Tourneo Connect, Kangoo, Partner, Combo Tour

Vergleich: Vier Kastenwagen im Kompaktformat Vergleich: Vier Kastenwagen im Kompaktformat

Tourneo Connect, Kangoo, Partner, Combo Tour

— 16.06.2003

Die kleinen Jumbos

Außen klein, innen groß – klingt wie die Geschichte vom fliegenden Elefanten Dumbo, gibt es aber wirklich. Vier Kastenwagen treten den Beweis an.

Wer wird Leitbulle der kleinen Herde?

Wir stellen vor: Mala. Ihres Zeichens Vertreterin der Familie Elephantidae und einfach nur riesig. Fast sechs Meter lang, 2,5 Meter hoch und vier Tonnen schwer – ein echter Jumbo eben. Deutlich kleiner und erheblich weniger beeindruckend wirken daneben unsere vier Kastenwagen. Ford Tourneo Connect 1.8 TDCi, Opel Combo Tour 1.7 DTI, Peugeot Partner HDi 90 Prémium und Renault Kangoo 1.5 dCi Privilège – alle mit sparsamen Dieselmotoren – sind angetreten, um den Leitbullen in ihrer kleinen Herde zu ermitteln.

Mit seiner kantig-kraftvollen Karosserie sendet der Ford zwar nicht die verführerischsten, wohl aber die markantesten optischen Signale. Mala wollte ihm jedenfalls ständig ans rustikale Blech. Hinter dem verbirgt die kurze Variante des Tourneo (4,28 Meter) viel Platz. Auch wenn das Cockpit mit reichlich Hartplastik zu sehr an Lieferwagen erinnert, herrscht auf den bequemen Vordersitzen die Weite der afrikanischen Steppe – die nächste Safari kann kommen.

Zumal nur Ford mit einem in Höhe und Reichweite verstellbaren Lenkrad glänzt. Peugeot und Opel erlauben nur ein zaghaftes Auf und Ab, während Renault ganz auf die wichtige Steueranpassung verzichtet. Da schüttelt nicht nur Mala ihr weises Haupt.

Der Tourneo Connect macht den Dicken

Doch dafür steht der frisch geliftete und gerade mal vier Meter lange Kangoo dem Ford beim Platzangebot kaum nach. Wie im Oversize-Opel (Länge 4,32 m) lässt sich hier lässig lümmeln, bleibt der Fahrer wohl selbst auf der Strecke Kiel - Kapstadt entspannt. Die weichen Sitze dürften aber ruhig mehr Unterstützug bieten.

Partner-Piloten müssen sich trotz passabler Polster und des gelungenen Facelifts ebenfalls einschränken. Auf den vorderen Sitzen geht es eine halbe Nummer enger zu als bei der Konkurrenz – ohne dass es zwischen den Fahrern gleich zum Revierstreit kommen müsste. Der droht eher schon im Fond, den wir in jedem Fall bequem über zwei Schiebetüren erreichen. Denn obwohl uns überall je drei Kopfstützen und Dreipunktgurte erwarten, geht es hier zu dritt etwa so gemütlich zu wie in einem überfüllten Elefanten-Gehege.

Einzige Ausnahme: der Tourneo, der mit 1,80 Meter Breite den Dicken macht und innen bis zu zehn Zentimeter mehr Ellbogenfreiheit gewährt. Keine Rücksicht nimmt Ford dagegen auf langbeinige Mädels. Lässig die Beine überschlagen oder sich entspannt im Polster räkeln provoziert wie im Kangoo blaue Flecken.

Kangoo: Heu-Transporter statt Freizeit-Van

Hier glänzt der Opel mit einem fürstlichen Beinraum, der es locker mit mancher Mittelklasselimousine aufnimmt. Das Resultat des mit 2,76 Metern konkurrenzlos großen Radstandes. Zusätzlich erlaubt der Combo selbst dem indischen Elefanten-Erzieher mit kunstvoll aufgetürmtem Turban locker eine aufrechte Sitzposition.

Doch leider kann auch Opel nicht zaubern. Was der Combo im Rückraum mehr bietet, fehlt ihm im Kofferraum, der ab Werk über Flügeltüren verfügt. Auch wenn 510 Liter gar nicht schlecht klingen und einem ausgewachsenen Elefanten locker für drei Tage als Wasservorrat reichen, fehlen auf die Mitstreiter fast 150 Liter (beim maximalen Kofferraum sogar bis zu 480 l).

Malas Favorit heißt in diesem Fall Peugeot, der bei umgeklappter Fondbank (bei Tourneo und Kangoo zusätzlich ausbaubar) wirklich sagenhafte 2,8 Kubikmeter schluckt und immerhin 530 Kilo zuladen darf – womit den Partner auch ein Elefantenjunges nicht schreckt.

