Test VW Routan

VW Routan VW Routan

Test VW Routan

— 03.09.2008

Der große Unbekannte

Er sieht nach VW aus, ist aber ein Chrysler und vorerst nur in den USA zu haben. Würde der Routan auch europäischen Ansprüchen genügen? AUTO BILD hat den neuen Familienfreund aus Übersee unter die Lupe genommen.

Routan, der Name klingt nach Touran und Sharan. Also nach Van von VW. Stimmt – aber nur fast. Genetisch ist der VW Routan ein fast sortenreiner Chrysler Grand Voyager. Karosseriestruktur, Antrieb, Elektronik und Chassis stammen von Chrysler, wo der Siebensitzer seit zwei Wochen vom Band läuft. VW bietet den Familienfreund ausschließlich in Nordamerika an. Im Heimatland der Minivans brauchen die Deutschen nämlich ein günstiges Raumfahrzeug, um die Riesenlücke zwischen Passat Variant und Multivan zu schließen. Optisch ist der Routan ein echter VW. Klare Linien, glatte Flächen, nüchtern-funktionelles Interieur, Chromlätzchen-Grill nach Tiguan-Art. Die Stärken der geräumigen Karosserie kennen wir vom Grand Voyager. Auf Wunsch öffnet und schließen nicht nur die Heckklappe elektrisch, sondern auch die seitlichen Schiebetüren. Der Automatik-Wählhebel hat seinen Platz direkt neben dem Lenkrad. Gut: Die Sitze der dritten Reihe lassen sich auf Knopfdruck zu einem absolut ebenen Ladeboden flachlegen. Beinahe inflationär ist die Anzahl der Becherhalter, Kopfhörer-Anschlüsse und Steckdosen. Für kleines Geld rollt der geräumige Van mit Touchscreen-Navi, DVD-Spieler samt Monitoren und Rückfahrkamera zum Kunden.

Die Verarbeitung ist eindeutig unter dem gewohnten VW-Niveau

Sieht aus wie ein VW, ist aber im Grunde genommen keiner: der Routan.

Klingt gut – bis hierher. Aber es gibt eine echte Schwäche: den Motor des Routan. Auch der V6-Benziner kommt von Chrysler, und zwar wahlweise als 3,8-Liter mit 200 PS und als Vierliter mit 256 PS. Beide Sechszylinder werden schon bei mittleren Drehzahlen laut, laufen unkultiviert, sind durstig – und damit unbrauchbar für den europäischen Markt. Bei uns wäre der Routan mit deftigen Unterhaltskosten und schwachem Restwert gestraft. Also, liebe Import-Interessenten: Finger weg von diesem Auto. Die dynamischen Eigenschaften des VW-Chrysler sind unauffällig: ordentlicher Komfort, durchschnittliche Lenkung, mittelmäßige Bremsen, Traktionsschwächen bei voller Beladung, dank ESP aber ein narrensicheres Fahrverhalten. Und die Verarbeitung? Unter gewohntem VW-Niveau. Am Vorserien-Testwagen störten die wackelige Mittelkonsole, der klappernde Handschuhkasten, viel zu schwach gepolsterte Sitze und knarzende Türen. Mit diesen Mängeln ist der Routan auch für 25.000 US-Dollar kein Schnäppchen. Aber das kann sich noch ändern: In zwei Jahren kommt die Diesel-Version.

Das Fazit von AUTO BILD-Autor Georg Kacher

Die Vorstellung ist faszinierend: Da gibt es in Amerika einen großen deutschen Van für kleines Geld. Also rüberholen? Besser nicht. Denn der Routan ist weit weg von deutschen Tugenden und Ansprüchen. Vor allem die durstigen Sechszylinder und die Händler-Probleme machen eindeutig klar: Lasst ihn drüben!
Fahrzeugdaten VW Routan 4.0i
Motor/Hubraum V6/3952 cm³
Leistung 188 kW/256 PS bei 6000/min
Drehmoment 335 Nm bei 4100/min
0–100 km/h 9,0 s
Vmax 215 km/h
Mixverbrauch (US-Norm) – CO2 11,8 l/100km – 281 g/km
Kofferraumvolumen 926–4100 l
Länge/Breite/Höhe 5140/1950/1750 mm
US-Preis 25.000 $
Plus viel Platz, gute Ausstattung, durchdachtes Interieur, komfortabel und gutmütig, sehr günstig
Minus durstige V6-Benziner, Qualitätsschwächen im Detail, weder Allrad noch Schaltgetriebe lieferbar
AUTO BILD-Note 3+
Konkurrenten • Chrysler Grand Voyager 3.8, 193 PS, 43.990 € • Kia Carnival 2.7, 189 PS, 30.635 €

Autor: Georg Kacher

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