Test Volvo XC60
— 22.09.2008Schwedens sanftes SUV
Volvo sagt der Kante endgültig adieu: Der XC60 besitzt das Heck eines Coupés, das Wesen eines Verwöhn-Sofas und die Sicherheit eines Banktresors. Seine günstigen Preise sichern ihm einen Platz in der Boom-Klasse.
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Im XC60 sitzt man 13 Zentimeter höher und aufrechter als im V70
Laut Volvo sollen in den USA zu 50 Prozent Frauen den XC60 kaufen, bei uns zu 25 Prozent. Das Eingeständnis, dass in dieser Boom-Klasse oft Damen am Steuer sitzen. Den wichtigsten Grund schätzen auch Männer: Im XC60 sitzt man 13 Zentimeter höher und aufrechter als im V70, aus dem alle Schalter, Hebel und Instrumente stammen. Es gibt nicht mehr Platz als im Kombi, man fühlt sich nur luftiger, umgeben vom typisch sachlichen Volvo-Stil – eine Art rollendes Billy-Regal für Akademiker. Die Rückbank lässt sich – anders als im Rivalen Audi Q5 – nicht verschieben. "Die Kunden nutzen es nicht", entschuldigt ein Entwickler die Rotstift-Politik. Aber Frauen denken doch praktisch? Dann stört sie vielleicht, dass der Volvo den kleineren Kofferraum (495 bis 1455 Liter) hat als der gleich lange Audi Q5 (540 bis 1560), und dass man nach schräg hinten herzlich wenig sieht. Der Preis der Schönheit.Im kompakten Volvo-SUV gibt es eine schöne Verwöhn-Federung
Beruhigen wird das Fahrgefühl. Man schwebt im XC60 D5 dahin, begleitet vom grummelnden Klang des Fünfzylinder-Diesels, der besänftigt wie ein knisterndes Kaminfeuer. Aus dem gleichen Holz geschnitzt ist die Sechsstufenautomatik (2050 Euro extra), die nicht so modern ist wie das Doppelkupplungsgetriebe bei Audi, trotzdem sehr gut passt zum entspannten Charakter des Volvo. Ähnlich wie der Land Rover Freelander besitzt der XC60 eine schöne Verwöhn-Federung, die vor allem die Deutschen anscheinend verlernt haben. Sportliche Geister werden klagen, man rutsche auf den breiten Sitzen herum, und die Lenkung arbeite wie bei Volvo üblich verzögert. In scharfen Kurven sind BMW und Audi agiler, dort schiebt der schwere Diesel den XC60 kräftig über die Vorderräder. Die verbesserte Haldexkupplung im Allrad-Strang beherrscht den Kraftmix zwischen Vorder- und Hinterachse flotter, doch im Kern ist der Volvo ein Fronttriebler. Gelände? Besser nie.ANZEIGE
Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat
Mit der weichen Welle liegt Volvo goldrichtig: Der XC60 ist ein Gesicht in der Masse – und das zählt bei modischen SUV mehr als Offroad-Können. Bei den Sparmotoren sollte Volvo schnell nachlegen, die Preise sind attraktiv. Dieses Auto kann ein großer Erfolg für Volvo werden.| Technische Daten | XC60 T6 AWD | XC60 2.4D AWD | XC60 D5 AWD |
|---|---|---|---|
| Motor/Hubraum | Sechszyl.,Turbo/2953 cm³ | Fünfzyl.,Turbo/2400 cm³ | Fünfzyl.,Turbo/2400 cm³ |
| Leistung bei 1/min | 210 kW (285 PS)/5600 | 120 kW (163 PS)/4000 | 136 kW (185 PS)/4000 |
| Drehmoment bei 1/min | 400 Nm/1500 | 340 Nm/1750 | 400 Nm/2000 |
| 0–100 km/h | 7,5 s | 10,5 s | 9,5 s |
| Vmax | 210 km/h | 195 km/h | 205 km/h |
| Verbrauch (l/100 km) | 11,9 l S | 7,5 l D | 7,5 l D |
| CO2 | 284 g/km | 199 g/km | 199 g/km |
| Typklassen HPF/VK/TK | 23/21/23 | 21/22/23 | 21/22/23 |
| Preis | ab 43.500 Euro | ab 33.900 Euro | ab 35.800 Euro |
Ein Wettbewerbsumfeld in Bestform: die Konkurrenten des XC60
Audi Q5
• Das kann er: Der Q5 überzeugt mit einem Mix aus Alltags-Nutzwert (verschiebbare Rückbank), viel Platz und sparsamen Motoren. Agiles Fahrgefühl, aber zu harte Federung.• Das kostet er: Der Q5 zählt zu den Teuren – ab 38.300 Euro gibt es zwei Diesel (170, 240 PS) und einen Benziner (211 PS). Offroad- und Sportpakete extra.
• Die kaufen ihn: Aufsteiger vom Avant ebenso wie Freunde des hochwertigen, unterkühlten Audi-Stils. Designer-Stück.
BMW X3
• Das kann er: Der wollte nie in den Dreck, sondern ums Eck. Die Fahrmaschine bietet eine direkte Lenkung, agiles Handling, wenig Platz und eine straffe Federung. Offroadpakete sind nicht verfügbar.• Das kostet er: Da der Basis-Benziner (150 PS, 35.300 Euro) schlapp wirkt, beginnt die BMW-Freude bei 38.300 Euro für den kleinsten Diesel (2,0 Liter, 177 PS).
• Die kaufen ihn: Das Blut fließt noch flotter. Der Nachbar hat einen Touring – dann muss es X3 sein. Auch für 3er-Fahrer.
Mercedes GLK
• Das kann er: Der kurze Mercedes beherrscht von Offroad bis Boulevard jedes Parkett, wenn er entsprechend aufgerüstet wird. Keiner ist optisch so kantig.• Das kostet er: Am meisten, er ist halt der Mercedes dieser Liga. Ab 40.341 Euro für den 170-PS-Diesel oder 43.554 Euro für den V6-Benziner (231 PS). Günstigere Motoren folgen frühestens Ende 2009.
• Die kaufen ihn: Kunden, die in der runden Welt das Eckige mögen, oder Leute mit Stern-Faible: Umsteiger von ML oder G-Klasse.
VW Tiguan
• Das kann er: Viel mehr, als die schnöde Form verspricht. Der Tiguan hält in Platz, Leistung und Fahrspaß mit den Großen mit. Wenig Image, großer Erfolg: Der VW ist Bestseller im 4x4-Markt.• Das kostet er: Das Schnäppchen in der Edel-Liga, ab 27.200 Euro für den empfehlenswerten 150-PS-Benziner. Diesel (140 PS) gehen bei 29.300 Euro los.
• Die kaufen ihn: Vernunftmenschen, Sparfüchse, Cleverles – den VW umweht der Golf-Effekt. Dieses Auto passt vielen.
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