Test VW Golf Variant/Passat Variant

— 18.05.2007

Welcher ist die bessere Variante?

Es hat lange gedauert: Nach fast vier Jahren gibt's jetzt auch einen Kombi vom Golf. Und der kann eine Menge schlucken – mehr noch als Bruder Passat.
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Von Jörg Maltzan Da ist er wieder. VW liefert seinen Kombi-Kunden ab Juni 2007 – entgegen früheren Absichten – nun doch wieder einen Golf Variant und stellt damit ein großes Fragezeichen in den Raum: Wer braucht jetzt noch einen Passat Variant? Das wollte auch AUTO BILD wissen – und deshalb baten wir die beiden zur ersten Ausfahrt. Verwechslungsgefahr zwischen beiden Modellen besteht kaum. Front und Heck des Passat Variant, für den sich in Deutschland acht von zehn Käufern entscheiden, machen einen eigenständigen technischen Eindruck. Vor allem die dominanten, zweigeteilten Rückleuchten mit ihren runden LED-Blinkern setzen auffällige Design-Signale. Ganz anders der neue Golf Variant. Vorn zeigt er das bei uns seltene Jetta-Gesicht mit den zwei verchromten Doppelstreben im Grill. Bis zur C-Säule gleicht die Flanke der Golf-Stilistik, aber dann kommt das dicke Ende.
Der Golf wirkt kompakter, handlicher und eine Spur spritziger
Besonders seine Heckpartie birgt Stoff für Kontroversen. Ich jedenfalls finde sie sehr gewöhnungsbedürftig – die Markenidentität ist futsch. Mit dem kleinen VW-Emblem und den weit in die Seiten gezogenen Lampengläsern erinnert der Variant-Po eher an den 5er Touring von BMW als an einen typischen Volkswagen. Egal, für Kombis gibt es wichtigere Kriterien als Image und Aussehen. So zum Beispiel das Wohlbefinden während der Fahrt, den Alltagsnutzen und die Kosten. Und da zeigt der in Mexiko produzierte Golf Variant 2.0 TDI echte VW-Qualitäten. Ob in der Stadt, auf der Landstraße oder Autobahn – der 140-PS-Kombi beschleunigt in jeder Situation souverän, fährt präzise um Kurven aller Art und bietet hohen Abrollkomfort. Ein typischer Golf eben. Im direkten Vergleich mit dem Passat wirkt er kompakter, handlicher und eine Spur spritziger.
Relevante Unterschiede im Alltag werden erst beim Einparken spürbar
Der Golf ist 22 Zentimeter kürzer als der Passat – beim Einparken ein Vorteil.
Der Golf ist 22 Zentimeter kürzer als der Passat – beim Einparken ein Vorteil.
Im Golf wie im Passat geizt der identische Pumpe-Düse-Motor vorbildlich mit dem Sprit, doch lautes Dieselknurren sowie das schmale nutzbare Drehzahlband erinnern jederzeit daran, dass hier ein kerniger Selbstzünder am Werk ist. Relevante Unterschiede im täglichen Umgang werden erst beim Einparken spürbar. Denn dabei hat die 22 Zentimeter kürzere Golf-Karosserie Vorteile. Wo der Passat mit viel Lenkrad-Kurbelei in eine enge Lücke gequetscht werden muss, flutscht der Golf in einem Zug hinein. Hilfreich ist seine gute Sicht nach hinten und das prima Raumgefühl. Auch nach vorn bleibt der Golf Variant ein typischer Golf. Leider. Durch die tiefe Sitzpostion ist das vordere Wagenende nur zu erahnen. Da ist der Passat besser. Seine Motorhaube liegt zumindest teilweise im Blickfeld des Fahrers und macht ihn so leichter einschätzbar. Ebenso verbucht der Passat im Innenraum Pluspunkte. Größere Breite und Länge machen ihn logischerweise luftiger. Hinten sind Sitzkomfort und Platzangebot dank des 13,5 Zentimeter längeren Radstands merklich besser als im kleineren Bruder.

