Test VW Multivan/Hyundai H-1/Ford Galaxy — 04.12.2009
Der neue Bulli im Vergleich
Mit welchem großen Van fährt die Crew am besten? Mit dem großen Hyundai H-1 zum Holzklasse-Tarif? Dem schlanken Business-Jet Ford Galaxy? Oder im frisch renovierten VW Multivan? Ein Großraum-Vergleich.
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Platz in Hülle und Fülle – das ist es, was die Käufer der quaderförmigen Wagen wollen. Besondere Verwandlungsfähigkeit dagegen bietet nicht jeder Vertreter dieser Klasse. Unrühmliches Beispiel: Hyundai H-1. Der Koreaner ist ein prima Passagierdampfer, als Stückgutfrachter aber (beinahe) ein Totalausfall. Die mittlere Dreierbank rutscht zum Einsteigen nach vorn, lässt sich aber ebenso wenig ausbauen wie die Sitzreihe dahinter. Kissen hoch-, Lehnen flach legen? Keine Chance. Die Mitnahme von Fahrrädern scheitert somit ebenso wie das Power-Shopping bei Ikea. Kleiner Trost: Hinter der letzten Bank bleibt mit 851 Litern Platz genug für Reisegepäck. Wenigstens als Großraum-Taxi erfüllt der Koreaner also seinen Zweck. Der VW hat deutlich mehr auf dem Kasten, muss mit maximal 4525 Liter Stauvolumen auch vor einem Umzug nicht kapitulieren. Die Sitzbank auszubauen ist zwar möglich, allerdings ein mühseliger Kraftakt. Gut, dass es meist ausreicht, sie auf den über die ganze Wagenlänge verlegten Schienen zu verschieben: Fahrräder rein und ab ins Wochenende. Auch gut: Karger Transporter-Charme ist seit dem jüngsten Facelift des T5 Multivan selbst bei der Basisvariante Startline endlich Geschichte.
Im Pkw-Ableger Ford Galaxy reisen die Passagiere richtig vornehm
Nacktes Blech im Innenraum gibt’s nicht mehr. Dennoch geht es im Hyundai etwas feiner zu. Wo sich im VW harter Kunststoff breitmacht, fühlen die Fingerkuppen im H-1 angenehm weiche Oberflächen. Allerdings knistert es auf schlechten Straßen hörbar im Gebälk – ein Zeichen dafür, dass der Wolfsburger solider zusammengebaut ist. Minuspunkte handelt sich der Hyundai auch durch fehlende Heckwischer und Seitenairbags ein. Richtig vornehm reist die Galaxy-Besatzung. Gediegene Materialien – zumindest im Anfassbereich – lassen den Ford vergleichsweise hochwertig wirken. Wegen seiner Pkw-Abstammung bietet er allerdings weniger Platz als die Nutzfahrzeug-Ableger der Konkurrenz. Immerhin können die fünf Einzelsitze im Fond separat flach gelegt werden; da sie im Auto verbleiben, kosten die gefalteten Pakete jedoch ein paar Zentimeter Ladehöhe. Und da sich statt Schiebeportalen im Scheunentor-Format (zwei beim Hyundai, eine beim VW) nur konventionelle Türen öffnen, können die Stewardessen die dritte Reihe im Crew-Bus nur mit viel mehr Mühe entern.Drehmomentstarke Diesel sind bei Dickschiffen wie diesen erste Wahl — beim VW Bus empfiehlt sich als vernünftiger Kompromiss aus Fahrleistung und Bezahlbarkeit der Zweiliter-TDI mit 140 PS. Er hat einen Zylinder und einen halben Liter Hubraum weniger als der bisherige 2,5-Liter, jedoch zehn PS mehr. Deutlich zu spüren ist die verbesserte Laufruhe: Eine gedämpfte Common-Rail-Melodie ersetzt das rustikale Pumpe-Düse-Prasseln, Leerlaufvibrationen sind passé. An der Ampel kommt der Bulli flott aus den Startlöchern. Etliche der 340 Nm versickern später jedoch in der langen Übersetzung der beiden oberen Gänge. Der sechste ist als reiner Schongang ausgelegt; Überholmanöver erfordern Zurückschalten, ziehen sich trotzdem oft zäh in die Länge. Der Verbrauch profitiert allerdings vom niedrigen Drehzahlniveau: Mit 8,6 Litern auf 100 Kilometer ist der Bulli für sein XL-Format sehr genügsam.
