Vier kompakte Hardtop-Cabrios

Vergleich Klappdach-Cabrios Vergleich Klappdach-Cabrios

Test: Vier kompakte Hardtop-Cabrios

— 01.06.2006

Wer wird unser Sonnenschein?

Runter mit dem Dach und her mit dem Sommer: VW Eos, Opel Astra TwinTop, Peugeot 307 CC und Renault Mégane Coupé-Cabrio streiten um den besten Platz unter der Sonne.

Optisch fahren die Deutschen voraus

Sie können Umfragen lesen oder einfach Leute auf der Straße fragen: Wenn es um die Qualitäten als Liebhaber geht, dürfte Frankreich immer klar vor Deutschland liegen. Ein zwischenmenschliches Defizit, das sich auf der Straße fortsetzt. Zumindest dann, wenn es um viersitzige Blechdach-Cabrios geht.

Schon seit drei Jahren verwöhnen uns Peugeot 307 CC und Renault Mégane Coupé-Cabrio mit Licht und Luft, während die Deutschen nur vom Sommer träumen. Doch das soll jetzt anders werden. Im Wonnemonat Mai 2006 starteten auch Opel und VW ihre Flirtoffensive, und im September 2006 komplettiert das Focus Cabrio (1,6 l/100 PS, ab 22.975 Euro) die deutsche Offensive. Hier und heute interessieren uns allerdings nur die beiden französischen Luftspender Mégane und 307 sowie ihre deutschen Herausforderer Astra und Eos. Alle vier buhlen um die Gunst (nicht nur) der Frauen – und mussten sich von AUTO BILD auf ihre Verführungskünste untersuchen lassen.

Bitte nicht traurig sein, liebe Franzosen, aber optisch kaufen euch die Deutschen dieses Mal den Schneid ab. Die dreiteiligen Dächer von Opel und VW erlauben eine weniger stark geneigte Frontscheibe und ein weniger ausladendes Heck. Die einfacheren – allerdings bis zu zehn Sekunden schnelleren – Dächer der Franzosen bestehen nur aus zwei großen Teilen, was flache Scheibe und fetten Popo mit sich bringt.

Der Eos glänzt mit einem feinem Cockpit

Wenn ich wählen dürfte, würde ich den scharf gezeichneten Opel nehmen. Denn auch der Eos leidet ein wenig unter Hüftspeck, zeigt keine Figur zum Verlieben. Viel wichtiger aber als ästhetische Aspekte: In Peugeot und Renault sitzen kleine Leute eher unter der Scheibe, große haben den Rahmen vorm Kopf. Und das bremst den Openair-Genuß ungemein. Teilen lässt er sich zumeist auch nur mit der Beifahrerin – die hintere Bank geht bei allen vier Kandidaten eher als Notsitz oder Taschendepot durch. Wer den engen und extrem zugigen Fond dennoch probieren will (oder muss), sollte im VW mitfahren – hier kneift es etwas weniger.

Der Fahrer des Eos findet ausreichend Platz und ein feines, funktionales Cockpit – dem Teilespender Golf sei Dank. Auf Knopfdruck in der Mittelkonsole gibt es obendrauf noch grenzenlose Freiheit und Sonne im Überfluss. Wo der Mégane uns mit einem Glasdach wunderbare Ein- und Ausblicke schenkt, geht VW sogar noch weiter. Im Eos lässt sich das Glasdach zusätzlich aufstellen und öffnen. Ob das in einem Cabrio wirklich nötig ist, sei mal dahingestellt – die Technik beeindruckt schon. Sanft surrend und klickend faltet sich dann das Dach in den Kofferraum. Sieht verwirrend aus, schafft echtes Cabrio-Feeling – und geht hoffentlich nie kaputt.

Die Schwächen des Eos erschließen sich dagegen eher bei geschlossenem Dach. Dann leidet er wie seine Kollegen unter der miserablen Rundumsicht, stellt mir zusätzlich massive Fondkopfstützen ins Blickfeld und nervt schon bei 130 km/h mit deutlichen Windgeräuschen von der A-Säule. Gepäck scheint VW zudem für eher nebensächlich zu halten. Kleiner fällt hier nur der Peugeot aus, bei gefaltetem Blechdach bleibt gerade mal ein schmaler Schlitz zum Laden. Durchdachter wirkt da der Opel, der das Dachpaket im Kofferraum auf Knopfdruck anhebt. Okay, diese Höflichkeit dauert über zehn Sekunden und eröffnet keine Riesenluke – sie erleichtert einen Einkauf aber ungemein.

Das Opel-Dach öffnet laut und langsam

Zum Sonnenbad bittet der Opel nach rund 30 Sekunden – etwa so schnell wie der VW, nur viel, viel geräuschintensiver. Hier schnarrt, surrt, klackt und schleift es in allen Tonlagen. Es geht schon ziemlich laut zu. Dass ich mit meiner Größe von 1,97 Metern die Frischluft-Sause nicht ganz so entspannt genießen kann wie im VW, hat aber andere Gründe. Irgendwie sitze ich zu hoch, mein Kopf ragt fast oben raus, der Wind zerrt früher an der Frisur. Außerdem schränkt der klobige Innenspiegel die Sicht nach vorn stark ein, es fehlen vernünftige Ablagen und Dosenhalter. Den "Coffee-to-go" muss ich im Astra jedenfalls in der Hand behalten. Alles andere als blitzgescheit.

Überraschend gut aufgehoben fühlte ich mich im 307 CC. Auch wenn die Sessel zu weich sind und wenig Halt bieten, sitze ich hier schön tief im Auto. Zugegeben, weder vorn noch hinten kann ich was von der Karosserie erspähen – aber das scheint ohnehin der Preis für diese Zwei-in-eins-Autos zu sein.