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Doch unbequem ist es im Golf keinesfalls. Lange und trotzdem entspannte Urlaubsreisen mit vier Personen an Bord sind auch für ihn kein Problem. Alle, die nicht besonders groß gewachsen sind, finden genügend Kopf- und Kniefreiheit. Den entscheidenden Schlag versetzt der Golf seinem großen Bruder vor dem Getränkemarkt. Wer schluckt mehr? Erst der Passat: Zwölf Kisten mit je zwölf Einliter-Flaschen Cola passen rein, wenn er mit vier oder fünf Personen besetzt ist. Macht insgesamt 144 Liter, genug für ein Dorffest. Hier und da bleibt noch Luft für Grillkohle, Würstchen und Pappteller. Aber eine weitere sperrige Kiste kann der Passat nicht verdauen. Dann der Golf: Mühelos verschwinden die zwölf Kisten in seinem Kofferraum. Und er schafft noch mehr. Ein Zwölfer-Kasten mit Halbliter-Flaschen plus ein Sechsliter-Saftträger finden auch noch Platz. Eine interessante Überraschung. Zwar liegt das Kofferraum-Volumen des Passat nach der akademischen VDA-Messmethode mit 603 bis 1731 Litern über dem des Golf (560 bis 1495 Liter), doch der Praxisversuch belegt, dass der Golf-Variant-Kofferraum besser nutzbar ist. Beim Passat verhindern vor allem die in den Laderaum ragenden Radhäuser eine bessere Raumökonomie, speziell bei sperrigem Ladegut ist der Golf im Vorteil.
Der Golf ist dem Passat in den Kombi-Kriterien ebenbürtig bis überlegen
Ebenbürtige Brüder: Der Kleine ist allerdings 4234 Euro Euro günstiger.
Ebenbürtige Brüder: Der Kleine ist allerdings 4234 Euro Euro günstiger.
Außerdem ist seine Ladekante sechs Zentimeter tiefer als die des Passat, was sich beim Einladen schwerer Gegenstände dankend bemerkbar macht. Auch die Stehhöhe unter der Golf-Heckklappe ist ohne Tadel. Mit etwa 1,87 Metern ist sie nicht ganz so licht wie beim Passat (circa 1,93 Meter), doch für die meisten Menschen mehr als ausreichend. Unterm Strich ist der Golf Variant dem Passat Variant in den Kombi-Kriterien ebenbürtig bis überlegen. Wer abschließend auf den Preis schaut, muss erst mal tief durchatmen. 25.490 Euro kostet ein 140-PS-Golf Comfortline mit Dieselpartikelfilter. Das sind 4234 Euro weniger als für den identisch motorisierten Passat in der gleichen Ausstattungslinie – dafür gibt es auch rund 423 Kisten Cola. Lag der Variant-Anteil beim Golf III noch bei 20 Prozent, stieg er beim Golf IV schon auf 29. Ganz klar: Der Golf V Variant hat auf jeden fall das Zeug dazu, den Kombi-Anteil weiter auszubauen.
Fazit von AUTO BILD-Redakteur Jörg Maltzan
Mit Passat Variant, Touran, Caddy Life, Golf Plus, Sharan und T5 hat VW eigentlich genug gepäckraumorientierte Modelle im Programm. Trotzdem macht der Golf Variant als siebtes Raumwunder Sinn. Er richtet sich an klassische Kombikunden, denen der Passat zu teuer und zu groß ist. Diese Lücke füllt er perfekt. Seine Fahreigenschaften sind ähnlich hoch entwickelt wie die des größeren Bruders. Bei der Transportkapazität ist er sogar besser. Wer keinen Dienstwagen-Anspruch hat, auf Prestige und Image verzichten kann, ist mit dem Golf Variant bestens bedient.
Technische Daten VW Passat Variant 2.0 TDI Comfortline
4 Zylinder, Turbo, vorn quer • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1968 cm3 • Leistung 103 kW (140 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 320 Nm bei 1800/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • Spitze 206+ km/h • null bis 100 km/h 10,1 Sekunden • Reifen 215/55 R 16V • Leergewicht 1510 kg • Zuladung 630 kg • Preis: 29.724 Euro
Technische Daten VW Golf Variant 2.0 TDI Comfortline
4 Zylinder, Turbo, vorn quer • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1968 cm3 • Leistung 103 kW (140 PS) bei 4000/min • max. Drehmoment 320 Nm bei 1750/min • Vorderradantrieb • Sechsganggetriebe • Scheibenbremsen, vorn innenbelüftet • Spitze 205 km/h • null bis 100 km/h 9,8 Sekunden • Reifen 205/55 R 16 H • Leergewicht 1390 kg • Zuladung 620 kg • Preis: 25.490 Euro
VW Golf Variant: drei Benziner, zwei Diesel
Modell 1.6 1.4 TSI 1.4 TSI 1.9 TDI 2.0 TDI
Motor 4-Zylinder 4-Zyl.,Turbo-Kompressor 4-Zyl., Turbo-Kompressor 4-Zylinder, Turbo 4-Zylinder, Turbo
Hubraum 1595 cm³ 1390 cm³ 1390 cm³ 1896 cm³ 1968 cm³
kW (PS)/
U/min
75 (102)/
5600
103 (140)/
5600
125 (170)/
6000
77 (105)/
4000
103 (140)/
4000
Nm bei U/min 148/3800 220/1500 240/1500 250/1900 320/1750
CO2 176 g/km 169 g/km 174 g/km 137 g/km 148 g/km
Verbrauch 7,4 l Super 7,1 l Super 7,3 l Super plus 5,2 l Diesel 5,6 l Diesel
Preis 18.875 Euro 22.700 Euro 25.575 Euro 21.565 Euro 25.490 Euro
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