Beim französischen Kollegen muss dagegen genau aufs Gewicht geachtet werden. Mit lächerlichen 375 Kilo empfiehlt sich der Kangoo eher als Heu-Transporter denn als ernsthafter Freizeit-Van. Schon die Wochenendtour mit Freunden bringt ihn an seine Grenzen, von Gepäck oder elefantösem Nachwuchs ganz zu schweigen.

Fahrverhalten und Bremsen

Reden müssen wir dagegen über das Fahrverhalten. Genau wie der Peugeot rollt der Franko-Frachter auf der weichen Welle zwar recht komfortabel durchs Leben, zeigt bei schnellen Ausweichmanövern aber reges Eigenleben. Das Heck schmiert weg, der Gegenschlag kann schon mal den ganzen Wagen aushebeln. Die indirekte Lenkung erschwert die notwendigen Kurskorrekturen – der Ritt auf einem wilden Elefanten dürfte kaum abenteuerlicher sein.

Klar übersteuernd, bei beherztem Einsatz an der manierlichen Lenkung aber deutlich braver absolviert der Ford den Elchtest. Beladen wird die Sache (wie bei den beiden Franzosen) sogar etwas leichter – das zusätzliche Gewicht hält die Hinterachse besser auf Kurs.

Wirklich überzeugen kann in der Pylonengasse dennoch nur der ebenfalls eher straff abgestimmte Opel. Geringe Lastwechselreaktionen bringen selbst ungeübte Fahrer kaum ins Schwitzen. Die gleiche Gelassenheit stellt sich beim Bremsen ein. Der Combo steht aus Tempo 100 als Einziger unter 40 Metern (Mittelwert warme/kalte Bremse; allerdings mit 15-Zöllern bestückt) – der Ford braucht fast eine Wagenlänge mehr. Zur vollen Zufriedenheit fehlt im Opel eigentlich nur noch ein ESP, das aber keiner der vier Mini-Jumbos anbietet.

Motorleistung und Verbrauch

Seltene Einigkeit, die sich bei den Motoren im Stichwort "Turbodiesel-Direkteinspritzer" erschöpft. Obwohl mit 82 PS schwächer als Ford und Peugeot, fährt der Kangoo 1.5 dCi seiner Konkurrenz auf und davon. Kraftvoll, kultiviert, knausernd – Renaults Common-Rail-Diesel spurtet nicht nur am schnellsten, er verbraucht auch nur 6,5 Liter.

Weniger Durst entwickelt einzig der Combo Tour, der mit seinen 75 PS aber auch rettungslos hinterherfährt und mit seiner Anfahrschwäche nervt. Zudem trompetet der Opel, der als Einziger auf eine Verteilereinspritzpumpe setzt, die Anstrengung am lautesten aus dem Endrohr.

Mit 90 PS eigentlich ausreichend motorisiert, leidet der Tourneo vor allem unter seinem üppigen Gewicht von 1560 Kilo – Fords Dickhäuter muss tatsächlich mit dem Opel kämpfen, kann ihn erst beim Zwischenspurt und dank strammer 220 (Opel 165) Nm Drehmoment abhängen. Was 90 PS leisten können, demonstriert der Peugeot. Agil, antrittsstark, ausgeglichen – der Zweiliter bleibt dem Kangoo dicht auf den Fersen, wird durch den langen fünften Gang aber gebremst.

Kosten und Ausstattungen

Weniger Hemmungen beweist Peugeot beim Preis. Der gut ausgestattete Partner Prémium kostet immerhin 16.700 Euro. Und damit natürlich mehr als die einfacher eingerichteten Tourneo Connect (15.764 Euro) und Combo Tour (14.755 Euro), aber auch mehr als der fast komplette Kangoo Privilège (16.250 Euro). Wäre der Renault vor einiger Zeit in der Werbung nicht schon mit einem Nashorn gesehen worden, Mala hätte sich spontan verliebt.

Technische Daten im Überblick

Auf gutem Niveau liegt beim Bremsen nur der Combo mit einem Mittelwert von 39,9 Metern.

Fazit und Wertung

Fazit Unsere vier cleveren Kastenwagen haben überzeugt. Sie bieten hohen Nutzen für vergleichsweise kleines Geld. Und genau solche Typen brauchen wir – jetzt mehr denn je. In der Summe aller Eigenschaften steht der Opel Combo zu Recht auf Platz eins, denn er knausert am effektivsten, lässt Komfort und Fahrsicherheit dennoch nicht zu kurz kommen. Dahinter landet der Kangoo. Außen klein, innen groß – dieses Motto setzt er am konsequentesten um. Nur schade, dass er bei Fahrsicherheit und Zuladung derart patzt. Der Tourneo auf Rang drei kann genau wie Schlusslicht Partner fast überall ganz gut mithalten, aber kaum Akzente setzen.

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