Test Venturi Eclectic

Venturi Eclectic Venturi Eclectic

Test Venturi Eclectic

— 06.06.2007

Das erste Auto, das mit Wind fährt

Wind und Sonne – mehr braucht der Venturi Eclectic nicht. Mit Solarzellen und einem Windrad zapft das autonome Elektroauto die Natur an. Der Öko-Strom reicht für kurze Stadtfahrten und sorgt sogar für Fahrspaß sowie eine tadellose Öko-Bilanz.

Warmer Wind treibt die Segelboote über das Meer. Wie weiße Tupfer auf einer in Tiefblau getünchten Leinwand strahlen sie auf dem Wasser. Die Sonne steht hoch über Monacos Hochhausmeer. Um die Betonburgen schmiegen sich verschlungene Straßen, nahezu jeder Zentimeter des Fürstentums ist zugepflastert. Das ganze Land ist eine kurvige Rennstrecke, einmal im Jahr stoppt hier der Formel-1-Zirkus.

Cabrio oder Kart: Der Dreisitzer hat offene Flanken und ein Solardach.

Ideale Bedingungen für das erste Auto, das sich die zum Fahren benötigte Energie einfach aus der Natur nimmt. Wind, Sonne, Straßen – der Venturi Eclectic findet in Monaco alles, was er zur Fortbewegung braucht. Das Elektromobil nutzt Mutter Natur als Selbstbedienungstankstelle. 2,5 Quadratmeter Solarzellen auf dem Dach zapfen die Sonne an. Nach einer Stunde ist genug Saft im Akku, um einen Kilometer weit zu fahren. Die als Zubehör lieferbaren drei Windräder erzeugen in etwa acht Stunden Strom für 15 Kilometer. Mit ein bisschen Kraft lassen sie sich abends ins Blumenbeet rammen. Wenn der Eclectic nachts vom Winde verwöhnt wird, steht am nächsten Morgen ein vollgetanktes Auto vor der Tür. Damit hat der 22 PS starke Eclectic eine tadellose Ökobilanz – ganz im Gegensatz zu Stromautos, die Atom- oder schmutzigen Kohlestrom aus der Steckdose saugen.

Der Windwagen Venturi Eclectic: eine Touristen-Attraktion in Monaco.

200 Windkraftwagen will Venturi ab September pro Jahr verkaufen. Preis inklusive deutscher Mehrwertsteuer: 28.560 Euro. Wer einen haben will, muss zur Probefahrt nach Monaco kommen. In zwei Jahren sollen die Stückzahlen steigen, der Kasten-Wagen könnte dann bereits für moderate 18.000 Euro zu haben sein. "30 Bestellungen liegen uns vor", sagt Venturi-Sprecherin Marianne Hollande. Kunden sind vor allem Hotels und Firmen, die den Stadtstromer als Werbevehikel nutzen wollen. Ein Hingucker ist der Dreisitzer allemal. Außerplanmäßig stoppt eine rot-weiße Bimmelbahn voller Monaco-Touristen. Vor dem Casino Monte Carlo vergessen die Passanten die obligatorischen Ferrari und Rolls-Royce der Millionenspieler. Stattdessen scharen sich alle um den Windwagen. Asiaten lassen ihre Kameras wie Helikopter um die Karosserie kreisen. Von allen Seiten machen sie Fotos – dabei sieht der Prototyp von hinten fast genauso aus wie von vorn. Sein kantiges Design soll eine Hommage an Klassiker wie den Mini Moke oder den Citroën Méhari sein.

Sonne tanken: Eine Stunde ergibt Strom für einen Kilometer.

