Tourenwagen-WM

Alfa 156 GTA und BMW Alfa 156 GTA und BMW

Tourenwagen-WM

— 14.12.2004

Hier trifft sich die ganze Welt

Ein Team aus China, der Einstieg von GM und sechs weitere Marken machen die Tourenwagen-WM zur echten DTM-Alternative.

China-Mannschaft Brilliance M1

Die Herren vom Motorsport-Weltverband FIA konnten es selbst nicht recht glauben, was da zwei Wochen zuvor per E-Mail aus dem Nordosten Chinas eintraf. Reichlich verdutzt schauten die Verbandsfunktionäre in Paris auf die Anmeldung einer Firma namens "Brilliance Car Company" aus Shenyang für die FIA-Tourenwagen-Weltmeisterschaft (WTCC) 2005. Beigefügt waren zwei Fotos einer Rennversion der Mittelklasse-Limousine "M1", beklebt mit der Startnummer acht, in China das Symbol für Reichtum.

Wer sind diese Motorsport-Novizen? Autohersteller Brilliance baut mit 46.000 Mitarbeitern seit 2001 Straßenautos für das Milliardenvolk. Und in einem Joint-Venture mit BMW auch Modelle der 3er- und 5er-Reihe. Auf mindestens drei Jahre ist das WTCC-Abenteuer angelegt, heißt es. Zunächst mit britischer Unterstützung, ab 2006 dann als rein chinesisches Team mit einheimischen Fahrern. Mit dem WTCC-Einstieg begibt sich erstmals ein chinesisches Auto auf die internationalen Rennstrecken. Und macht die neue FIA-Tourenwagen-WM somit zu einer Welt-Meisterschaft im wahrsten Sinne.

Eine Konkurrenz zur DTM

"Der Einstieg von Brilliance ist das Beste, was uns passieren konnte", sagt WTCC-Sprecher Fabio Ravaioli. "Damit haben wir schon acht Marken aus sieben Ländern am Start." Die Tourenwagen-WM geht aus der Europameisterschaft hervor, die zuletzt der britische BMW-Pilot Andy Priaulx gewann. Im kommenden Jahr wird die Serie eine echte Konkurrenz für die Deutsche Tourenwagen Masters (DTM), die gerade erst den Rückzug von Opel Ende 2005 verkraften mußte.

Setzt die deutsche Drei-Hersteller-Serie (Mercedes-Benz, Audi, Opel) auf klangvolle Namen wie Heinz-Harald Frentzen, Bernd Schneider oder Mika Häkkinen, will die Tourenwagen-WM mit internationaler Markenvielfalt antworten. Neben den schon 2004 angetretenen BMW 320i, Seat Toledo und Alfa Romeo 156 GTA steigt nun mit General Motors (Chevrolet Nubira) der größte Autohersteller der Welt erstmals in eine FIA-Rennserie ein. Dazu kommen privat eingesetzte Ford Focus, Peugeot 407, Honda Accord.

Bis zu 32 Autos in 12 Ländern

"Die Serie ist komplett auf die Marketingwünsche der Hersteller ausgerichtet", sagt Serienchef Marcello Lotti. Die seriennahen Wagen sollen dort starten, wo die wachsenden Märkte sind. Deshalb soll spätestens in drei Jahren in zwölf Ländern gefahren werden, dann möglicherweise auch in Indien oder Südafrika. Die Transportkosten für die Überseerennen übernehmen die Veranstalter vor Ort, um das Budget für die Teams (zwischen 600.000 und einer Million Euro) überschaubar zu halten. Der TV-Sender Eurosport wird die Rennen live übertragen, an denen bis zu 32 Autos teilnehmen sollen.

Offiziell will sich die WTCC, die voraussichtlich im August in Oschersleben Station macht (siehe Termine), nicht mit der DTM verglichen sehen. Doch Marcello Lotti kann sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Wer in die DTM will, muß erst mal mit Mercedes verhandeln. Und welcher Hersteller tut das schon gern." Bei der DTM ist man angesichts der neuen Konkurrenz noch gelassen. "Abwarten, was passiert, wenn sich acht Hersteller einigen müssen", sagt Norbert Haug. Ähnliche Probleme kennt der Mercedes-Sportchef aus der Formel 1 sehr gut.

Autor: Hauke Schrieber

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