Tour-Tagebuch Creme 21 (Teil 5)

Creme 21 Youngtimer-Rallye Creme 21 Youngtimer-Rallye

Tour-Tagebuch Creme 21 (Teil 5)

— 27.06.2005

Das große Finale

Die letzte Creme 21-Etappe. Ziel: Leipzig. Im reparierten BMW wieder dabei: AUTO BILD-Autor Wolfgang Blaube.

"Mein Retter in der Not"

Eines vorab: Das Foto, das BMW-Notdienstler Karsten Ranft zeigt, reiche ich mit dieser Tagebuchausgabe wie versprochen nach. Zur Erinnerung: Der BMW 323i Baur-Cabrio, den mir die BMW-Abteilung Mobile Tradition für die Creme 21-Rallye zur Verfügung gestellt hat, war in Chemnitz mit defektem Steuergerät liegengeblieben. Und Karsten Ranft hatte - für einen BMW-Offiziellen ganz schön unorthodox - ein entsprechendes Teil vom Autoverwerter beschafft, damit ich weiterfahren kann. Das verdient die Höchstpunktzahl – und eine Abbildung des couragierten Retters. Voilá, hier ist sie.

So, nun zur Rallye selbst. Chemnitz zeigt sich am Sonntagmorgen unfreundlich – deutlich abgekühlt und regnerisch. Der Start zieht sich lange hin; einige der Teilnehmer liegen noch vom prozenthaltigen Vorabend in Sauer. Durch zahlreiche kleine Orte geht es zunächst nach Espenhain. Zu einer ziemlich morbiden Location: ein stillgelegtes und reichlich verfallenes Kohlekraftwerk, dessen vier imposante Kühltürme wie Mahnmale des Verfalls wirken. Originellste Sonderprüfung heute: ein Lego-Auto gegen die Stoppuhr zusammenstecken. Dann rollt die Karawane der Klassiker weiter, macht Zwischenhalt beim Völkerschlachtdenkmal und läuft schließlich in Leipzig ein. Letztes Ziel: das neue Porsche-Werk, bei dem die Teams am frühen Nachmittag einlaufen.

Ich fotografiere die einlaufenden Youngtimer, komme dabei mit jungen Einheimischen ins Gespräch. Ja, ich bin der von AUTO BILD. Nein, der BMW macht keine Mucken mehr. Aha, ihr habt auch ein paar Jung-Klassiker ... und was für welche: Einer zeigt Fotos von seinem Audi 100 LS der ersten Generation. Knallorange-Erstlack, innen grün, perfekter Zustand, aus erster Hand gekauft. Respekt! Und ein bißchen Neid. Na klar, erzählen mir die Sachsen: Erst wurde nach der Wiedervereinigung der Hunger nach neuem Blech gestillt, dann kamen die echten Oldtimer, jetzt gehen auch die Brot-und-Butter-Westwagen der Siebziger ostwärts. Motto: Der Osten dreht auf. Finde ich klasse. Hoffentlich vergessen die Jungs dabei nicht ihre letzten Lada 1200 und Skoda 120. Von den Wartburg und Trabis mal abgesehen.

Bummeln hinterm Carrera GT

Das Porsche-Werk Leipzig ist eine wirklich eindrucksvolle Anlage. Halte ich übrigens für nicht selbstverständlich, daß wir dort am Sonntag reindürfen. Und nicht nur das: Sogar die Teststrecke ist für uns reserviert. Manche der Rallye-Recken sind allerdings schwer davon genervt, daß sie hinter dem Pace Car (einem gelben Carrera GT für eine knappe halbe Million Euro) herbummeln müssen. Nach der ersten Runde ändern die ersten ihre Taktik: erst zurückfallen lassen, dann richtig Stoff geben. Wenigstens für eine halbe Runde. Ich beobachte das finale Heizen vom Streckenrand aus, schwinge lieber meine Kamera. Action-Fotos kamen ja bislang etwas kurz, außerdem will ich noch mal meinen traumhaftes Baur-Cabrio in der Totalen festhalten. Ein Jammer, daß BMW mir das Auto nicht vererben will.

