Test VW Tiguan gegen fünf Kompakt-SUV
— 02.11.2007Klettert er an die Spitze?
Spät startet VW mit dem Tiguan bei den Kompakt-SUV. Hat er überhaupt noch eine Chance, oder ist der Gipfel schon besetzt? Vergleich mit fünf erfolgreichen Hobby-Kraxlern.
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Ist der Tiguan ein Van, Kombi oder SUV?
Cockpit und Sitzanlage des Tiguan stammen aus Golf Plus/Cross Golf: Vorn sitzt es sich hinter dem wuchtigen, Armaturenträger vergleichsweise tief, hinten dagegen etwas höher. Die Fond-Rückbank ist verschiebbar (um 16 Zentimeter), die Lehnenneigung lässt sich verstellen. Die bequemen Sitze gehören zu den besten des Vergleichs, die Funktionalität ist tadellos, Verarbeitung und Materialauswahl sind ordentlich. Und trotzdem bleibt ein seltsames Gefühl, eine atmosphärische Störung: Die Ähnlichkeit mit Golf Plus, Cross Golf und auch Touran ist zu groß. Die Tiguan-Passagiere fragen sich mitunter, ob sie jetzt in einem Kombi, einem Van oder doch einem SUV sitzen. Schade. Der BMW X3 nimmt an diesem Vergleich teil, weil er auch in diesem Jahr wieder der meistverkaufte Geländewagen bei uns ist – auch wenn sein Einstiegs-Diesel mit 177 PS eigentlich den Vergleichsrahmen sprengt. Aber ein kleinerer ist bei den Bayern zurzeit nicht zu haben. Mit seinem Raumangebot sortiert sich der X3 ins Mittelfeld ein, die straffen Sitze vorn und besonders die bequeme Sitzposition im Fond fallen angenehm auf. Größeren Aufwand bei der Variabilität hat BMW dafür nicht getrieben: Die Lehne ist umlegbar, das war's. Und die Zuladung ist mit 431 Kilogramm für ein solches Auto sehr bescheiden. Nur der Nissan darf mit 410 Kilo noch weniger einpacken.Der Citroën C-Crosser fährt hier stellvertretend für die nahezu baugleichen Mitsubishi Outlander und Peugeot 4007 mit. Das Gemeinschaftsprojekt ist mit 4,65 Meter Länge ganz schön groß geworden, dazu ausgesprochen geräumig und variabel. Im Fond lässt sich die Rückbank verschieben und die Neigung der Lehne verstellen. Und als Einziger hat der Citroën noch eine dritte, im Kofferraumboden versenkbare Sitzreihe. Das dünne Gestühl taugt allerdings maximal für Kinder bis zehn. Man rechnet vielleicht gar nicht damit, aber der Land Rover zählt zu den geräumigeren Autos hier. Mit üppigen Platzverhältnissen und bequemen Sitzen. In der Stilwertung liegt er sowieso vorn, bemerkenswert auch die gute Übersicht. Und mit 585 Kilo darf er (wie der Citroën) die schwersten Brocken laden. Der Nissan X-Trail hat nicht ganz so viel Platz, wie es sein stattlicher Auftritt erwarten lässt. Vorn ist er sogar der Kleinste und vor allem schmaler als die anderen. Im Fond liegt er auf BMW-Niveau – nur der Toyota ist noch enger geschnitten. Aber der X-Trail punktet auch: Sein riesiger Kofferraum schuckt mit 603 bis maximal 1773 Liter am meisten. Im Toyota ist der Raum ebenfalls knapp – und im Fond die Sitzposition zu flach und unbequem. Es hilft nicht viel, dass die Rückbank sich längs verschieben lässt und auch die Lehnenneigung verstellbar ist. Der Kofferraum gefällt mit der extrem tiefen Ladekante, es stört allerdings die seitlich öffnende Tür.
