Vergleich VW Golf – Nissan Qashqai

Nissan Qashqai – VW Golf Nissan Qashqai – VW Golf

Test VW Golf – Nissan Qashqai

— 24.01.2007

Ein neues Golf-Format

Die SUV werden kleiner und einfacher – und plötzlich sind sie gar nicht mehr so weit weg von den Kompakten. Hat der Nissan Qashqai Chancen, die Golf-Klasse aufzumischen? Erste Begegnung mit Deutschlands Nummer eins.

Wer die Wahl hat, hat die Qual. Stimmt nicht mehr, bei Nissan hat er jetzt den Qashqai – gesprochen Kaschkai, trotz der zwei "Q". Wie heute üblich, kommt er in mehreren Varianten auf den Markt: als Benziner und Diesel, mit Front- oder Allradantrieb. Soweit regt der neue Nissan (Marktstart am 24. Februar) keinen auf. Ganz neu in dieser Wagenklasse ist allerdings die Variante Allradantrieb mit Dieselmotor und Automatikgetriebe. Weniger neu ist der Anspruch, nun auch ein modisches "Crossover" zu sein. Was überkreuzt sich hier? Der Nissan will alles in einem bieten: Platz wie in einer Limousine, Nutzraum wie ein Kombi und Geländetauglichkeit.

Qashqai-Vorteil: Die bequeme, hohe Sitzposition

Achtung, Kreuzung: Der Qashqai ist Limousine, Kombi und Offroader.

In seinem sogenannten C-Segment trifft er natürlich auf Gegner wie Golf & Co. Klar, dass der zu einem ersten Blitzvergleich anrollen musste. Wie viel Limousine steckt in dem Japaner, der zu fast 100 Prozent aus Europa kommt? Da er zehn Zentimeter länger und 14 höher als ein Golf ist, wirkt er natürlich luftiger. Präzise Zentimeter-Fuchserei können wir aber erst bei einem Vergleichstest nachreichen. Der entscheidende Qashqai-Vorteil zeigt sich, wenn man sich hinters Steuerrad klemmt: Tür auf, Hintern zum Sitz drehen, einknicken und Beine nachziehen. Bequemer geht es nicht. Denn in den Golf müssen wir uns zusätzlich fallen lassen, weil er ja deutlich tiefer liegt. Und beim Aussteigen fällt das Aufrichten schwerer. Ältere Passagiere wissen eine einstiegsfreundliche Sitzhöhe sehr zu schätzen. Pluspunkt Qashqai.

Alle Jahrgänge aber lieben Nutzwert. Also, wie variabel ist der Qashqai? Der Vergleich geht zugunsten des Golf aus. Dessen Ladefläche ist nach dem Umklappen von Rücksitzfläche (!) und -lehne topfeben. Beim Qashqai geht es bergauf, weil die Sitzfläche nicht hochgeklappt werden kann. Auch hat der Golf die niedrigere Ladekante (69 statt circa 80 Zentimeter), was schwächere Menschen schätzen. Pluspunkt Golf. Geländetauglichkeit halten wir in diesem Fall für unwichtig, da wir Qashqai und Golf mit Frontantrieb gewählt haben. Punkte pari.

Wer aber bietet mehr Fahrvergnügen? Ganz klar der agilere Golf. Doch auch der Crossover hält sich wacker. Beim Basis-Qashqai Visia 1.6 sorgen 115 PS für Vortrieb. Natürlich ist er aufgrund seiner Abmessungen deutlich langsamer als ein gleich starker Golf. Dessen elektromechanische Servolenkung gefällt besser, die des Qashqai wirkt wesentlich teigiger. Pluspunkt Golf. Dafür verblüfft der Komfort des Neuen, erreicht Golf-Niveau. Die Abstimmung verrät, dass die Väter des Qashqai trotz seines Aussehens mit Gelände nicht viel im Sinn hatten. Im Gegenteil, "... die Kunden sollen ihn nicht als ernsthaften Geländewagen verstehen, der Allradantrieb dient nur dazu, auch auf rutschigem Untergrund eine bessere Traktion und damit mehr Sicherheit bereitzustellen", erklärt der Prospekt. Beim Durchrutschen der Vorderräder sorgen Sensoren dafür, dass dann auch die Hinterräder mitarbeiten, und zwar bis zu 43 Prozent. Konzentrieren wir uns aber wieder auf den Fronttriebler, der in Deutschland 70 Prozent Verkaufsanteil haben soll.

Die Sicht nach hinten ist miserabel

Leicht zu besitzen: bequemes Gestühl im Nissan Qashqai.

Wer die bequemen und gut ausgeformten Sitze bestiegen hat, wird die gehobene, aber nicht zu hohe Position schätzen, sieht vor sich ein mit bis zu elf Funktionen (Radio, Bordcomputer Serie; Temporegler auf Wunsch) belegtes Lenkrad, bekommt aber beim Rückblick Probleme: Die Sicht nach hinten ist miserabel. Das schmale Heckfenster und die riesigen D-Säulen verengen das Sichtfeld. Eine Rückfahrkamera empfiehlt sich also. Sie kostet aber mindestens 2000 Euro, weil sie nur zusammen mit dem Navisystem zu haben ist. Wir notieren: Sitzposition gut, Rücksicht schlecht – Punkte pari. Wer hinten sitzt, den stören beim Blick nach vorn die klobigen Kopfstützen. Sie könnten schlanker sein, auch fehlt es den Insassen an vernünftigen Ablagen. Das Handy kann aber in der Tasche bleiben, denn eine Bluetooth-Freisprechanlage ist Serie.

Mit der Grundausstattung hat Nissan tatsächlich nicht gegeizt. Fahrer- und Beifahrerairbags sowie Seitenairbags vorn spielen Schutzengel ebenso wie alle elektronischen Brems- und Anfahrhilfen. Aufpreis kosten nur Metallic-Lacke, besseres Radio oder Navisystem und Getriebeautomat. Der Qashqai-Zweiliter-Benziner ist für 1300 Euro mit dem stufenlosen CVT-Getriebe zu haben. Zum gleichen Preis gibt es im Zweiliter-Diesel sogar eine Sechsstufenvollautomatik. Pluspunkt Qashqai. Die Grundausstattung des Qashqai ist also deutlich besser. Bleibt abzuwarten, ob er den Geschmack der Käufer trifft.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Diether Rodatz:

15.000 Qashqai will Nissan 2007 in Deutschland absetzen. Das würde helfen, den jahrelangen Zulassungs-Rückwärtsgang endlich zu stoppen. Denn auf solche Wagen wartet der Markt. Nicht nur ältere Leute schätzen den bequemeren Einstieg und die bessere Übersicht, brauchen deshalb aber noch lange keinen Geländewagen mit aufwendigem Allradantrieb. Wichtig ist der Preisvergleich: Der Qashqai kostet genauso viel wie ein normaler 115-PS-Golf, ist aber geradezu üppig ausgestattet. Und gegenüber dem eigentlichen Rivalen CrossGolf ist er sogar 3000 Euro billiger. Ich bin sicher, der Qashqai macht seinen Weg. Er macht den Golf zwar nicht überflüssig, könnte ihm aber das Leben durchaus schwer machen.

Autor: Diether Rodatz

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