Das Umkurven des Kurses bleibt nicht ohne Folgen: der entzückende Karmann-Ghia Typ 3 erleidet einen kapitalen Maschinenschaden – trauriger Höhepunkt der Defekt-Serie bei der 05er Creme 21. Auch der mächtige Chevrolet Impala ist auf dem Weg nach Leipzig einmal mehr gestrandet, für zwei Fahrzeuge der Organisatoren – ein Karmann-Ghia Typ 1 und ein BMW 525 (Typ E12) – müssen heute Bremsdefekte bilanziert werden. In diesem Zusammenhang noch mal: Riesen-Kompliment an die Gelben Engel Ralf Feldmann und Heinz Krock, die ehrenamtlich mit auf Tour waren und noch schrauben müssen, als fast alle Teilnehmer längst wieder auf dem Weg gen Heimat sind. Danke, ihr beiden. Ihr seid einfach unschlagbar, wenn es um alte Technik geht.

Siegerehrung. Silber geht an Ulrich und Barbara Baberg auf Volvo P1800, Gold mit hauchdünnem Vorsprung an Clemens Schulze und Marco Maier auf Opel Rekord C Coupé. Glückwunsch! Und ich? Wechselnde, bisweilen auch gar keine Beifahrer, ständig Fotopausen, nachts Tagebuch tippen, zwischenzeitlicher Ausfall – und am Schluß verschusselt, einen Wertungsbogen abzugeben. Damit bin ich außer Wertung. Immerhin: Ohne den letzterwähnten Patzer wäre ich wohl im hinteren Mittelfeld gelandet.

"Volle Rille auf Gesamtsieg"

Im nächsten Jahr fahre ich jedenfalls volle Rille auf Gesamtsieg. Daß ich wieder dabei sein werde, steht außer Frage. Denn was die Creme 21-Jungs hier aufgeboten haben, das ist schon Weltklasse. Kaum zu glauben, daß sie das nicht professionell machen, sondern hobbymäßig und ohne Überschuß-Kalkulation. Nur so ist eben der lächerliche Preis von nur 888 Euro realisierbar. Wohl gemerkt: für zwei Leute, mit zweimal vier Übernachtungen und Vollverpflegung. Das paßt doch perfekt zu manchen Low-Budget-Teilnehmer-Autos. Zum mattschwarzen Opel Diplomat aus Zürich etwa: für nicht einmal 2000 Euro geschossen, bei der Creme 21 gemeldet, bis zum Schluß bravourös durchgehalten und dabei stets das Tempo vorgegeben. Oder zum Talbot Solara für ein paar hundert Piepen. Oder zum Lancia Gamma. Oder, oder, oder ...

So hat sich rund um die Youngtimerei eine richtige Kultur gebildet. Wurzel dieser Bewegung: die mangelnde Option, diese raren Alltagsmobile vergangener Tage bei echten Oldtimer-Rallyes einsetzen zu dürfen. Urteil: nicht alt genug. Jetzt haben sie ihre eigenen Wettbewerbe, die Granada, Commodore, 450 SLC und Co. Und diese Veranstaltungen sind richtig gut gebucht.

Apropos: Das Teilnehmerfeld der nächstjährigen Creme 21-Rallye dürfte auch schon weitgehend gefüllt sein. Wolang sie führen wird, die 06er-Creme? Steht noch nicht fest. Ist ja auch egal. Hauptsache, es macht Spaß. Und der ist angesichts der quietschbunten Mobile aus der Pril-Blumen-Ära garantiert. Da kann man die rosarote Brille ganz gepflegt in der Schublade lassen.

Bis zum nächsten Jahr, Ihr Wolfgang Blaube.

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