Test Toyota iQ/Fiat 500/Smart

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Test Toyota iQ/Fiat 500/Smart

— 10.03.2009

Über diese Minis spricht die Stadt

Der iQ: intelligent gemacht. Ist Toyotas kleiner Feiner sogar der neue Star auf dem Boulevard? So witzig wie der Smart, so kultig wie der Fiat 500? Auf Meinungssuche in einer Millionenmetropole.

Wer es in einer Metropole zum Stadtgespräch bringen will, der muss entweder sehr gut aussehen, sehr viel Geld haben oder etwas können, was vorher noch kein anderer konnte. Auf jeden Fall sollte er unverwechselbar sein. Und etwas haben, was selbst weltgewandte Großstädter beeindruckt. Der Toyota iQ parkt direkt vor einer Starbucks-Filiale im Zentrum von Hamburg. Alster und Elbe sind einen Steinwurf entfernt. Bei minus zwei Grad sitzen die Gäste im Rattansessel draußen unter Heizstrahlern und trinken einen heißen Becher Kaffee für knapp fünf Euro. Selbst die kleinste Tasse heißt hier "tall", also groß. Und ist nicht auch der neue iQ genau so? Klein, aber irgendwie "tall"? Schick, aber irgendwie überteuert?

Ab auf die Piste: Der Toyota iQ im Test-Stress

Isabelle Peron sitzt vor dem Café, nippt an ihrem Caramel-Macchiato, und als sie dieses kleine Stadtauto sieht, vergisst sie glatt, den Schaum von der Oberlippe zu lecken. "Was ist das?", fragt sie auf Englisch mit französischem Akzent. "Der ist schön." Peron, in New York geboren, in Paris aufgewachsen, in Hamburg in der Modebranche tätig, nähert sich diesem merkwürdigen Wagen, geht einmal herum, nickt. Die 40-Jährige verkörpert Toyotas Zielgruppe: kosmopolitisch, solvent, stilbewusst. "Mit Sonnendach", sagt Peron, "wäre er perfekt." Und so geht das überall, wo dieser kurze, breite Stadtfloh auftaucht. Der mit seinen dreieinhalb Sitzplätzen ein völlig neues Mobilitätskonzept darstellt und einen Frontalangriff auf die Kult-Kisten Smart und Fiat 500 startet. Wer diesen Wagen sieht, hebt automatisch die Augenbrauen. Mal aus Erstaunen, mal aus Begeisterung. Immer aber fasziniert er. Über den iQ spricht die Stadt. Selten wurde ein Auto mit mehr Vorfreude erwartet als dieser kaum drei Meter lange Kleinstwagen.

Mitten in der City geht der iQ auf Stimmenfang

Dann der Schock. Beim ersten Vergleich mit seinen Konkurrenten fiel der iQ durch. Bemängelt wurde besonders das Missverhältnis von Preis und Innenraummaterialien. 12.700 Euro kostet die gut ausgestattete Basisversion mit Klima, ESP und Heckairbag. Smart und Fiat 500 gibt es günstiger. Bei gleicher Ausstattung sind sie jedoch 400 (Fiat) und 700 Euro (Smart) teurer. Bei den Testern war von "iQ wie inakzeptable Qualität" die Rede. Aber ist billiges Plastik wirklich ein K.o.-Kriterium? Und kaufen Großstadtmenschen ein Auto nur wegen des tollen Wendekreises? Dann die Entscheidung: Das Auto bekommt eine zweite Chance. Und zwar dort, wo es hingehört. Mitten in der City. Hier lebt und arbeitet Grit Pauli (31). Die PR-Beraterin fährt seit fünf Jahren Smart, sie liebt ihr Auto vor allem beim Einkaufen, bei der Parkplatzsuche, beim Vorbeifahren an Tankstellen. Jetzt steigt sie in den iQ. Der ist quadratisch. Der ist praktisch. Aber ist er auch gut?

Ihre erste Frage ist die Frage unserer Zeit: "Was kostet der?" So wie er hier steht, mit Navi und allem, 14.100 Euro. "Waaas? Na gut, mal schauen." Dann teilt sie ihre Eindrücke in Plus- und Minuspunkte auf. Der viele Raum vorn, die bequemen Sitze, das angenehme Lenkrad, der Platz für einen dritten Erwachsenen hinter dem Beifahrer. Alles prima. Und nach der Testfahrt um den Block gibt Pauli zu: "Der fährt sich besser als mein Smart." Umsteigen würde sie dennoch nicht. Denn: Sie fühlt sich nicht wohl im iQ. Vor allem das Innenraumdesign fällt durch. Die Mittelkonsole nennt sie "prollig", die Türverkleidung "billig", das abnehmbare Handschuhfach mit den Druckknöpfen "unpraktisch". Sie vermisst das Querparken, die Smart-Heckklappe zum leichten Einladen, den Zündschlüssel. "Keyless Go? Find ich blöd." Und wenn ein Kind mitgenommen werden muss? "Dann nehm ich doch gleich einen Fiat 500. Der gefällt mir." Toyota dürften solche Meinungen nicht gefallen. Aber es gibt auch andere.

