Test Volvo XC60 D5

Volvo XC60 D5 Volvo XC60 D5

Test Volvo XC60 D5

— 10.11.2008

Sanftes SUV am Limit

Beim Elchtest hebt der Volvo XC60 ein Bein, bleibt aber sicher in der Spur. Der AUTO BILD-Test zeigt, was das SUV aus Schweden draufhat. Kann es den deutschen Platzhirschen gefährlich werden?

Die rot-weiße Gasse ist schmal wie ein Nadelöhr. Mit Tempo 72 schießt der Volvo hinein, ein scharfer Schwenk nach links, dann nach rechts. Der XC60 wankt wie ein Partygänger morgens um fünf. Als es rüttelt und rumst – ESP! Der elektronische Rettungsanker greift rigoros ein, mit harmlosen 38 km/h taumelt der Schwede aus der Tortur. Erst die Bilder zeigen später, dass der Volvo im schärfsten Test-Stress ein Bein hebt. Verliert das Vorbild für Sicherheit etwa die Bodenhaftung? Hat ausgerechnet der Schwede ein Elch-Problem? Bremen-Lemwerder, AUTO BILD-Testgelände, 14 Uhr, Luft acht Grad, gefühlte null Grad. Das hier ist kein Schaulaufen im Messelicht, sondern eisige Wahrheit beim ersten Test des Volvo XC60. Jetzt muss der schöne Schwede zeigen, was er kann.

Das coupéförmige Heck kaschiert die wahre Größe des Volvo

Zugegeben, die Rückleuchten sind eine Show. Wer den Volvo vorm Supermarkt nur mit einem Plip auf die Fernbedienung sucht, dem leuchten diese Sicheln aus der Ferne entgegen wie eine unverkennbare Visitenkarte. Den Hintern in der Menge hat Volvos Designchef Steve Mattin da kreiert. Den Deckmantel des Nutzwerts hat dieser Boulevardtiger endgültig abgestreift. Zudem kaschiert das coupéförmige Heck, dass der XC60 mit 4,63 Meter Länge – ähnlich wie der Audi Q5 – schon nicht mehr als kompaktes SUV durchgehen darf. Das hier ist ein sattes, knapp zwei Tonnen schweres Exemplar aus der aufstrebenden Verwöhn-Klasse. Ein Allrad-Kombi mit bester Übersicht im ersten Stock. Immerhin bekommt man einen breiten, tiefen Kofferraum (495–1455 Liter) und viel Platz im Fond. Eine verschiebbare Rückbank, die der Audi als Extra bietet, haben wir nicht vermisst. Eher schon eine bessere Sicht nach schräg hinten oder rätselfreie Lenkstockhebel. Die verstecken sich nicht nur hinterm Lenkradkranz, sondern sind in der getesteten Topversion "Summum" überladen mit Funktionen: Wischer, Heckwischer, Blinker, Bordcomputer - und wir dachten, schwedisches Design sei klar wie Quellwasser.

Der sympathisch-grummelige Diesel nimmt gerne einen über den Durst

Durstiger Geselle: Im Schnitt genehmigte sich der Motor 9,5 Liter Diesel.

Der technische Overkill passt wenig zum entspannten Charakter des Volvo, der mit breiten, aber haltlosen Sitzen und ordentlicher Verarbeitung vorfährt. Der sympathisch-grummelige Fünfzylinder-Diesel und die sanfte Sechsstufenautomatik ergeben ein leises, gelassenes Pärchen, das sich beim Anfahren eine kleine Atempause gönnt. Dass andere Diesel-SUV einen Tick flotter sind, geht dir im Volvo links vorbei. Nur nicht, dass der hubraumstarke Motor auf der Autobahn gern einen über den Durst nimmt. Der Testverbrauch von 9,5 Litern liegt klar höher als etwa beim Mercedes GLK 220 CDI (7,9 Liter). Beim Volvo funktioniert der Spartrick mit dem lang übersetzten sechsten Gang nicht wirklich, zudem sorgt der große Drehzahlsprung zwischen fünftem und sechstem Gang (850 Umdrehungen) für hektisches Schalten.

Nein, der Volvo möchte lieber gleiten. Dann fällt die leichtgängige, zu gefühllose Lenkung wenig auf, und die komfortable Federung wiegt die Insassen wie auf Wolken. Das Four-C-Fahrwerk unseres Testwagens (1350 Euro extra) mit den drei einstellbaren Dämpferhärten Comfort, Sport, Advanced kann man sich schenken. Die Sicherheit garantieren standfeste Bremsen und eben das übereifrige ESP: Erst lässt die Elektronik sanfte Heckschwenks zu, sogar mit ungefährlichem Beinchen-Heben, dann greift das System scharf zu – eine sensiblere Abstufung wie bei BMW und Mercedes wirkt doch vertrauenerweckender. An Volvos Sicherheit gibt es nichts zu mäkeln – auch dank serienmäßigen "City Safetys" – eines Unfallschutzes, der bis Tempo 30 Auffahrunfälle zumindest abschwächt. "City Safety" hat der Volvo seinen Gegnern (noch) voraus. Doch mit 41.420 Euro für den 185-PS-Diesel samt Automatik, Fahrdynamik-Paket und 18-Zöllern liegt der XC60 in Preis und Ausstattung gleichauf zur deutschen Konkurrenz. Auch wenn’s um Geld geht, fährt der sanfte Schwede hart am Limit.

Das Fazit von AUTO BILD-Redakteur Joachim Staat

Hier kommt die schicke Alternative zu BMW X3 oder Mercedes GLK: Der XC60 wirkt eigenständig und dynamisch wie kein Volvo zuvor. Schön, dass seine Coupé-Linie keine Abstriche im Alltag verlangt. Das Platzangebot und der Kofferraum überzeugen, ebenso der Komfort und die solide Qualität im Detail. Wer den Volvo in aller Ruhe genießen will, wird auch den gelassenen Antrieb schätzen und den durstigen Motor hinnehmen. Dynamiker dagegen kommen mit dem kopflastigen Riesen weniger klar. Volvo verspricht für 2009 kleinere Motoren und einen reinen Frontantrieb. Damit könnte der XC60 noch besser dastehen.
Fahrzeugdaten Volvo XC60 D5 AWD Automatik
Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage Fünfzylinder, Turbo, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Zahnriemen
Hubraum 2400 cm³
kW(PS)bei 1/min 136 (185)/4000
Nm bei 1/min 400/2000
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h
Getriebe 6-Stufen-Automatik
Antrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 235/60 R 18
Radgröße 7,5 x18"
Abgas CO2 219 g/km
Verbrauch* 10,9/6,8/8,3 l
Tankinhalt 70 l Diesel
Kofferraumvolumen 495–1455 l
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Messwerte Volvo XC60 D5 AWD Automatik
Beschleunigung
0–50 km/h 3,4 s
0–100 km/h 10,2 s
0–130 km/h 17,5 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 5,8 s
80–120 km/h 7,7 s
Leergewicht/Zuladung 1916/589 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 59/41 %
Wendekreis links/rechts 12,3/12,0 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 38,7 m
aus 100 km/h warm 37,3 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 58 dB (A)
bei 100 km/h 65 dB (A)
bei 130 km/h 68 dB (A)
Testverbrauch – CO2 9,5 l D – 252 g/km
Reichweite 750 km

Autor: Joachim Staat

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