TGV fährt 574,8 km/h

TGV fährt 574,8 km/h

— 04.04.2007

Weltrekord auf Schienen

Mit einer neuen Bestmarke für Schienenfahrzeuge hat es der TGV seiner Konkurrenz mal wieder gezeigt: 574,8 km/h dank 26.650 PS!

Genau um 13.13 Uhr und 41 Sekunden war es geschafft: Mit 574,8 Stundenkilometern (Video auf www.autovidioblog.de) katapultierte ein französischer TGV am Dienstag (3. April) den Weltrekord für Schienenfahrzeuge in eine bisher nur Magnetbahnen vorbehaltene Dimension. Der Hochgeschwindigkeitszug überbot dabei den alten TGV-Rekord um fast 60 km/h. "Ich bin wirklich glücklich und stolz auf alles, was hier passiert ist", sagte der Lok-Testpilot Eric Pieczac bei der Ankunft in Reims-Bezannes in der Champagne. "Der Druck war gewaltig. Wir hatten kein Recht auf Fehler. Doch alles lief glatt: Kein Vogel hat uns gestört, selbst das Wetter war gut." Staatspräsident Jacques Chirac beglückwünschte die Erbauer zu der "wunderbaren Demonstration der großartigen Kapazitäten Frankreichs im Bereich der Forschung und Entwicklung". Die Leistung sei fantastisch.

Zweieinhalb Stunden vor dem Rekordzug war ein normaler TGV die Strecke abgefahren, um alle Risiken auszuschließen. Brücken waren gesperrt worden, und 100 Gendarmen überwachten den Abschnitt. Jede Notbremsung wäre hoch riskant gewesen, und der normale Bremsweg nach Erreichen der Spitzengeschwindigkeit war länger als 15 Kilometer. Wo man an die Strecke herankam, hatten sich Schaulustige versammelt. Gut 30 Millionen Euro hatten der Hersteller Alstom, die Staatsbahn SNCF und der Netzbetreiber RFF in die Rekordfahrt investiert. Der Leistungsbeweis soll dem TGV gegen Konkurrenten wie den deutschen ICE einen Vorsprung auf dem Weltmarkt für Schnellbahnen verschaffen. Es geht um Milliardenaufträge für 6000 Züge in den kommenden 20 Jahren. Alstom-Chef Patrick Krön hatte Vertreter aus China, Brasilien und andere Kaufinteressenten zu der Rekordfahrt eingeladen.

Der ICE-Rekord liegt bei 406,9 Kilometern in der Stunde. Allerdings hält der ICE mit 403,7 Kilometern den Weltrekord für Serienzüge. Die Alstom-Experten hatten 14 Monate an dem Rekordzug "V150" (für zunächst angepeilte 150 Meter pro Sekunde oder 540 km/h) gebaut. Sie verkleideten Ober- und Unterseiten, um den Luftwiderstand um 15 Prozent zu senken. Und sie bauten zusätzliche Motoren ein: sechs Antriebs-Drehgestelle sorgten für 19,6 Megawatt (26.650 PS) Leistung. Ein "normaler" TGV kommt auf 9,3 Megawatt. Der 106 Meter lange und 268 Tonnen schwere V150 wurde für die Rekordfahrt mit 600 Sonden ausgestattet. 40 Techniker an Bord überwachten mit ihnen Daten von der Stromabnahme und Haftreibung über die dynamische Stabilität bis zu den Vibrationen. Damit sammelten sie wertvolle Erkenntnisse für die Entwicklung der künftigen TGV-Generationen.

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