Timo Scheider im Streß

Scheiders verrücktes 96-Stunden-Rennen Scheiders verrücktes 96-Stunden-Rennen

Timo Scheider im Streß

— 30.11.2005

Das verückte 96-Stunden-Rennen

A1 Grand Prix und FIA GT an einem Wochenende – Timo Scheider gab in beiden Serien Gas. Report eines einmaligen Einsatzes voller Streß und mit gutem Ende.

Ohne Freitagstest auf Rang acht

Sonntag abend in Sepang, Malaysia. Mit schweren Armen und schmerzenden Muskeln fällt Timo Scheider todmüde in sein Hotelbett. Hinter dem deutschen A1-Piloten liegt ein Motorsport-Marathon: zwei Rennen in 96 Stunden. Grund: Adrian Sutil, der zweite Mann des deutschen Nationalteams der neuen Formel-Serie A1 Grand Prix, konnte nach seinem Unfall in Eastern Creek (Australien) wegen gebrochenen rechten Daumens nicht fahren. Also mußte Scheider außerplanmäßig auch in Malaysia im 550-PS-Flitzer ran.

Nach langem Kampf mit Ralph Firman landete der Braubacher schließlich auf Rang acht, holt drei Punkte für Deutschland. "Ein Ergebnis, mit dem wir absolut zufrieden sein können. Schließlich mußten wir ohne den Freitagstest auskommen und hatten kaum Gelegenheit, unser Setup zu verbessern. Deshalb hat die Hinterachse nach acht Runden immer mehr Grip verloren", erzählt der 27jährige.

Denn während die A1-Konkurrenz in Sepang schon fleißig an der dort nötigen Auto-Abstimmung feilt, fährt Scheider noch im 5500 Kilometer entfernten Dubai den vorletzten Lauf der FIA-GT-Serie im Maserati MC12. Der A1-Einsatz in Sepang ist nur drin, weil Autorennen in Dubai stets am Freitag, dem Feiertag der Moslems, starten. Scheider wird dort mit Teamkollege Michael Bartels Zweiter.

Taxi, Umziehen und rauf auf die Piste

Doch für die Pressekonferenz bleibt keine Zeit mehr. Per Shuttle geht es zum Flughafen. Dort wartet bereits der Linienjet nach Malaysia. Kurz vorm Airport klingelt das Handy. "Hier ist Jasmin. Du hast deine Lizenz vergessen ", meldet sich Timo Scheiders Ehefrau entsetzt aus dem Fahrerlager. Umkehren? Zu spät! Scheiders Team oder A1-Funktionäre sind in Malaysia aber nicht zu erreichen. Dort ist es ja bereits mitten in der Nacht.

"Als ich dann an Bord mußte, habe ich es aufgegeben und mir gesagt: Es will bestimmt keiner, daß Deutschland nicht startet", berichtet der Nationalpilot. Und doch: Timo Scheider kriegt während des siebenstündigen Fluges kein Auge zu. Gerädert landet er Samstag morgen um acht Uhr in Kuala Lumpur. Taxi, Umziehen und um zehn Uhr auf die Piste. Die vergessene Lizenz ist kein Problem. Sie liegt als Kopie vor, Scheider ist damit zugelassen.

Der schnelle Umstieg vom Sportwagen ins Formel-Auto bereitet dem Fahrlehrersohn keine Probleme mehr. "Meinen Fahrstil kann ich wie auf Knopfdruck umstellen. Das A1-Auto muß man sehr aggressiv fahren, sehr ähnlich wie ein DTM-Auto. Der Maserati verlangt hingegen einen sehr runden Fahrstil", erklärt der Wahlösterreicher.

Doch das A1-Rennen in Sepang ist nicht die letzte Station auf Scheiders erfolgreicher Rennreise. Schon am nächsten Tag fliegt er nach Bahrain und sichert sich dort letzten Sonntag mit Platz vier den Titel in der FIA-GT-Serie.

Autor: Oliver Hilger

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