford Ka oder dem Fiat 500 . "Sind ja fast die gleichen Autos. 80 Prozent der Technik ist übernommen", weiß er. "Der Fiat ist bei uns in Indien ein Luxusauto für Reiche. Nur 100 Stück werden davon im Monat verkauft."

Beim italienisch-deutschen Brüderpaar punktet der Fiat mit seinem Design

Rund und beliebt: Der Fiat 500 gefällt mit seinem Retro-Design.

Das Geschwisterduell sieht einen klaren Sieger. Der Rumäne Alexandru Sincan hält den 500 für "einen modischen Wagen, aber beim Ford wurde mehr Wert auf Fahrkomfort gelegt". Und in seiner Heimat würden die Leute eben mehr auf Funktion als auf Form achten. Auch Laurent Chiapello sieht den unauffälligeren Ka vorn. Dem Franzosen gefällt auch das Platzangebot des Ford . Das fehlt beim Smart, und da nützt es dem Klassiker auch nichts, dass er – wie neuerdings der Fiat 500 – inzwischen mit Start-Stopp-Automatik zu bekommen ist. Auf diese im Stadtverkehr wichtige Technik verzichtet sogar der Hybrid-Vorreiter Toyota. Nicht sehr schlau. Doch ein entscheidendes Kriterium liegt jenseits aller Intelligenz, denn es gibt kein "schlaues Design". Die Frage nach der Form beantworten alle Autos auf ihre Weise. "Jeder der vier hat einfach etwas Spezielles", sagt der Inder Pratap. Das hätte so wohl auch Dario formuliert, der Fischer aus Nettuno.

Das Fazit des großen Auto-Gipfels in Sachen Kleinwagen

Wer clever ist, baut einen Stadtflitzer, der nicht billig wirkt, Platz bietet und unter 10.000 Euro kostet. Über die Form des iQ kann man streiten, nicht über das Billig-Material und den dafür zu hohen Preis. Schlauer ist die Schlichtheit des Testsiegers Ka, der durchdacht ist, aber kein Angeber. Der Ka ist smarter als der iQ.

Weitere Details zu den vier Kleinwagen finden Sie in der Bildergalerie, den kompletten Artikel mit allen Tabellen als Download im Heftarchiv. Wie sich die drei Supersportler Nissan GT-R, Porsche 911 Turbo und  Lamborghini Gallardo geschlagen haben,  lesen Sie hier.

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