Test VW Eos V6

Test VW Eos V6 Test VW Eos V6

Test VW Eos V6

— 12.01.2007

Eos, der Starke

Noch nie galoppierte ein offener Volkswagen mit so vielen Pferden. Braucht er sie wirklich? Nein, aber er kann der Cabrio-Oberklasse damit kräftig einheizen.

Messwerte und Kosten

Seien wir mal so offen wie ein Eos im Hochsommer: Wer braucht 250 PS in einem Cabriolet? Aber verschließen wir uns auch nicht vor der Wirklichkeit und seien ganz ehrlich: Ein bisschen Spaß macht es doch. Ein bisschen viel sogar. Weniger Heißblütige können rund 10.000 Euro sparen, wenn sie sich mit der 115-PS-Basisversion für 26.621 Euro bescheiden. Staunend stellen wir aber fest: Mit dem Eos V6 hat VW das preiswerteste viersitzige Cabriolet dieser Leistungsklasse im Programm. Sozusagen ein Volks-Cabrio für Gutverdiener. Konkurrenten wie Audi A4, BMW 3er oder Mercedes CLK sind deutlich teurer.

250 PS an den Vorderrädern, kann das gutgehen? Klares Ja bei trockener Straße, klares Jein bei nasser. Denn die bulligen 320 Newtonmeter des vom Golf R32 her bekannten Motors zerren etwa beim Spurt auf der Einfädelspur spürbar in der Lenkung, per gelbem Tacho-Warnlicht meldet ESP, dass es fleißig bei der Arbeit ist. Was untenrum so stürmisch beginnt, beruhigt sich aber bei höheren Geschwindigkeiten. Dann schüttelt der V6 seine Kraft quasi urgemütlich aus der Kurbelwelle, wirkt keinesfalls überfordert. Nur der Wind zwingt spätestens ab Tempo 200 dazu, beim Unterhalten die Stimmen etwas anzuheben.

Gute Sitze, gute Qualität, tolles DSG: Hier macht Luftschnappen Spaß.

Das DSG ist das Tüpfelchen auf dem i

Tüpfelchen auf dem i ist jedoch das serienmäßige Direktschaltgetriebe DSG. Dank seiner Doppelkupplung hat es beim Beschleunigen oder Bremsen immer schon den passenden nächsten Gang eingelegt. Das eigentliche Schalten verrät nur die Nadel des Drehzahlmessers und das Display daneben. Natürlich können die zwei Schaltpaddel am Lenkrad das Kommando übernehmen, aber da DSG besonders in der Sportstufe "S" sensibel aufs kleinste Zucken des Gasfußes reagiert, haben wir die Paddel gedanklich schnell entsorgt. Die volle Leistung ist bei solch einem Stahldach-Cabrio vielleicht mal zum Überholen oder Einfädeln nötig, wichtiger in dieser Wagenklasse ist doch der Genuss von Freiheit und Frischluft.

Kurven durcheilt der Eos dank feinfühliger Lenkung fast wie ein Kart.

Der sich heute ohnehin nur noch auf Nebenstraßen einstellt. Die durcheilt der Eos dank feinfühliger Lenkung fast wie ein Kart, auch die Federung ähnelt der eines solchen Flachflitzers – kurze Fahrbahnstöße mag der Eos nicht so gern, sie kommen spürbar durch die guten Schalensitze. Gelegentlich knistert es auch im Gebälk, wenn das fünfteilige CSC-Dach (Coupé-, Schiebe- und Cabriodach) geschlossen ist. Offen ist es eine echte Offenbarung, was die Ingenieure da zusammen mit Webasto entwickelt haben. Die japanische Faltkunst Origami wirkt neben dem CSC wie ein billiger Papierflieger. Wenn sich das Dach in einer knappen halben Minute öffnet oder schließt, dann könnte die knackigste Blondine den Schalter halten, das Dach würde ihr die Schau stehlen.

Offen ist der flinke Eos eine echte Offenbarung

Der Stahldach-Strip des VW Eos verdient Applaus.

Wie vollkommen Hebel, Hydrauliken, Scharniere, Kabel und Verkleidungsteile da zusammenarbeiten, sich legen, drehen und stützen, das verdient Applaus. Nur ganz hinten im Hinterkopf lauert plötzlich der Gedanke an einen Crash. Keinen schlimmen, den mildern Front-, Kopf- und Seitenairbags hoffentlich gekonnt ab, beim Überschlag schnellen hinten zudem auch Schutzbügel heraus. Nein, der kleine Rempler zwischendurch kommt in den Sinn, die vielleicht 3000 Euro kostende Reparatur einer Unachtsamkeit. Wenn das Dach da mal einen Stoß mitbekommt, dann bedauern wir jetzt schon den Monteur, der die Feinarbeiten machen muss. Immerhin: Die Versicherungen kalkulieren wohl schon mit einem Dach-Aufschlag, die Kasko-Einstufung dieses Eos ist mit 25/27 (Voll/Teil) recht hoch.

Daten, Fazit, Wertung, Ihre Meinung

Doch Eos, die Göttin der Morgenröte, wurde nicht ohne Grund zur Taufpatin gewählt. Zwei Personen genießen dank Frontscheiben-Spoiler und Windschott zugfrei Sonnenauf- und -untergänge. Ohne Windschott können auch hinten zwei Personen zusteigen. Sie müssen sich zum Einsteigen bei geschlossenem Dach ordentlich falten, können dann aber erstaunlich bequem sitzen.

Bei so viel Frischluft und Fahrfreude auch mal ein Dämpfer: Erst mit Super plus bringt der Motor die volle Leistung, 95-Oktan-Super verträgt er aber auch. Knapp zehn Liter Verbrauch sind für 250 PS wenig, die Steuereintreiber aber freuen sich. Aber wie war das noch mit dem guten Geschmack? Der war halt schon immer etwas teurer.

Fazit von AUTO BILD-Testredakteur Diether Rodatz

Offen und ehrlich: Der Eos V6 hat uns viel Spaß gemacht. Äußerlich unauffällig, weckt er keine Nachbar-Neidgefühle, seine Stärken schlummern wirklich im Verborgenen: in der sahnigen Maschine, der Offenfahr-Tauglichkeit beim ersten Sonnenstrahl und dem bei geschlossenem Dach erstaunlich großen Kofferraum. Nur die geringe Zuladung von 330 Kilogramm könnte verbessert werden.

Autor: Diether Rodatz

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