Der VW T5 Multivan zeigt bei der Kurvenfahrt deutliche Karosserieneigung
Im Hyundai H-1 hört man das selbstzündende Arbeitsprinzip deutlicher heraus. Der Vierzylinder baut seine Kraft gleichmäßig auf, erreicht wegen des fehlenden sechsten Gangs aber das höchste Drehzahl- und Verbrauchsniveau (9,5 Liter). Beim Blick in die Preisliste fällt die Entscheidung leicht, statt der 136-PSVersion des 2,5-Liter-Motors die mit 170 PS zu nehmen: Sie kostet nur 595 Euro mehr. Der 450 Kilo leichtere Ford Galaxy fährt am flottesten. Und sein 140-PS-Motor verbraucht am wenigsten: 7,2 l/100 km. Auch in Sachen Handlichkeit zeigt der Ford-Van gegenüber den Transportern klare Vorteile, verblüfft sogar mit einer unerwarteten Sportlichkeit. Seine direkte Lenkung giert nach Kurven; im Grenzbereich dreht sich sogar das Heck leicht ein. Das sensibel regelnde ESP behält die Übersteuerneigung aber gut im Griff. Der VW Multivan bleibt in schnellen Kurven sicher auf Kurs, allerdings zeigt die wogende Karosserie, dass Hektik nicht seine bevorzugte Gangart ist. Der Hyundai schiebt dann plump über die Vorderräder, die Lenkung verhärtet sich plötzlich – es steckt doch viel Transporter im H-1.Bulli fahren ist ein teurer Spaß, auch der Startline macht da keine Ausnahme. Unter 34.000 Euro läuft nichts, mit den notwendigsten Extras wie CD-Radio und Klima ist schnell die 40 000er-Marke in Sicht. Ganz schön abgehoben! Bei Hyundai ist Bus fahren viel billiger: Der H-1 Travel ist nicht nur besser ausgestattet, er kostet als Basismodell volle 6281 Euro weniger als der VW . Aber Vorsicht – beim Wiederverkauf kann das Korea-Schnäppchen teuer werden. Kein Sonderangebot ist der Galaxy, dafür bietet er hier fürs Geld am meisten Fahrspaß. Und Komfort wie im Kombi der gehobenen Klasse – den müssen Transporter-Käufer entweder ganz abschreiben oder teuer bezahlen.
Weitere Details zu den drei Großraum-Transportern gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Vergleich mit allen technischen Daten und Tabellen gibt es als Download im Heftarchiv.
