Test Toyota Auris gegen VW Golf

Toyota Auris gegen VW Golf

— 15.03.2007

So gut spielt Toyota Golf

Toyota hat Groes vor. Der Auris soll in der Kompaktklasse ganz nach vorne fahren. Dorthin, wo der VW Golf steht. Die Vorraussetzungen sind gut, denn der Auris punktet vor allem beim Preis.

Wegschauen geht nicht mehr. "Augen auf, Auris" ruft es uns zurzeit zu. berall, von Plakaten, Leuchtreklamen und Litfasulen, 200.000-mal. Flankiert wird die grte Plakat-Aktion in der Geschichte Deutschlands von massiver Werbung in Radio, TV und Presse. Die Botschaft ist klar: Toyota macht ernst, die Japaner wollen es mit dem neuen Auris wissen. Schon der Name vom lateinischen Wort Aurum, Gold klingt alles andere als bescheiden. Und bei der Konstruktion des Autos betrieb Toyota einen Riesenaufwand, nichts sollte mehr schiefgehen beim Angriff auf Deutschlands Flaggschiff. Das fngt mit dem Design an. Darber kann man ja immer streiten. Fakt ist jedoch, dass der Auris im Vergleich zum Corolla ein Riesen-Schritt nach vorn ist. Im Auftritt dem Yaris sehr hnlich der nebenbei seit seinem Neustart im letzten Jahr bei uns Vergleiche in Serie gewinnt. Gefllig steht der Auris da, die bullige Front und die ansteigende Seitenlinie setzen eigene Akzente. Die europische Abstammung (Designzentrum in Sdfrankreich) ist deutlich zu spren. Klar ist aber auch, dass der VW das noch mal besser kann: So selbstbewusst, so souvern freundlich und so vertrauenerweckend steht niemand sonst auf den Rdern. Formale Spielchen hat der Golf berhaupt nicht ntig. Das gilt auch fr Cockpit und Innenraum, alles brav und solide gebaut. Aufregendes Design sieht anders aus, aber VW ist der Bedienungs- Weltmeister und der Golf das Lehrstck dafr. Es passt einfach alles.

Golf wirkt im Detail hochwertiger

Bei der Gestaltung des Cockpits hat sich Toyota Mühe gegeben.

Toyota hat sich sichtlich Mhe gegeben, das Cockpit ist betont eigenstndig, die Instrumente sind schick, und besonders die kecke Mittelkonsole fllt auf: Die spannt sich tollkhn brckenfrmig vom Armaturentrger zum Boden. Vorteil: Der Schalthebel liegt weit oben, nur eine Handbreit neben dem Lenkrad. Auch Klimaregler und Radio sind bestens erreichbar. Trotz aller japanischer Qualitts-Bemhungen wirkt der Golf aber hochwertiger, im Detail sorgfltiger verarbeitet. Die silbrig schimmernden Kunststoffverkleidungen an der Mittelkonsole des Auris sehen billig aus, und wo vielerorts beim Golf aufgeschumte oder gummierte Teile der Hand schmeicheln, hat Toyota groflchig grobes Hartplastik verbaut.

Geringe Grenunterschiede

Bei Grsse und Abmessungen hat man manchmal das Gefhl, dass Toyota direkt beim VW Ma genommen hat. Lnge und Breite unterscheiden sich nur unwesentlich, der Kofferraum zum Beispiel schluckt beim Golf 350 bis maximal 1305 Liter, beim Auris sind es 354 bis 1335 Liter. Im VW lsst sich nur die Rcklehne geteilt umlegen, im Toyota sind Lehne und Bank mit einem Griff geteilt umklappbar. Nett, aber einen Vorteil bringt das nicht, in beiden Autos bleibt eine Stufe zwischen Gepckraumboden und umgeklappter Rcklehne. Und so gering die Unterschiede bei der Gre sein mgen, bei der Zuladung liegt der Golf deutlich vorn: 520 Kilo darf er einpacken, der Auris nur 435 nicht viel fr einen Kompakten.

Unterschiede gibt es auch beim Platzangebot. Vorn ist der Golf etwas gerumiger vor allem breiter und hher. Und die Sitzposition ist bequemer, die Sitze sind besser ausgeformt, haben eine lngere Auflage und eine hhere Lehne, die die Schultern nachdrcklicher untersttzt. Anders im Fond: Hier bietet der Auris einen Hauch mehr Platz, die Beine mssen weniger stark angewinkelt werden. Und es sitzt sich auf der komfortablen Rckbank etwas angenehmer, zumal auch noch die Neigung der Rcklehne verstellbar ist.