Statt Schaltung gibt es einen Knopf

"Solche umweltfreundlichen Autos müssen eine Zukunft haben", sagt staunend Valerie Kinnally, Touristin aus New Jersey (USA). Am liebsten würde die Hausfrau einsteigen und losdüsen. Kinderleicht wäre das, denn statt einer Schaltung gibt es nur einen Knopf für vorwärts und rückwärts. Außerhalb des nur 1,95 Quadratkilometer großen Sonnenstaates an der Côte d’ Azur sind die Möglichkeiten des Eclectic allerdings eher bescheiden. Maximal 50 Kilometer Reichweite sind genug für Golfplätze und kurze Einkaufstouren, nicht aber für ausgedehnte Überland- oder gar Autobahnfahrten. Mehr Power geben die Metallaghydridakkus noch nicht her. Dafür macht der 50 km/h schnelle Stadtwagen eine Menge Wind. Während die rot-weißen Randstreifen der monegassischen Formel-1-Strecke vorbeifliegen, weht eine kühle Brise durch die offenen Seiten. Leider aber auch die Abgase des Berufsverkehrs. Türen? Seitenaufprallschutz? Pustekuchen! Mit Druckknöpfen lässt sich notdürftig eine Art Zeltplane mit Reißverschluss befestigen. "Ein Motorrad hat so etwas auch nicht", sagt ein Venturi-Mann entschuldigend.

Der Mann hinter dem Windkraftwagen: Venturi-Chef Gildo Pallanca Pastor.

Der Eclectic soll vor allem Spaß machen

Beim Beschleunigen stellt der 350 Kilogramm leichte Dreisitzer viele Verbrennungsmotoren locker in den Windschatten. Wie bei allen Elektroautos landet die Kraft aus dem Elektromotor ohne Umwege auf der Straße. Nur beim Anstieg zum Casino Monte Carlo wird das modische Auto zum Verkehrshindernis: 27km/h,mehr geht nicht. Bergab aber macht der in Monaco gefertigte Prototyp dann wieder Laune. Während der Schussfahrt wirkt der Motor wie ein Generator und lädt die Akkus auf. Die Ballonreifen kleben am Asphalt, die Lenkung ist fast so direkt wie bei einem Kart. Venturi-Chef Gildo Pallanca Pastor fährt deshalb ebenso gern im Eclectic wie in seinem privaten Achtzylinder-Venturi GT3 zur Arbeit. Seine Stromautos sollen vor allem Spaß machen – und nur nebenbei die Umwelt schonen. "Wir sind kein Öko-Unternehmen", sagt er und setzt sich in seinen Elektro-Sportwagen Fétish.

Wenn alle Stricke reißen: Zur Not gibt's ein Ladekabel für die Steckdose.

Sogar Monacos Fürst Albert II. hat den Renner angeblich schon getestet. Es heißt, das Staatsoberhaupt war durchaus angetan. Denn die Alternative zum Tesla-Roadster schafft 160 km/h und kommt dank zahlreicher Lithium-Ionen-Akkus 250 Kilometer weit. "Diese Batterietechnik ist wegen des guten Drehmoments ideal für den Sportwagenbau", sagt Pastor. Dass seine Autos nur Luftnummern sind, glaubt er nicht: "Stromautos sind im Kommen. Und wir wollen mit diesem Markt wachsen." Längst sind die Batteriewagen aus der Öko-Nische herausgefahren. Toyotas Hybrid-Technologie hat vielen Forschungsabteilungen Dampf gemacht. Als wären sie gedanklich umgepolt, arbeiten viele Werkswissenschaftler an der Entwicklung von Hochleistungs-Batterien. Volkswagen hat angekändigt, seine gesamte Flotte mit elektrischen Hilfsmotoren auszurüsten, Continental tüftelt an luftgekühlten, kleineren und leichteren Akkus für Hybrid-Fahrzeuge. Es sieht nach günstigen Winden aus für Autos wie den Eclectic.

Technische Daten

Venturi Eclectic Elektromotor • Leistung 16 kW (22 PS) • Reichweite 50 km • Nickelmetallhydridakkus • 2,5 Quadratmeter Solarzellen und bis zu drei Windräder (Leistung: 400 bis 800 Watt, als Zubeh.r) • Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h • Gewicht: 350 Kilogramm • Motor hinten • drei Sitzplätze • Führerscheinklasse B (in Deutschland) Preis: 28.560 Euro.

Die Sportwagenschmiede Venturi

Venturi hat sich bisher mit exklusiven Sportwagen einen Namen gemacht. Paradestück ist der GT3, ein 302.000 Euro teurer Rennwagen mit 485-PS-V8-Maschine und 270 km/h Spitze. Noch teurer: der Elektroroadster Fétish. Sein Preis: Mehr als 350.000 Euro. Er schafft 160 km/h. Reichweite: 250 Kilometer.

Autor: Claudius Maintz

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