Dr. Thomas Sedran

Thomas Sedran führt Opel

— 17.07.2012

Sedran übernimmt das Opel-Ruder

Thomas Sedran führt ab sofort die Geschäfte von Opel. Der Aufsichtsrat ernannte den 47-Jährigen zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden.

(dpa) Strategievorstand Thomas Sedran führt ab sofort die Geschäfte des kriselnden Autobauers Opel. Der Aufsichtsrat der Adam Opel AG ernannte den 47-Jährigen am 17. Juli 2012 zusätzlich zu seinen derzeitigen Aufgaben zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Sedran solle die Geschäfte führen, bis ein neuer Opel-Chef gefunden sei, teilte Opel in Rüsselsheim nach einer außerordentlichen Sitzung des Kontrollgremiums mit.

Rückblick: Opel-Chef Stracke ist zurückgetreten

Am 12. Juli 2012 ist Karl-Friedrich Stracke von seinem Amt als Opel-Chef zurückgetreten.

Der bisherige Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke musste in der vergangenen Woche überraschend abtreten. Sedran ist erst seit April 2012 bei Opel. Er kennt den Autobauer aber aus seiner Zeit bei AlixPartners sehr gut: Für die Unternehmensberatung begleitete er die jüngste Opel-Sanierung, bei der ein Werk geschlossen und 8000 Mitarbeiter entlassen wurden.
Opel-Betriebsrat: "Werksschließungen Blödsinn"
Der Opel-Betriebsrat hat Spekulationen um einen schärferen Sparkurs unter der neuen Führung deutlich zurückgewiesen. "Werksschließungen sind jetzt kein Thema", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Wolfgang Schäfer-Klug der Nachrichtenagentur dpa am
17. Juli 2012 in Rüsselsheim. Der jüngst verabschiedete Geschäftsplan und der Deutschlandplan, über den noch verhandelt wird, hätten weiter
Bestand. Der Deutschlandplan schließt Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2016 aus, danach dürfte dem
Werk Bochum aber das Aus drohen. Nach dem unerwarteten Abgang von
Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke waren Spekulationen aufgekommen, die
US-Mutter General Motors (GM) werde nun einen Nachfolger einsetzen, der härter durchgreift, um den kriselnden Autobauer schneller in die
schwarzen Zahlen zu führen. Schäfer-Klug sagte zu Gerüchten um einen Kahlschlag: "Es wird keine Harakiri-Maßnahmen wie Werksschließungen geben. Das ist
Blödsinn." Angesichts der schwierigen Marktlage in Europa horte im
Moment jeder Autobauer Cash. Geld werde nur da ausgegeben, wo es
unmittelbar helfe. Es sei deshalb zu teuer, Standorte dicht zu machen.
Der promovierte Ökonom soll die Rüsselsheimer Marke, die seit Jahren milliardenschwere Verluste anhäuft, zurück auf Erfolgskurs führen. Dabei muss er sich sputen: Das Management des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) verliert allmählich die Geduld mit der Europatochter und wechselt die Opel-Lenker immer schneller aus.

Vorschau: Retten diese Modelle Opel?

Opel Astra Cabrio Illustration Opel Adam Illustration Corvette C7 Illustration
Opel leidet wie andere Hersteller auch unter der Absatzflaute in Europa. Das führt zu teuren Überkapazitäten. Strackes Antwort darauf war ein Wachstumsplan, der unter anderem auf Export, Investitionen und die Allianz mit dem französischen Partnerkonzern PSA Peugeot-Citroën setzte. Bis 2016 wollte er auf Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Allerdings klaffte in seinem Sanierungsplan nach Medienberichten ein Loch in dreistelliger Millionenhöhe. Experten erwarten nun, dass Sedran härter durchgreifen und einen radikaleren Sparkurs einleiten wird.

Thomas Sedran: Unternehmensberater mit Benzin im Blut

Thomas Sedran wechselte erst im April 2012 in den Vorstand der Adam Opel AG und leitet seither das neu geschaffene Ressort Operations, Geschäftsentwicklung und Unternehmensstrategien.

Im Autogeschäft kennt sich der neue Opel-Lenker Thomas Sedran bestens aus. Mehr als 20 Jahre hat er als Berater der Autoindustrie gearbeitet. Seine Erfahrungen bei einem Hersteller sind aber begrenzt. Der 47 Jahre alte promovierte Ökonom wechselte erst im April in den Vorstand der Adam Opel AG und leitet seither das neu geschaffene Ressort Operations, Geschäftsentwicklung und Unternehmensstrategien. Seine Aufgabe: Er sollte Strategien für profitables Wachstum entwickeln und umsetzen – auch außerhalb Europas. Nun wird er zusätzlich Vize-Chef des Autobauers und führt einstweilen die Geschäfte. Fußballfan Sedran hat sich rasch bei Opel eingearbeitet – und schnell eine tragende Rolle bei der Allianz mit dem angeschlagenen französischen Partner PSA Peugeot Citroën übernommen.

Alle Opel-Chefs im Überblick

Edward W. Zdunek (1. November 1948 bis 28. Februar 1961)

Alle Opel-Chefs im Überblick 1 von 19
Am 17. Juli 2012 ernannte der Aufsichtsrat ihn allerdings nicht wie erwartet zum neuen Opel-Chef, sondern nur zum stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden. Eine Dauerlösung wird weiter gesucht. Somit bleibt dem langjährigen Unternehmensberater, den die "Süddeutsche Zeitung“ als "Mann für schwierige Sanierungsfälle" bezeichnete, aller Voraussicht nach nur wenig Zeit, den angeschlagenen Autobauer nach verlustreichen Jahren wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Beobachter geben ihm höchstens bis Ende 2012 Zeit, den an Überkapazitäten, Absatzschwäche und einem beschädigten Image leidenden Autobauer in die Spur zu bringen. Insider fürchten, der Mann "mit sehr viel Potenzial" könne "verheizt" werden.
Sedran arbeitete mehr als zehn Jahre für Roland Berger Strategy Consultants, zuletzt als weltweit Verantwortlicher für das Competence Center Automotive. Bis zu seiner Berufung in den Opel-Vorstand war er einer der Leiter des Geschäftsbereichs Europäische Automobilindustrie bei der Unternehmensberatung AlixPartners in München. In dieser Position hat er seit 2009 sehr eng mit Opel zusammengearbeitet. Er hat die jüngste Sanierung des Autobauers begleitet, bei der das Werk Antwerpen geschlossen und rund 8000 Mitarbeiter entlassen wurden. Wie sich jetzt zeigt, griff die Restrukturierung zu kurz. Weil der Absatz in Europa einbrach, leidet Opel wie andere Hersteller weiterhin unter teuren Überkapazitäten.
Schon vor der Wahl im Aufsichtsrat hieß es aus dem Unternehmen, Sedran werde vom Management genauso akzeptiert wie von den Arbeitnehmervertretern. Im Lager der Arbeitnehmer wird Sedran für seine Entscheidungsfreude gelobt. Er kenne das internationale Autogeschäft sehr gut und begreife schnell. Ein Insider sagt aber auch: "Manchmal verspricht er mehr, als er halten kann."
Dem Vernehmen nach genießt Sedran größtes Vertrauen bei Opel-Aufsichtsrats- und GM-Europa-Chef Steve Girsky, der Sedran von München nach Rüsselsheim gelockt hatte. Auch die Opel-Händler unterstützen Sedran, der an der Universität Hohenheim seinen Abschluss als Master of Business Administration machte und an der Ludwig Maximilian Universität München promovierte.

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