Der iQ will kein Auto für die breite Masse sein

Der Kleine in der großen Stadt: Bei Thomas Kaiser (links) und Philipp Timm kann der iQ punkten.

Thomas Kaiser und Philipp Timm, beide Mediengestalter, kommen in ihrer Mittagspause vorbei. "Wertiger als einen Smart", findet Kaiser den iQ. Der Kollege lobt das Raumkonzept, bei dem der Beifahrer weit nach vorn rutschen kann, um einem dritten Erwachsenen hinter ihm Platz zu machen. Dann schlägt er die Fahrertür zu und sagt: "Hört sich gut an." Doch der iQ will mehr sein als ein sattes Türgeräusch. Wochen vor dem Marktstart wurde er in sechs deutschen Metropolen in "Johns Appartement" präsentiert. Ein in violetten Tönen gehaltenes Wohnzimmer mitten in der Stadt, in dem der Wagen zwischen Cappuccino-Tresen und Design-Sofa stand. Ein überraschend sympathischer Marketing-Coup, nicht aufdringlich, dezent. Die Ansage ist klar: Der iQ ist zwar breit, will aber im Grunde gar kein Auto für die breite Masse sein. Gesucht wird deshalb auch kein normaler Kleinstwagenkäufer; der iQ, so Toyota, soll "den Puls urbaner Fahrkultur" treffen. Na ja, typisches Marketing-Gesülze. Dahinter steckt der Versuch, jene Käuferkreise anzusprechen, die ihre Möbel nicht bei Ikea kaufen.

Ist der Innenraum wirklich so billig?

Auch Lana Richardt fällt ihr Urteil: "Von außen sehr schick." Und von innen? "Ganz schön piefig."

Eher schon im edlen "Stilwerk" an der Großen Elbstraße, ein Marktplatz für Einrichtung, Design und Lifestyle. Dort fährt der iQ als Nächstes vor. Lana Richardt (26) arbeitet beim Inneneinrichter Hagen von Jouanne, nebenan ist das Konkurrenzgeschäft Clic, für das Innenarchitekt Stefan Jeschke (40) tätig ist. Auch diese zwei passen perfekt in die iQ-Zielgruppe, und beide sind fasziniert von dem kleinen Auto. "Von außen sehr schick", findet Lana Richardt, und auch Stefan Jeschke nickt anerkennend. Wir aber wollen von den beiden Profis wissen: Ist der Innenraum wirklich so billig? Frau Richardt erschaudert schon beim Einsteigen. "Diese Türgriffe – soll das Retro sein? Ganz schön piefig." Herr Jeschke macht dem iQ dagegen ein zweifelhaftes Kompliment: "Ich finde den gar nicht sooo geschmacklos." Der in Braun gehaltene Armaturenträger sei farblich topaktuell, auch das Plastik im Lack-Look findet der Fachmann "in Ordnung".

Für "ein bisschen doll verspielt", hält Lana Richardt den Innenraum und meint unter anderem das abnehmbare Handschuhfach. Stefan Jeschke nennt so etwas "Puderdosendesign". "Weißt du, wie diese Mittelkonsole aussieht?", fragt Lana den Kollegen von der Konkurrenz. "Wie eine Espressomaschine." Es sei charmanter, Designelemente wegzulassen, als zu viel zu wollen. Jeschke nickt erneut. Und doch, beim Aussteigen schauen beide fasziniert auf dieses neue, ungewöhnliche Wägelchen. Sie werden ihren Freunden und Kollegen davon erzählen. Aber würden sie ihn auch kaufen ...? Und so ist das häufig mit Stadtgesprächen. Die Menschen tuscheln, sie schwärmen oder schütteln den Kopf. Das war’s dann auch schon. Ein neues Gesicht taucht auf, die Szene wandert weiter. Der Smart hat Jahre gebraucht, um vom Stadtgespräch zum Stadtgesicht zu werden. Beim Fiat 500 ging es deutlich schneller. Nun muss der Toyota iQ beweisen, dass er mehr ist als ein kurzzeitiges Gesprächsthema an einem Tisch bei Starbucks oder in einem Stilwerk-Laden. Denn Reden ist Silber, Kaufen ist Gold.

Ab auf die Piste: Der Toyota iQ im Test-Stress

Autor: Hauke Schrieber

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