Test VW Eos gegen Opel Astra TwinTop

Opel Astra TwinTop gegen VW Eos Opel Astra TwinTop gegen VW Eos

Test VW Eos gegen Opel Astra TwinTop

— 15.05.2006

Jetzt kommt es ans Licht

Zwei Cabrios, zwei Redakteure, zwei Meinungen: Wo schmeckt der Sommer am besten? Ein erstes Treffen der beiden neuen Klappdach-Cabrios.

Jörg Maltzan: Der VW punktet mit ...

Allein die Namen bringen es auf den Punkt: Eos, also die griechische Göttin der Morgenröte, gegen Astra TwinTop – das klingt wie Heidi Klum gegen Heide Simonis. Ich weiß jedenfalls genau, wen ich wählen würde. Den Eos, am liebsten – meine Frau möge mir verzeihen – mit Frau Klum auf dem Beifahrer-Sitz.

Aber im Ernst: Beide Cabrios bringen frischen Wind ins ewige Duell Astra gegen Golf. Beide stammen vom jeweiligen Volumenmodell ab und sind nach identischem Muster gestrickt. Trotzdem bin ich sicher: Der Eos wird sich besser verkaufen. Warum das so ist, bringt eine Vergleichsfahrt durch die Cabrio-Hauptstadt Hamburg ans Licht.

Besonders zwei Argumente lassen das Pendel zugunsten des VW ausschlagen: Image und Technik. Der Astra ist gut, der Eos besser. Für mich sind es die durchdachten Details und versteckten Feinheiten, die den VW über den Opel heben. Beispiel Einparkhilfe: Die Hecksensoren lösen nicht nur Annäherungsalarm aus, sondern bieten zusätzlich einen Klappdachassistenten. Befindet sich ein Hindernis im Kofferraum-Schwenkbereich, bleibt der Deckel zu, und eine Warnmeldung erscheint im Display. Ob unsichtbare Scheiben-Antenne, abgedeckte Schrauben für die Kennzeichenbefestigung oder glattflächige Tankklappe – unter funktional ästhetischen Gesichtspunkten haben die Ingenieure in Wolfsburg weitergedacht als die Rüsselsheimer.

... technischer Raffinesse ...

Gleiches gilt fürs Glasschiebedach. VW hat eines, Opel nicht. Oder die Blinker: Im TwinTop leuchten simple Glühbirnen, während der Eos zackige LED-Signale abstrahlt. Oder die Zuziehhilfe: Sanft fällt der Eos-Heckdeckel ins Schloß und wird von einem E-Motor verschlossen. Die TwinTop-Haube verlangt dagegen nach Muskelkraft.

Oder die Hinterachse: Im Opel hält eine einfache Verbundlenker-Lösung die Spur. Der Eos dagegen rollt auf einer aufwendigen Vierlenker-Konstruktion. Ob man das nun merkt oder nicht, an meinem Stammtisch ist so etwas ein Pfund zum Wuchern. Zu spüren sind auf jeden Fall ein komfortables Fahrwerk, bequeme Sitze und die gefühlvolle Lenkung – ganz der Golf eben. Der Astra ist straffer und verlangt höhere Lenkkräfte.

Mehr als Geschmackssache ist der Klappmechanismus des Dachs. Und hier hätte gern VW bei Opel abgucken dürfen. Nicht nur, daß sich der Opel bis 30 km/h öffnet oder schließt, sein Dach folgt auch den Befehlen der Fernbedienung. Zudem hat er eine Beladungshilfe, die bei offenem Dach die Stauarbeit erleichtert. All das kann der Eos nicht. Schade, das hätte ich auch vom VW erwartet. Daß seine elektrischen Dachdecker dafür erheblich leiser arbeiten, ist nur ein schwacher Trost.

... und besserem Image

Für VW spricht dagegen das bessere Image. Elf von zwölf zufällig befragten Passanten entschieden sich spontan für den Eos. Nur ein Ford-Fahrer fortgeschrittenen Alters gab dem Opel den Vorzug. "Weil es ein Opel ist", mit diesen Worten lehnt hingegen eine 30jährige den TwinTop ab und sagt damit alles: Wer das Luxusgut Cabrio kauft, will vor allem ein Ich-Mobil, will sich präsentieren. Dafür ist der VW besser geeignet. Da kann der Opel noch so gut sein, gegen positive Markenwerte kommt er nicht an.

Da tut er mir leid. Denn er ist viel besser als der Ruf der Marke. Für ein Klappdachcabrio hat er eine elegante Linie. Scharfe Blechkanten, dicke Radhauswulste und auffällige Chromleisten machen sein Blechkleid sportlich. Aber das auffällige Styling wird schneller langweilig, wie das ermüdende Interesse an der Astra-Limousine belegt.

Der Eos ist weniger mutig. Satt liegt er auf der Straße. Front und Heck setzen klare Signale: Ich bin ein VW, konservativ, solide, risikoscheu. Für mich hat der Eos technoiden Charme. Aber das ist wohl eine männliche Sicht. Kollegin Margret Hucko sieht das Ganze ganz anders (nächste Seite): "Oh, was für eine unglückliche Farbe", war ihre erste Reaktion auf den VW. Mann, das ist mal wieder typisch Frau.