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Der X-Trail steht erst nach mehr als 41 Metern
Im Citroën macht der 2,2-Liter-HDi mit 156 PS seine Sache wie immer bestens: ein ausgeschlafener, entspannter Diesel mit Kraft, guter Laufkultur und viel Temperament. Der C-Crosser fährt sich leicht, aber nicht ganz so flink und wendig wie X3 und Tiguan. Er vermittelt im direkten Vergleich das Gefühl, in einem viel größeren Auto zu sitzen. Die Lenkung arbeitet präzise, aber eckig, und die Schaltung etwas hakelig. Im Land Rover leistet der gleiche 2,2-Liter-Diesel wie im Citroën 152 statt 156 PS, dafür liegt das Drehmoment mit 400 Nm bei 2000 Touren aber höher (380 Nm). Der kultivierte und drehfreudige Vierzylinder entpuppt sich in diesem Umfeld als angenehmer Begleiter. Die Fahrleistungen sind allerdings nicht ganz so gut wie im Citroën – der Freelander ist aber auch breiter, höher und fast 100 Kilogramm schwerer. Mit seiner schluckfreudigen Federung ist der Landy hier der Komfortabelste, Kehrseite sind eine beträchtliche Seitenneigung in schnellen Kurven und ein eher gemütliches Fahrverhalten. Schlimm: Bremswege um die 40 Meter sind für ein modernes Auto viel zu viel. Noch schlechter ist das beim Nissan: Der X-Trail steht erst nach mehr als 41 Metern – das ist überhaupt nicht mehr zu akzeptieren. Nachbessern, Nissan! Und zwar schnell. Der X-Trail ähnelt ansonsten dem Freelander: fühlbar nicht ganz so leichtfüßig wie die anderen vier, aber mit hohem Komfort. Nur der Zweiliter-Diesel mit 150 PS ist nicht ganz so freundlich. Kraft und Temperament hat er genug, aber auch ziemlich raue Umgangsformen. Der 2,2-Liter mit 136 PS im Toyota benimmt sich ähnlich ungehobelt und ruppig, aber auch er dreht flott und munter. Die Abstimmung des RAV4 geht in Richtung BMW, auch der Toyota wirbelt leichtfüßig und sehr vital durch die Gegend. Er federt aber steifbeinig und hölzern. Und weder die künstliche, gefühllos wirkende Lenkung noch die kratzige Schaltung machen wirklich Freude.
Mit einem Grundpreis von 28.800 Euro ist der Tiguan am günstigsten
Es ist wirklich kaum zu glauben, aber mit einem Grundpreis von 28.800 Euro für den Tiguan TDI Trend & Fun ist der VW tatsächlich am preiswertesten. Und keine Sorge, ordentlich ausgestattet ist er trotzdem – unter anderem mit Klimaanlage, CD-Radio und der verschiebbaren Rückbank im Fond. Für die Wertung haben wir allerdings wie immer die Testbereifung der Autos mit eingerechnet, sofern es sich nicht um die Serienbereifung handelte. Und der Tiguan kam mit optionalen 18-Zoll-Rädern und 235/50er-Reifen. Die kosten 1470 Euro Aufpreis, macht zusammen 30.270 Euro. Damit ist der VW aber immer noch das günstigste Angebot, noch vor dem Nissan X-Trail 2.0 dCi SE mit 30.840 Euro (mit Serienreifen des Formats 215/60 R 17). Nächster ist dann der Toyota RAV4 2.2 D-4D Sol für 31.200 Euro (Reifen der Seriengröße 225/65 R17). Danach folgt der Land Rover Freelander TD4 E mit 31.510 Euro, hier sind 610 Euro Aufpreis für die 17-Zöller mit 235/65er-Reifen eingerechnet. Mit etwas Abstand folgt der Citroën C-Crosser 2.2 HDi 155 Tendance für 34.440 Euro inklusive der 850 Euro extra für die 18-Zoll-LM-Räder mit Bereifung 225/55. Und einsam an der Spitze liegt der BMW X3 2.0d auf Serienreifen des Formats 235/55 R 17. Der kostet 37.900 Euro, knapp 7500 Euro mehr als der Tiguan. Nicht nur deshalb gewinnt der harmonische VW am Ende – und stürmt souverän den Gipfel.Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke
Der bestens gelungene Tiguan setzt sich vom Start weg an die Spitze. Und man muss wirklich kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass er unter den SUV das werden wird, was der Golf bei den Kompakten ist. Auf Rang zwei der BMW, ausgereift und mit tollem Fahrwerk und Motor. Dritter wird der komfortable und stilsichere Land Rover mit Bestnoten im Gelände. Citroën und Nissan liegen gleichauf, beide rundum sympathisch – wenn nur nicht die miesen Bremsen des X-Trail wären. Knapp dahinter dann der Toyota.| WERTUNG | |||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| PUNKTE MAX. | VW | BMW | LAND ROVER | CITROËN | NISSAN | TOYOTA | |
| KAROSSERIE | |||||||
| Platzangebot | 30 | 26 | 23 | 24 | 27 | 20 | 20 |
| Kofferraum/Variabilität | 20 | 10 | 7 | 6 | 11 | 13 | 10 |
| Zuladung (Anhängelast) | 20 | 9 | 6 | 12 | 12 | 6 | 11 |
| Sitze/Sitzposition | 30 | 27 | 27 | 27 | 26 | 24 | 22 |
| Raumgefühl/Rundumsicht | 20 | 15 | 16 | 18 | 16 | 15 | 16 |
| Ausstattung/Bedienbarkeit | 30 | 27 | 26 | 26 | 25 | 26 | 25 |
| Sicherheitsausstattung | 30 | 20 | 23 | 20 | 20 | 23 | 22 |
| Qualitätseindruck/Materialien | 20 | 17 | 18 | 16 | 16 | 14 | 16 |
| Zwischenergebnis | 200 | 151 | 146 | 149 | 153 | 141 | 142 |
| ANTRIEB/FAHRWERK | |||||||
| Motoreigenschaften | 20 | 18 | 18 | 17 | 17 | 16 | 16 |
| Fahrleistungen | 40 | 28 | 33 | 26 | 30 | 29 | 26 |
| Geländewertung | 10 | 5 | 5 | 7 | 4 | 6 | 4 |
| Fahrverhalten | 30 | 27 | 29 | 25 | 26 | 26 | 26 |
| Fahrgeräusche | 10 | 7 | 7 | 5 | 5 | 7 | 6 |
| Fahrkomfort | 20 | 17 | 16 | 19 | 17 | 18 | 15 |
| Getriebe/Schaltung | 20 | 17 | 19 | 18 | 17 | 18 | 16 |
| Lenkung/Wendekreis | 20 | 18 | 19 | 17 | 16 | 17 | 16 |
| Bremsen | 30 | 19 | 19 | 10 | 16 | 5 | 14 |
| Zwischenergebnis | 200 | 156 | 165 | 144 | 148 | 142 | 139 |
| KOSTEN | |||||||
| Steuer/Versicherung | 20 | 15 | 13 | 11 | 9 | 10 | 13 |
| Verbrauch/Umwelt | 40 | 36 | 35 | 34 | 33 | 36 | 35 |
| Garantie | 20 | 11 | 9 | 9 | 11 | 13 | 10 |
| Wartung | 20 | 16 | 17 | 14 | 14 | 14 | 13 |
| Aufpreisgestaltung | 10 | 6 | 6 | 7 | 4 | 6 | 5 |
| Wiederverkauf* | 10 | 10 | 10 | 9 | 7 | 8 | 10 |
| Grundpreis | 80 | 54 | 35 | 51 | 43 | 52 | 52 |
| Zwischenergebnis | 200 | 148 | 125 | 135 | 121 | 139 | 138 |
| *ermittelt von Bähr&Fess Forecasts/Saarbrücken | |||||||
| GESAMTPUNKTZAHL | 600 | 455 | 436 | 428 | 422 | 422 | 419 |
| PLATZIERUNG | 1. | 2. | 3. | 4. | 4. | 6. | |
| PREIS-LEISTUNGSSIEGER | X |
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