Test US-Supersportler

Test US-Supersportler

— 29.08.2006

American Express

Born in the USA, kaum Elektronik an Bord und ber 500 PS stark das haben Ford GT und Dodge Viper SRT-10 gemeinsam. Viel spannender sind aber die Gegenstze in diesem Vergleich.

Technische Daten und Preise

Vorab ein groes Sorry an all die Technik-Freaks, Ingenieure und Entwickler, die sich Tag fr Tag den Kopf zerbrechen, wie man Autos noch sicherer und noch perfekter machen kann. Wir stoen heute all jenen Verfechtern von ESP, DSG und Turboladern mit variabler Turbinengeometrie vor den Kopf und bekennen uns freimtig zu roher, ungefilterter Kraftentfaltung in Gestalt zweier US-Supersportler: Dodge Viper und Ford GT. Beide ohne Stabilittskontrolle und Antischlupfregelung, dafr mit 506 PS und 711 Newtonmeter Drehmoment (Dodge) bzw. 550 PS und 774 Newtonmeter (Ford) an der Hinterachse. Ideale Voraussetzungen fr ein Burnout-Syndrom der anregenden Art und gute Bedingungen fr einen Vergleichstest, denn diese zwei sind vllig unterschiedliche Typen.

Die Viper baut auf einem Stahl-Chassis auf, Ford setzt auf leichten Aluminium-Space-Frame. Unter der ewig langen Motorhaube des Dodge ackert ein robuster Zehnzylinder, im Heck des GT lauert ein extrem agiler V8-Kompressormotor. Der eine ist ein Roadster, der andere ein Coup. Und, und, und. Die Liste der Unterschiede knnte beliebig erweitert werden, doch es gibt auch Gemeinsamkeiten und die lauten: ber 500 PS ohne Helferlein auf die Strae zu bringen, ist nicht immer einfach. Etwas zu viel Drehzahl beim Start, und die 19-Zoll-Hinterreifen beim Ford GT 315er, bei der Viper gar 345er verlieren sich in einer gigantischen Qualmwolke. Aber auch wer den optimalen Anfahrtspunkt erwischt, kann sein blaues Wunder erleben.

Vor allem beim GT: Der schiet davon, als wolle er sich nicht mal von der Zeit einholen lassen (was ihm natrlich nicht gelingt). Glatte vier Sekunden (Werksangabe: 3,8) vergehen bis hundert. Die 200-km/h-Marke wird nach 11,8 Sekunden pulverisiert. Dabei legt der 1,6 Tonnen schwere "American Dream" eine Alltagstauglichkeit an den Tag, wie sie bei Sportwagen dieses Kalibers einzigartig ist. Die Kupplung tritt auch ein Fliegengewicht, die Lenkung aus dem zum Mutterkonzern gehrenden Aston-Martin-Regal ist leichtgngig, vermittelt aber jederzeit gengend Rckmeldung. Und die Schaltwechsel des Sechsgang-Getriebes funktionieren uerst geschmeidig lediglich die Rder sollten bei voller Beschleunigung kerzengerade stehen, sonst gilt es, das schwnzelnde Heck zu bndigen.

Der Sound, den der Achtzylinder dabei aus dem Doppelendrohr prustet, ist ein bedrohlicher Donnermix, der sich schon von Weitem ankndigt und noch lnger nachhallt. Am meisten berrascht aber die komfortorientierte Abstimmung, die beim Tracktest in Oschersleben mit 1:42,84 Minuten erstaunlicherweise genauso berzeugt wie auf den Schlaglochpisten in Downtown Detroit wo die Feder-Dmpfer-Kombination Unebenheiten schluckt wie ein schwarzes Loch Materie.

Fahrleistungen und Fazit

Ganz anders: die Viper. Knppelharte Federung, strrische Sechsgangschaltung und Kupplungskrfte, die fr potenzielle Kufer schon vorab ein Fitness-Training ntig machen. Beim Beschleunigen zieht das 8,2-Liter-Monster (US-Version mit Sidepipes) gegen die Stilikone von Ford dementsprechend den Krzeren. Dazu verfehlt der Dodge die ab Werk propagierten 3,9 Sekunden bis 100 km/h um gut neun Zehntel.

Hier ist Einsatz gefragt: Die Viper fordert Könner am Lenkrad.

Etwas "enttuschend" auch die Art der Kraftentfaltung. Natrlich geht die Viper wie Hlle, aber nie mit dem brachialen Dauerpunch wie ihn der GT bis Tempo 300 bietet. Dazu kommt wegen der strengen US-Abgasvorschriften eine extrem lange bersetzung. Bereits der erste Gang reicht bis ber 80 km/h, Tempo 200 entsprechen im Sechsten gerade mal 2500 Umdrehungen. Wer dynamisch unterwegs sein will, muss fleiig schalten und die Drehzahl oben halten. Insgesamt fordert die Viper im Unterschied zum GT deutlich mehr Einsatz vom Fahrer, was sich auch beim Handling bemerkbar macht.

Der Ford bleibt in Kurven lange neutral, bevor sich sanftes bersteuern ankndigt. Das Heck der Viper drngt dagegen im Ernstfall giftig nach auen, ungebte Piloten sollten mit Demut und Respekt an die ersten Ausfahrten herangehen. Mit ESP, ASR & Co. wre alles natrlich weitaus sicherer, aber wie anfangs erwhnt: Wir wollten es ja nicht anders. Und mal ehrlich, wer den Wilden Westen sucht, fhrt halt nicht Richtung Zuffenhausen oder Modena.

Fazit von AUTO BILD SPORTSCARS-Redakteur Ingo Roersch: Zweimal Supersportwagen made in USA. Zweimal solide Technik, ohne elektronische Hightech-Helferlein. Und zweimal Leistung satt so viel zu den Gemeinsamkeiten. Der Ford GT bertrifft die Viper allerdings in allen Belangen: berragende Fahrleistungen, elastischer Motor, hervorragendes Fahrwerk und eine, sorry, geile Optik. Die in die Jahre gekommene Dodge Viper bleibt, was sie schon immer war: letzte Zuflucht fr den Marlboro-Mann.

Autor: Ingo Roersch

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