Immerhin entledigt sich der 307 CC in flotten 22 Sekunden der Blechhülle über unseren Köpfen. Es knackt und surrt vernehmlich, schüttelt den Franzosen zwischendurch immer mal ein wenig – am Ende gibt es aber die große Freiheit. Fast jedenfalls. Denn die weit nach hinten reichende Frontscheibe trennt uns stärker von der Außenwelt als bei Astra und Eos. Netter Nebeneffekt für Frauen mit langer Mähne: Wie beim Mégane fächelt der Wind eine Spur sanfter ins Abteil und zerrt nicht so rabiat an den Haaren.

Werksangaben und Testwerte

Der Mégane gewinnt schließlich die Strip-Krone: 20 Sekunden, und er steht oben ohne da. Der Fahrer kann sich aber nur kurz daran freuen. Denn als nächstes fällt sein Blick auf die Instrumente – und die sind wirklich lieblos gemacht. Dem Drehzahlmesser wurde nicht mal ein roter Bereich gegönnt.

Die Sitze sind auch nicht das Gelbe vom Ei. Sie bieten den Oberschenkeln deutlich zu wenig Auflage. Dazu kommt noch, dass ich im Renault ähnlich wie im Astra zu hoch über dem Auto throne und mich permanent ducken möchte. Immerhin lässt sich der Heckabschluss des Mégane fast erahnen. Und unter den Kofferraumdeckel passen stolze 490 Liter. Mehr bietet bei geschlossenem Verdeck keiner, Landsmann Peugeot bringt es nur auf 350 Liter.

Daß beim anderen Geschlecht nur punktet, wer schnell ist, hat VW am besten verinnerlicht. Der 2,0-Liter-FSI mit 150 PS ist stets eher am Ziel als seine Mitstreiter, gefällt mit guten Manieren und unaufgeregter Soundkulisse. Die beiden Franzosen folgen dem Eos dichtauf, wirken munter und drehfreudig. Kaum Unterschiede zeigen sich auch im zurückhaltenden Laufgeräusch, allenfalls hinterlassen die 135 PS des Mégane gegenüber den 140 PS des 307 CC einen geringfügig spritzigeren Eindruck.

Den Franzosen fehlt das Feingefühl

Chancenlos müht sich dagegen der Astra. Trotz 140 PS kann der einzige 1,8-Liter (sonst 2,0-Liter) einfach nicht mithalten, lässt Spontanität und Lust an der Leistung vermissen. Natürlich reichen die Fahrleistungen für ein Cabrio aus, so rechten Spaß bringt der Opel aber nicht. Angestrengt knurrend kämpft er sich über die Autobahn, wird bei hohen Drehzahlen laut und macht das Überholen zum Geduldsspiel.

Schade, denn vom Fahrwerk her verträgt der Astra viel mehr. Straff abgestimmt bügelt er souverän über Bodenwellen und belästigt uns nur selten mit Schlägen. Die Lenkung arbeitet zielgenau, das Handling hält keine Überraschungen parat. Nur die hakelige Schaltung stört. Bei jedem Gangwechsel muss ein Druckpunkt überwunden werden, der ein wenig an die Rückwärtsgangsperre eines BMW erinnert.

Geschmeidiger und komfortabler schmeichelt sich der Eos in die Herzen seiner Fahrer. Die direkte Lenkung, eine präzise Schaltung und die ausgewogene Federung setzen in diesem Vergleich den Maßstab. Punkte verspielt VW allerdings mit den optionalen 17-Zöllern, die ab und zu unsanft aufstoßen und starke Abrollgeräusche produzieren.

Überraschend wenig Raffinesse und Charme verraten die Fahrwerke der Franzosen. Recht ungestüm poltern sie über Gullydeckel und Bahnschienen, lassen das notwendige Feingefühl vermissen – sehr verführerisch kommt das nicht an. Die seltsam entkoppelt wirkende Lenkung des Renault und die schlaksige Schaltung des Peugeot lassen ebenfalls Raum für Verbesserungen. Fahren wie Gott in Frankreich stelle ich mir jedenfalls anders vor.

Kosten und Ausstattungen

Die Sympathie kehrt erst mit den Preisen zurück, vor allem bei Renault. Für 24.450 Euro gehört der Klapp-Mégane mir – bon. Mit 25.650 Euro liegt der 307 CC dann schon auf Niveau des Astra TwinTop (25.400 Euro). Was im Vergleich zum VW immer noch günstig ist: 27.950 Euro verlangen die Wolfsburger. Ziemlich gierig, wo gute Liebhaber doch eher großzügig sein sollten.

Fazit und Wertung

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Gerald Czajka: Lust auf den Sommer machen alle vier Blechdach-Cabrios. Am Ende fährt der sehr teure und technisch sehr anspruchsvolle Eos als Sieger in den Sonnenuntergang. Die solide technische Basis des Golf und ein hohes Qualitätsniveau sind die wesentlichen Gründe dafür.

Der Astra ist als Zweiter unter Wert geschlagen. Mit einem temperamentvolleren Motor geht hier sicher mehr. Auf Rang drei folgt der Mégane, der uns mit innerer Größe und günstigen Preisen überrascht. Ohne herausragende Stärken bleibt dem Peugeot schließlich Rang vier. Was schlimmer klingt, als es ist, denn echte Schwächen leistet auch er sich nicht.

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für VW Eos 2.0 FSI, Opel Astra TwinTop 1.8 Edition, Peugeot 307 CC Tendance 140 und Renault Mégane Coupé-Cabrio 2.0 16V Dynamique. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autor: Gerald Czajka

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.