Test Toyota Avensis Combi (2009)

Toyota Avensis Combi (2009) Toyota Avensis Combi (2009)

Test Toyota Avensis Combi (2009)

— 01.12.2008

Hut ab, Avensis!

AUTO BILD fuhr den neuen Toyota Avensis. Und war überrascht: Die japanische Mittelklasse fährt ihrem einstigen Hutträger-Image locker davon. Das gilt insbesondere für den knackigen Kombi.

Die Geburt eines neuen Toyota Avensis wird von Autofans wahrgenommen. Beiläufig. Und sicher nur selten euphorisch. Das ist eben kein Typ, der bisher mit Vollgas in unser Lustzentrum gerast ist. Avensis ist – sorry, liebe Toyota-Fahrer – die blechgewordene Vernunft, die gepflegte Langeweile. Aber immerhin auch ein Auto, für das sich in Deutschland mehr als 100.000 Käufer erwärmen konnten. So ganz viel falsch hat Toyota also nicht gemacht. Und doch ändert der weltgrößte Autohersteller jetzt seinen Kurs. Die dritte Generation des Avensis, die ab dem 24. Januar 2009 zu den Händlern kommt, will seinem Hutträger-Image davonfahren. Deshalb hat sich Toyota zunächst einmal vom Fließheckmodell verabschiedet. Zu langweilig, zu erfolglos. Es bleiben Stufenheck und Kombi, den sie bei Toyota mit C schreiben.

Zum Glück gibt's den Combi

Das Stufenheck ist, sagen wir mal, nicht gerade das geeignete Transportmittel für jemanden, der sein Image ändern möchte. Vor allem mit dieser Front, die einen unübersehbaren Überbiss trägt (jeder Kieferorthopäde würde zur Zahnklammer raten), haben die Toyota-Designer meiner Meinung nach ins Klo gegriffen. Das Heck ist nicht viel aufregender. Deutlich spannender kommt der Kombi daher. Mit erwarteten 80 Prozent Anteil muss er ohnehin die Ernte fast im Alleingang ins Trockene bringen. Zwar plagt auch ihn diese etwas vermurkste Nase, doch dahinter geht es wirklich spannend weiter. Kräftige Schultern, Räder, die endlich die Radhäuser ausfüllen und ganz hinten ein knackiger Po, der nicht nur auf Fotos gefällt.

In den Langen passen bis zu 1609 Liter Gepäck

Fünf Zentimeter in Länge und Breite legt der Kombi zu. Das ist in heutigen Zeiten, wo sich Modelle gerne dreist in die nächste Wagenklasse strecken, moderat. Unter der Heckklappe liegt ein Laderaum, der mit 543 bis 1609 Litern genau zwischen Audi A4 Avant und VW Passat Variant passt. Leicht lassen sich die Rücksitzlehnen zu einer ganz ebenen Fläche umlegen. Ab der höheren Ausstattung Executive lädt Toyota den "Cargo-Manager" ein, gegen Aufpreis Ladung auf schicken Aluschienen per Spanngurt und Verzurrösen zu sichern.

Weiter vorne kommt der Avensis immer besser in Form. Das Cockpit könnte so auch aus einem Lexus stammen. Richtig gut sieht das aus. Und vor allem fasst sich das alles auch noch gut an. Marketingleiter André Schmidt bestätigt: "Endlich hat Japan auch mal in die wahrnehmbare Qualität investiert." Stimmt. Alles, was man hier anfasst – ob Türöffner, Armaturenbrett oder Schalter und Lenkrad – wirkt solide und hochwertig. Auch die Verarbeitung scheint top zu sein. Hier haben die Verantwortlichen im britischen Werk Burnaston anscheinend an den richtigen Stellschrauben gedreht. Denn, erinnern wir uns an unseren Dauertest-Avensis, der Vorgänger war keine Zier für Toyotas Top-Qualität.

Luxus wie im Lexus

Was die Ausstattung angeht, lässt sich Toyota nicht lumpen. Bereits der Basiskombi mit 1,6 Liter-Benziner (133 PS, 23.700 Euro) hat serienmäßig eine CD-/MP3-Audioanlage, sieben Airbags, elektronische Feststellbremse, dynamisches Bremslicht, Klimaanlage sowie ESP (heißt hier VSC+) mit aktiver Lenkunterstützung, die im Notfall aktiv kritischen Bewegungen des Fahrzeugs beim Unter- oder Übersteuern entgegenwirkt. Wer mehr investiert, bekommt sogar beim Diesel-Topmodell mit 177 PS und Automatik ein Pre-Crash-System, das radargestützt zunächst den Fahrer vor drohender Gefahr warnt und bei unausweichlicher Kollision automatisch Gurtstraffer aktiviert – und eine Notbremsung einleitet. Dieses System reicht Toyota erstmals aus dem noblen Lexus LS runter in die Mittelklasse.

Kleiner Diesel, große Wirkung

Ingesamt bieten die Japaner vier Ausstattungslinien und sechs Motoren an. Drei Benziner (133, 147 und 152 PS) und drei Diesel (126, 150 und 177 PS), alles Vierzylinder. Für die erste Schnupperprobe rund um Mailand nahm AUTO BILD den kleinsten Diesel. Ein aufgeweckter Bursche, der ganz schnell sein Dieselbrummen einstellt und dann ebenso laufruhig wie energisch zur Sache geht. 200 km/h soll er auf der Autobahn schaffen, Toyota verspricht einen Durchschnittsverbrauch von 5,1 Litern, was einer CO2-Emission von 136 Gramm pro Kilometer entspricht. Zur genügsamen Fahrweise animiert eine Schaltpunktanzeige, ein Start-Stopp-System gibt es leider noch nicht. Das führt Toyota erst bei den kleineren Modellen ein. Warum eigentlich?

Riesenfortschritte in Sachen Beinarbeit

Traditionell stößt das Stufenheck beim deutschen Publikum auf wenig Interesse. So wird es auch beim neuen Avensis sein.

Zurück auf die erste Testrunde. Zurück zur größten Überraschung: Der Avensis fährt sich richtig gut. Hier haben die Japan-Jungs einen Riesenschritt gemacht. Vor allem die souveräne Beinarbeit überzeugt. Das ist keine Zufallsabstimmung nach dem Motto: Machen wir es mal schön straff, dann liegt er prima in den Kurven. Der Avensis schafft einen Spagat, den deutlich teurere Premium-Kollegen so nicht hinbekommen. Er federt komfortabel, ohne dass die Dynamik in weichen Kissen verpufft. Die recht straffe, präzise Lenkung gibt einem zusätzlich das subjektive Gefühl, in einem viel kompakteren Auto zu sitzen. Immerhin stammt der Kombi mit 4,76 Meter Länge nicht gerade aus der Abteilung Kurzware. Da auch Schaltung und Geräuschdämmung gefallen, sollten Autofans sich den 24. Januar 2009 vielleicht doch mal notieren. Das könnte der Termin sein, an dem sie ein ganz neues Auto entdecken. Den Toyota Avensis.

Autor: Tomas Hirschberger

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