Test Wiesmann GT MF5 — 14.05.2009
Gecko extrem
Für außergewöhnliches Styling sind die Roadster von Wiesmann bekannt. Mit dem 507 PS starken GT MF5 geht jetzt auch ein giftiger Coupé-Racer an den Start. AUTO BILD SPORTSCARS hat ihm auf den Zahn gefühlt.
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Hier kommt kein schöner Poser, sondern ein harter, kompromissloser Racer. Mal sehen. Der Einstieg lässt hoffen, denn er ist etwas beschwerlich, weil tief und eng. Die dünn gepolsterten, optionalen Schalensitze versprechen perfekten Seitenhalt. Man sitzt angenehm tief, blickt über die schwellenden Kotflügel und greift ein sehr kleines Lederlenkrad. Die wunderbare Uhrensammlung mit sieben runden, chromgefassten Anzeigen sitzt mittig, ist aber nicht optimal ablesbar. Rings um den kurzen Wählhebel für das sequenzielle Siebenganggetriebe verteilt liegen schöne Tasten für unter anderem die elektrischen Fensterheber, direkt neben dem Fahrer die Sport-Taste, die DSC-Deaktivierung und die Auswahltasten für die Schaltzeiten. Ein Druck auf den Startknopf, und der drehzahlgierige V10 setzt sich heiser röchelnd in Szene. Aktiviert man den Sportmodus, strafft sich der Antrieb, und die vollen 507 PS stehen zur Verfügung. Geschaltet wird entweder über den Wählhebel oder die Paddel am Lenkrad, auch ein Automatikmodus ist verfügbar. Schon nach den ersten Kilometern fällt auf, wie extrem leichtgängig und direkt die Lenkung ist. In den ersten Kurven ist man ständig am Korrigieren, bis man sich einigermaßen darauf eingestellt hat. Auch der Geradeauslauf auf schnellen Autobahnpassagen trägt nicht zur Ruhe der Fuhre bei, denn die überbreiten Schlappen (vorn 265, hinten 325) wollen jeder Spurrille hinterher wie der Teufel der armen Seele.
Der BMW-V10 hat seine Bestimmung gefunden
Ein Traum ist dagegen der BMW-Motor, den man in den schwereren M5 und M6 noch nie derart fidel erlebt hat. Mit dunklem Timbre und kratziger Aussprache grollt das Fünfliter-Hochdrehzahlaggregat richtig schön böse und verrucht und reißt den GT MF5 ganz schnell in höchste Temporegionen. 310 km/h gibt Wiesmann als Höchstgeschwindigkeit an. Auf der Berg-und-Tal-Bahn des Sachsenrings braucht auch AUTO BILD-SPORTSCARS-Fahrer Sebastian Schneider ein paar Runden, um sich auf den GT MF5 einzuschießen: "Der Wiesmann reagiert sehr spitz auf Lenkbefehle. Man muss sehr aufpassen, dass man nicht überlenkt. Eigentlich sollte es so sein, aber hier hat man das Problem, dass die Lenkung viel zu leichtgängig ist und fast kein Feedback gibt. Gerade in schnellen Kurven braucht es eine Zeit, bis man Vertrauen fasst." Ein ungetrübter Freudenquell ist dagegen der Motor. Schneider: "Endlich hat der BMW-V10 seine Bestimmung gefunden. Zu dem geringen Gewicht des GT MF5 passt der V10 perfekt, die Drehmomentschwäche bei niedrigen Drehzahlen macht sich im Wiesmann kaum bemerkbar. Und bei hohen Touren beißt das Aggregat wie der Teufel und klingt fantastisch." Trotz des nicht perfekten Fahrwerks und der gewöhnungsbedürftigen Lenkung zeigt der Wiesmann GT MF5 auf dem Sachsenring sein Potenzial: Mit einer Rundenzeit von 1:39,32 Minuten reiht sich das handgefertigte Edelcoupé nur 24 Hundertstel hinter dem Porsche Carrera S ein. Glückwunsch!Die technischen Daten, Rundezeiten und Vergleichswerte des Wiesmann GT MF5 gibt es in der AUTO BILD SPORTSCARS 6/2009 – seit 8. Mai 2009 im Handel.
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