Test the best, Teil 2

Lamborghini Gallardo LP 560-4 Porsche 911 Turbo Nissan GT-R Lamborghini Gallardo LP 560-4 Porsche 911 Turbo Nissan GT-R

Test the best, Teil 2

— 18.02.2009

Der beste Allrad-Sportler

In Japan und England genießt der Nissan GT-R längst Kultstatus. Im ersten Vergleich mit Porsche 911 Turbo und Lamborghini Gallardo LP 560-4 spielen Vorschusslorbeeren keine Rolle – 29 Chefredakteure haben getestet.

"Technisch nicht ganz sauber, aber künstlerisch durchaus wertvoll" – Tito Klein, Chefredakteur von AUTO BILD Spanien, beweist Humor. Gerade hat ein Kollege, dessen Namen wir hier dezent verschweigen, im strömenden Regen den Bremspunkt verpasst. Nur ein, zwei Meter. Aber das reichte bei diesen Bedingungen, um den Gallardo hilflos in die Wiese schlittern zu lassen. Und beweist, mit welchen Urgewalten die internationale AUTO BILD-Mannschaft beim Test-the-best-Treffen auf dem Bridgestone-Testgelände nahe Rom zu kämpfen hatte. Geschenkt. Am nächsten Tag wichen die sintflutartigen Regenfälle der Sonne – auf weitere Ausrutscher durften jetzt weder die Kollegen noch die Gallardo-Gegner mehr hoffen. Im Gegenteil. Platzhirsch Porsche 911 Turbo und der erst ab April 2009 vorfahrende (aber schon bis 2010 ausverkaufte) Neuling Nissan GT-R pfeifen jedenfalls ungeduldig mit den Turboladern und bitten zum Vollgas-Fest.

Hier geht es zum ersten Teil von "Test the best"

Kann der japanische Kult-Kracher GT-R in die arrivierte deutsch-italienische Supersportler-Liga einbrechen? Oder sie womöglich schwindlig fahren? Yiannis Kakouris, der AUTO BILD in Griechenland leitet, ringt jedenfalls mit der Fassung: "Der GT-R ist sensationell schnell – ein Traum." Auch die Sitzprobe fällt bei Yiannis vielversprechend aus. Tief kauert er hinter dem Lenkrad, das sich samt Instrumenten-Panel verstellen lässt, und flippert wie ein Playstation-Profi durch die Menüs für Bremsdruck, G-Kräfte oder Lenkwinkel. Eine nette Spielerei, die aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass der Porsche in Sachen Sitzposition und Funktionalität noch mehr draufhat. Im Lambo, der einen Mix aus wunderschönen Kippschaltern und vertrauten Klimaknöpfen Marke Audi bietet, herrscht für Goran Kerim aus Mazedonien dagegen Platzmangel. "Tolles Auto, aber eng wie eine Sardinenbüchse", schimpft der stattliche Blattmacher.

Der Punch im Nissan ist mörderisch und bringt den Führerschein in Gefahr

Das Biest: Zwei Turbos verhelfen dem Nissan zu 485 PS und einem mörderischen Punch.

Entschädigung liefert der fette Zehnzylinder-Sound, gegen den die beiden Turbo-Tiere so aufregend klingen wie Hänschen klein für sechs Blockflöten. Kollege Alessandro Pasi aus Italien würde dem Lamborghini am liebsten allein dafür zehn Extrasterne geben. Die Gänsehaut auf dem Trommelfell kontert der Nissan mit langen Armen und breitem Dauergrinsen. Zwei Turbos verhelfen ihm zu 485 PS und einem mörderischen Punch. Mühelos schiebt der GT-R aus dem Drehzahlkeller an und entfacht bis an die 8000 Touren ein gewaltiges Sprintspektakel. Der clevere Allradantrieb verteilt die Kraft immer richtig, und das aufmerksame Doppelkupplungs-Getriebe (dessen Lenkradwippen leider fest stehen) wechselt die Gänge im Super-Zeitraffer. "Ein Tag mit dem GT-R, und mein Führerschein wäre wohl für immer verloren", gesteht England-Boss David Johns mit einem verzückten Lächeln. Tatsächlich klebt der Nissan seinen Mitstreitern auf der Geraden erbarmungslos am Heck.

Wird es kurvig, schafft der GT-R zumindest gefühlt eine kleine Sensation und gibt dem gleichstarken Elfer das Nachsehen. Der Nissan hinterlässt den direkteren, bissigeren, kompromissloseren Eindruck bei der internationalen Profi-Jury. Wo der Zahnarzt den voll alltagstauglichen Allrad-Elfer auch seiner Familie empfiehlt, lässt er an den GT-R nicht mal seinen besten Freund. Der Japan-Jet liefert das Fahrerlebnis einfach unverfälschter und ungefiltert, der ebenfalls brutal schnelle Porsche nimmt mehr Rücksicht auf seine meist schon reifere Kundschaft. Oder wie der französische Chefredakteur Laurent Chiapello es formuliert: "Wo der Porsche sich um die Falten in deinem Anzug sorgt, bügelt der Nissan sie dir aus dem Gesicht." Der Lambo hat von Dingen wie Zurückhaltung noch nicht mal gehört. Diese flache Fahrmaschine will niemanden entspannt ins Büro oder zum Einkaufen schaukeln. Nein, die 560 PS und der Allradantrieb dienen nur einem Zweck: schneller zu sein als andere.

Was der Vollblut-Renner auch schafft. Immer vorausgesetzt, man kann sich das Eilticket leisten: 183.260 Euro lassen selbst den 911 Turbo (143.008 Euro) günstig aussehen. Man könnte statt des Lambo aber auch zwei GT-R zu 81.800 Euro kaufen – einen für jeden Tag und einen für die Rennstrecke. Dann bleibt noch genug Geld übrig für einen schönen Urlaub. Vielleicht ja in Rom.

Das Fazit der internationalen Jury nach dem Vollgas-Fest

Der Nissan GT-R geht nicht ganz so bissig zu Werke wie der Lambo und erreicht nicht ganz die Alltagstauglichkeit des Porsche. Dennoch steht er nach Meinung der Chefredakteure am Ende ganz oben. Feinste Renntechnik und höllische Turbokraft zu einem unschlagbar günstigen Preis gaben letztlich den Ausschlag.

Weitere Details zu den drei Allrad-Sportlern gibt es in der Bildergalerie, zum ersten Teil des Auto-Gipfels (Kleinwagen) geht es hier. Den kompletten Artikel mit allen Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.

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