Test VW Golf VI 1.4 Trendline

VW Golf VI 1.4 Trendline VW Golf VI 1.4 Trendline

Test VW Golf VI 1.4 Trendline

— 02.04.2009

Das Golf-Minimum

80 PS und kaum Luxus – bleibt da das hochgelobte Golf-Gefühl auf der Strecke oder ist schon die Basisversion des Wolfsburger Bestsellers gut genug? AUTO BILD war mit dem Golf VI 1.4 Trendline unterwegs.

Das Siebengang-DSG schaltet in Millisekunden die Gänge hoch, der starke Turbomotor schnurrt leise, die elektronisch geregelten Stoßdämpfer bügeln die fiesesten Buckel im Asphalt glatt – hach, Golf fahren kann so schnell, so luxuriös, so schön sein. Und teuer. Doppelkupplungsgetriebe, TSI-Maschine und adaptives Fahrwerk sind zwar tolle Technik-Schmankerl – aber sündhaft teure Extras. Im Paket summieren sich TSI, DSG, DCC und Co bei einem 160 PS starken Wolfsburger Kompakten auf mindestens 27.000 Euro. Für den Basispreis von 16.500 Euro ist dagegen schnell Schluss mit der Kürzel-Prahlerei. Gerade einmal 80 PS aus einem schmächtigen 1,4-Liter-Dreitürer gibt’s für das Geld. Relativ altmodische fünf Gänge bringen den Kompakten dann auf Touren. Und ein schlicht gestricktes Fahrwerk mit konventionellen Stoßdämpfern hält die Karosse im Zaum. Reicht das fürs so oft gepriesene Premium-Fahrgefühl des neuen Golf? Wir machen den Test "ganz unten": kaum Leistung, kaum Ausstattung, kaum Technik. Ein 1.4 Trendline soll sich in der typischen AUTO BILD-Testprozedur beweisen.

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Komfort: Das typische Golf-Gefühl – souverän in jeder Lage – steckt im Fahrwerk. Auch ohne verstellbare Dämpfer zeigt der VW kaum Schwächen. Allenfalls bei vollgepacktem Kofferraum schlägt die Federung auf Bodenwellen durch. Grundsätzlich fängt der Golf Stöße eher sportlich trocken ab. Wellen bei höheren Geschwindigkeiten pariert er mit stärkerem Eintauchen. Das reicht. Die 925 Euro teure adaptive Fahrwerkregelung ist für den Basis-Golf ohnehin nicht zu haben. Für alle höheren Versionen haben wir festgestellt: Das adaptive Fahrwerk bietet in puncto Komfort keine signifikanten Vorteile. Einen Unterschied konnten wir allenfalls bei voller Beladung feststellen: Hier taucht der Golf mit geregelten Dämpfern weicher ein, federt sanfter aus. Auf sehr welliger Straße oder in schnellen Wechselkurven halten die Stellungen Normal und Sport zudem die Aufbaubewegungen der Karosserie kleiner – nur sinnvoll für Fahrer, die flott unterwegs sind.

Der Golf 1.4 sprintet in 13,4 Sekunden auf Tempo 100

Bei 310 Kilogramm im Kofferraum kommt der Golf an die Grenze seiner Hinterachslast.

Alltag:
Basis-Golf heißt: Es gibt nicht einmal ein Reserve- oder Notrad. Wer danach verlangt, muss 58 Euro bzw. 48 Euro draufzahlen. Ganz schön frech! Wir haben das serienmäßige Pannenset ausprobiert, das immerhin Löcher bis vier Millimeter Durchmesser flickt. Die Fummelei mit Vulkanisierlösung, Kleinteilen und 12-Volt-Kompressor ist kompliziert, dauert aber kaum länger als ein Radwechsel. Die Glühlampen des Halogen-Abblendlichts lassen sich viel leichter wechseln als beim Vorgänger. Die Lichtausbeute ist durchwachsen, im großen Lichttest 2008 war der Golf VI nur Durchschnitt (Platz elf von 21). Besser steht’s um die Transporterqualitäten des VW. Laut Waage darf der Basis-Golf stattliche 514 Kilogramm Last schleppen. Aber nur dann, wenn die Masse anständig verteilt wird: Spätestens bei 310 Kilogramm im Kofferraum kommt der Golf an die Grenze seiner Hinterachslast. So bleiben etliche Pfunde auf der Strecke.