| Fahrzeugdaten | Ford | Hyundai | VW |
|---|---|---|---|
| Motor | Vierzylinder, Turbo, vorn quer | Vierzylinder, Turbo, vorn längs | Vierzylinder, Turbo, vorn quer |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb | Zahnriemen | Kette | Zahnriemen |
| Hubraum | 1998 cm³ | 2497 cm³ | 1968 cm³ |
| kW (PS) bei 1/min | 103 (140)/4000 | 125 (170)/3800 | 103 (140)/3500 |
| Nm bei 1/min | 320/1750 | 392/2000 | 340/1750 |
| Vmax | 193 km/h | 180 km/h | 173 km/h |
| Getriebe | Sechsgang manuell | Fünfgang manuell | Sechsgang manuell |
| Antrieb | Vorderradantrieb | Hinterradantrieb | Vorderradantrieb |
| Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
| Testwagenbereifung | 225/50 R17 W | 215/70 R16 C | 235/55 R17 W |
| Radgröße | 7 x 17" | 6,5 x 16" | 7 x 17" |
| Abgas CO2 | 159 g/km | 225 g/km | 198 g/km |
| Verbrauch* | 7,7/5,0/6,0 l | 10,9/7,1/8,5 l | 9,6/6,3/7,5 l |
| Tankinhalt | 70 l/Diesel | 75 l/Diesel | 80 l/Diesel |
| Vorbeifahrgeräusch | 71 dB (A) | 74 dB (A) | 71 dB (A) |
| Anhängelast gebr./ungebr. | 1700/750 kg | 2300/750 kg | 2500/750 kg |
| Kofferraumvolumen | 308–2325 l | 851 l | 350–4525 l |
| *innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km | |||
| Messwerte | Ford | Hyundai | VW |
|---|---|---|---|
| Beschleunigung | |||
| 0–50 km/h | 3,7 s | 3,7 s | 4,3 s |
| 0–100 km/h | 11,1 s | 12,1 s | 14,9 s |
| 0–130 km/h | 19,0 s | 21,3 s | 27,8 s |
| Elastizität | |||
| 60–100 km/h | 7,4 s (4. Gang) | 8,6 s (4. Gang) | 10,7 s (4. Gang) |
| 80–120 km/h | 14,0 s (6. Gang) | 13,9 s (5. Gang) | 25,3 s (6. Gang) |
| Leergewicht/Zuladung | 1778/727 kg | 2228/802 kg | 2208/792 kg |
| Gewichtsverteilung v./h. | 57/43 % | 56/44 % | 56/44 % |
| Wendekreis links/rechts | 11,8/12,0 m | 12,1/12,0 m | 12,0/12,1 m |
| Bremsweg | |||
| aus 100 km/h kalt | 38,8 m | 40,9 m | 39,6 m |
| aus 100 km/h warm | 38,6 m | 40,4 m | 39,0 m |
| Innengeräusch | |||
| bei 50 km/h | 61 dB (A) | 62 dB (A) | 62 dB (A) |
| bei 100 km/h | 67 dB (A) | 69 dB (A) | 68 dB (A) |
| bei 130 km/h | 69 dB (A) | 73 dB (A) | 70 dB (A) |
| Testverbrauch – CO2 | 7,2 l D – 191 g/km | 9,5 l D – 252 g/km | 8,6 l D – 228 g/km |
| Reichweite | 960 km | 790 km | 930 km |
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Kommentare zum Artikel (50)
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Eigentlich müsste der Vergleich lauten: VW Multivan gegen Hyundai H-1 gegen Ford Transit, oder Ford Galaxy gegen VW Sharan. Ist doch klar das VW und Hyundai noch mehr Platz bieten als der eh schon unglaublich geräumige Ford.
Dem Galaxy müsste man den Sharan gegenüberstellen, nicht den VW Bus. Man vergleicht ja auch keine S-Klasse mit einem 5er.
Wie kommt man denn bitte darauf einen Ford Galaxy mit 'nem VW Myultivan zu vergleichen? Wie wär's denn mit Opel oder Mercedes?
Und bei Bild 34 muss man einfach laut loslachen. Ich kann mir auch die Knie bis an die Ohren ziehen und sagen ich hab kein Platz. Unmöglich.
Hallo, wir fahren seit 4 Monaten den "Lieferwagen für die Dritte Welt" (Kommentar eines anderen Lesers zum H1) und sind mit diesem Auto sehr zufrieden.
Größter Kritikpunkt im Test und im Forum sind die hintere Sitzbank. Die habe ich mit einem handelsüblichen Schraubenschlüssel gelöst und im Keller eingelagert. Wenn man die mittlere Reihe ganz nach vorne schiebt ensteht ein Laderaum von mehr als 2m. Und zwar vom Wagenboden bis zum Dach. Ich kann von mangelnder Flexibilität nichts feststellen.
@max
Bin da voll deiner Meinung!! Macht echt immerwieder so ein Auto zu sehen und zu wissen was es kann!!!