Margret Hucko mag am sportlichen Astra ...

Nicht schon wieder die Einparkfrage! Als gäbe es nichts Wichtigeres beim entscheidenden Rendezvous des Jahres: Opel Astra gegen VW Eos, die Neuauflage des Golf Cabrio gegen den Nachfolger des offenen Astra. Deutsche Volksvertreter par excellence, die sich diesen Sommer endlich auch nach oben öffnen. Kurz gesagt, die sind Deutschland. Und der Mann neben mir redet über einen Parkpieper im Astra, der weniger intelligent sein soll als der Abstandssensor des Eos – das geht mir nicht in den Kopf.

Es ist nicht irgendein Mann, sondern ein erfahrener Kollege. Der findet, daß der Eos "detailverliebter" sei, "hübschere LED-Leuchten" habe und "bessere Technik-Gimmicks". Außerdem sei er mit einem positiveren Image ausgestattet, nicht so vorurteilsbeladen wie die Marke Opel. Aber was redet der da? Ein Haus kauft ja auch keiner der Tapete wegen. Eher schon, weil die Fassade glänzt, der Preis stimmt und der Bau solide ist. Wie der Astra, ein Cabrio auf gutem Qualitätsniveau ab 23.650 Euro. Eines mit Kanten. Nicht so glattgestriegelt wie der Eos, sondern im trotzigen Opel-Design, das die GM-Tochter seit ihrer Wiederbelebung kultiviert.

Bereits vor dem Losfahren offenbart der Astra seinen Charakter, eine Sportkanone will er sein. Und ist es auch: Wer eine gepfeilte Motorhaube trägt, sich tief auf die Straße duckt und durch gitterförmige Lufteinlässe atmet, ist ein Dynamiker. Was er seine Fahrer auch spüren läßt. Er federt straffer als der Eos, lenkt präzise und wirft sich wankfrei in jede Kurve. Sport macht schön, schön ist angesagt. Nur das Dieselgeräusch stört Cabrio-Puristen – aber Opel bietet ja auch noch geschmeidige Ottomotoren an.

... den raffinierten Dach-Mechanismus ...

Der Kofferraum ist mit 440 Litern riesig, schrumpft aber schlagartig um mehr als die Hälfte (205 Liter), wenn ein Knopfdruck am Fensterholm das Verdeck in den Gepäckraum zwingt. Sssstt, der Kofferraumdeckel schwenkt aus und hört sich dabei an wie ein Insektenschwarm. Anschließend fährt die Klappe nach oben, das dreiteilige Verdeck faltet sich zu einem Sandwich und landet mit einer Rolle rückwärts im Gepäckabteil. Dauert nicht länger als 30 Sekunden und funktioniert anders als beim mindestens 255 Euro teureren Eos sogar während der Fahrt bis Tempo 30. So was zählt.

Der TwinTop beantwortet quälendes Gehirn-Pingpong (Verdeck auf oder zu?) mit unvergleichlicher Leichtigkeit, Motto: auf und weg an der Ampel. Eos-Fahrer geben sich da eher verschlossen, gezwungener Maßen. Denn das VW-Verdeck öffnet weder während der Fahrt, noch mit dem Zündschlüssel in der Hand wie beim Astra – letzteres allerdings gegen 195 Euro Aufpreis. So spielt der Opel vor den Straßencafés der Stadt ganz großes Kino, Hollywood statt Heimatfilm.

Der dynamische Auftritt und die magische Verdeck-Show begeistern. Und zum ersten Mal muß man sich bei einem viersitzigen Blechdachcabrio nicht mehr schämen, weil das Heck so mollig ist. Dank aufwendiger Dachkonstruktion mit fünf Elektromotoren, acht Hydraulikzylindern und 13 Kontrollsensoren ist es Opel gelungen, eine schlanke Rückansicht zu zeichnen, die wirklich sexy ist.

... und praktische Details

Dabei verliert der Fond nicht an Komfort. Hinten haben sogar Erwachsene genügend Beinfreiheit, den Einstieg in die zweite Reihe erleichtert Easy Entry. Leichteren Zugang zum Kofferraum ermöglicht Easy Load, beides gehört zur Serie. Ein Elektromotor hebt das Dach-Paket um 25 Zentimeter an und hält es neun Minuten oben. Darunter rutschen Gepäckstücke durch, die im Eos steckenbleiben.

Alles Easy im Opel also. Wen interessiert da noch ein kluger Parkpilot mit Heckdeckelassisten im VW Eos (380 Euro), der beim Öffnen des Verdecks mahnende Worte ins Display schreibt: "Heck schwenkt aus". Klingt doch verdammt nach Laster. Und mit noch einem Laster mehr will doch niemand durchs Leben fahren. Außer dem Kollegen Maltzan ...

Hier ist Ihre Meinung gefragt

Ob ein Auto letztlich ankommt, wissen nur die Verbraucher selbst – also Sie. Deshalb ist uns Ihre Meinung wichtig. Vergeben Sie eigene Noten für Opel Astra TwinTop und VW Eos. Den Zwischenstand sehen Sie nach Abgabe Ihrer Bewertung.

Autoren: Margret Hucko, Jörg Maltzan

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