Fazit und Bewertung

In diesem Vergleich treten Toyota und VW mit Zweiliter-Dieseln an. 126 PS leistet der D-4D im Auris, 140 PS der TDI im Golf. Der VW hat bei den Fahrleistungen die Nase vorn, nimmt dem Toyota berall ein paar Sekunden ab. Der Japaner wiederum berzeugt dafr mit seiner hohen Laufkultur, luft weich und geschmeidig und dazu bemerkenswert leise. Schn auch seine gleichmige Kraftentfaltung. Anders der TDI. Der arbeitet rauer und ruppiger, entfaltet seine Kraft ungestmer und temperamentvoller. Das Turboloch zu Beginn ist ausgeprgter als beim Toyota, danach geht die Post ab. Dann dreht er bissig und kraftvoll. Beim Verbrauch nehmen sich beide nicht viel. Mit 6,4 Litern begngt sich der Golf, der Auris nimmt mit 6,6 Litern nicht viel mehr.

Golf fhrt sich straffer und handlicher

hnlich eng liegen die beiden mit ihrer Fahrwerkabstimmung beieinander. Beide sind angenehm alltagstaugliche, problemlose und sichere Autos, das vorweg. Die Unterschiede liegen im Detail. Immer wieder verblffend ist die Souvernitt und Ausgewogenheit des VW. Im direkten Vergleich fhrt er einen Tick straffer und handlicher als der Toyota, lsst sich beim Ausweichtest prziser um die Pylonen zirkeln. Die Lenkung spricht direkt an und erzhlt verbindlich von den Kurven, das ESP reagiert feinfhliger als im Auris. Dessen Lenkung fhlt sich sehr synthetisch an und arbeitet dazu nicht besonders harmonisch, reagiert erst verzgert und dann zh. Auch die teigige Schaltung fllt trotz kurzer Wege im Vergleich zum prziser und leichter schaltbaren VW ab. Vorteil des Toyota: Er federt eine Spur verbindlicher und schluckfreudiger.

Fassen wir bis hier zusammen: Fr den VW sprechen Platz, Zuladung, Fahrleistungen, Schaltung, Lenkung. Fr den Auris Motor, Bremsen und Komfort. Das wrde zusammen einen knappen Sieg fr den VW ergeben. Also alles wie immer? Nein, diesmal nicht, denn jetzt kommen die Preise. Der fnftrige Basis-Golf Trendline 2.0 TDI mit Partikelfilter kostet 23.133 Euro. Und den Basis-Auris 2.0 D-4D gibt es schon fr 19.750 Euro. Das macht eine Differenz von stattlichen 3383 Euro. Die Ausstattungen unterscheiden sich dabei kaum, der Toyota hat sogar noch einen Fahrer-Knieairbag, einen Bordcomputer (VW 159 Euro) und ein CD-Radio (VW ab 544 Euro) an Bord. Damit ist das Ergebnis klar, der erheblich gnstigere Preis entscheidet hier den Vergleich: Der Auris gewinnt gegen den Golf. Das sollte kein Grund zur Panik bei VW sein: Der Golf VI kommt ja bald, startet im Frhjahr 2008. Dann werden die Karten neu gemischt. Aber vor den glnzenden Qualitten des Auris sollte man auch in Wolfsburg die Augen nicht verschlieen.

Fazit von AUTO BILD-Redakteur Dirk Branke

Dirk Branke

Es ist tatschlich geschehen: Der VW Golf verliert einen Vergleich, der Toyota Auris gewinnt. Ist das jetzt die Wachablsung in der Kompaktklasse? Nein, noch nicht, dazu ist das Ergebnis zu knapp. Es gilt fr diesen Vergleich, also fr die Zweiliter-Diesel in Basisausstattung in einer anderen Kombination kann es anders aussehen. Trotzdem: Der Auris ist dem Golf sehr dicht auf der Spur, so nah wie kaum ein Auto zuvor. Und dann gibt eben der niedrigere Preis den Ausschlag. Nutznieer sind wir, die Kufer. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschft.

Autor: Dirk Branke

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