Fahrleistungen: Die 80 PS des 1.4ers bewegen 1236 Kilogramm Leergewicht – das geht als vernünftiges Verhältnis durch. Tatsächlich sprintet der Golf in 13,4 Sekunden auf Tempo 100 – einen einfachen Opel Insignia lässt er damit immerhin stehen. Um so zügig vom Fleck zu kommen, muss man den Vierzylinder allerdings ordentlich schinden und die Gänge bis in den roten Bereich ausdrehen. Zu vernünftigen Durchzugswerten fehlt dem 1.4er auf jeden Fall eine Portion Drehmoment, im unteren Drehzahlbereich tut sich gefühlt nichts. Da hilft nur herunterschalten. Erst recht, wenn der Golf an der Beladungsgrenze unterwegs ist. Fünf Mann an Bord, etwas Gepäck im Kofferraum – schon verliert er auch das letzte Fünkchen Temperament. Allein der Spurt auf Tempo 100 dauert so über vier Sekunden länger als ohne Ballast. Ganz nebenbei: Der Tacho zeigt bereits Tempo 100 an, wenn der Golf tatsächlich erst 93 km/h schnell ist.

In Sachen Fahrsicherheit zeigt der Kompakte keinerlei Schwächen 

Tadellos: Ausweichübungen meistert die Basisversion mit Bravour.

Sicherheit:
Völlig unabhängig von der Ausstattungslinie – dem Golf kann man beim Fahrverhalten überhaupt nichts anlasten. Das enorm stabile Ausweichverhalten ändert sich auch bei voller Beladung nicht, die feine ESP-Regelung hält den Wagen optimal auf Kurs. Gleichzeitig liegen die Bremswerte konstant auf gleich hohem Niveau. Sogar die Lenkung hilft mit, den Wagen auf Kurs zu halten. So nimmt der Elektromotor der Servolenkung (oben) selbsttätig Richtungskorrekturen vor, beispielsweise beim Bremsen auf rechts und links unterschiedlich griffigem Untergrund. Beim Fahren mit Anhänger kann die Lenkung ebenfalls intelligent gegensteuern, falls das Gespann schlingert. Schade, dass VW bei den Extras zulangt. Zwar sind sieben Airbags an Bord, doch Reifendruckkontrolle und Nebelscheinwerfer kosten extra (53 und 175 Euro). Die Gurtbelegungskontrolle hinten gibt es nur mit Fond-Seitenairbags (plus 330 Euro).

An der Tankstelle hält sich der kleinste Golf leider nicht besonders zurück

Grundsätzlich ist der Golf im Unterhalt nicht teuer, an der Tankstelle schon eher.

Kosten:
Die Versicherung kassiert nach der erträglichen Haftpflichtklasse 16, Steuern sind nach Euro-VEinstufung fällig, die Inspektionen nur alle 60.000 Kilometer dran – der Basis-Golf bleibt so auch bei den Festkosten bodenständig, kostet circa 149 Euro im Monat (gerechnet auf vier Jahre). An der Tankstelle hebt der Einstiegsbenziner leider ab: 7,2 Liter Super im Testschnitt sind unzeitgemäß viel – fast einen Liter mehr, als die Werksangabe verspricht. Hier zeigt sich, dass der 1.4er trotz Feinschliffs und Leichtlaufmaßnahmen eine alte Konstruktion ohne Direkteinspritzung ist. Immerhin kann man den Spritdurst auf 6,1 Liter drücken; mit ganz vorsichtigem Gasfuß und viel gutem Willen sind sogar weniger als sechs Liter machbar. Immerhin: Bei Vollgas auf der Autobahn sind es nie mehr als zwölf Liter. Als Gebrauchter ist ein Golf nach wie vor begehrt: Der kompakte VW gehört zu den wertstabilsten Modellen seiner Klasse, der höhere Grundpreis relativiert sich also mit zunehmender Haltedauer.

Weitere Details zum Basis-Golf gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen Tabellen und technischen Daten finden Sie in AUTO BILD 13/2009 oder als Download im Heftarchiv.
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Von wegen Golf ganz unten – selbst der auf dem Papier so magere 80-PS-Einstiegsmotor und die eher sachliche Trendline-Ausstattung bieten schon echtes Golf-Premium-Gefühl. Sicherheit und Qualität liegen auch beim einfachen Modell auf höchstem Niveau, die verhältnismäßig dürftige Leistung reicht im Alltag völlig aus. Größte Schwäche: Verbrauch ist zu hoch.

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