Toyota Carina E (1992-1998)

Gebrauchtwagen Toyota Carina E Gebrauchtwagen Toyota Carina E

Toyota Carina E (1992-1998)

— 25.02.2002

Tipptopp beim TÜV

Seine schönste Seite trägt der Carina unterm Fell: die Zuverlässigkeit. Doch auch gebraucht ist er eher eine graue Maus – und das macht ihn besonders attraktiv.

Motor und Fahrwerk

Der Toyota Carina wird gern als Liebling der Prüfer bezeichnet – was sachlich eigentlich völlig falsch ist. Denn wenn 82,1 Prozent dieses Typs die erste Hauptuntersuchung nach drei Jahren ohne Mängel meistern, hat die Gruben-Crew von TÜV, Dekra, GTÜ oder KÜS nur wenig davon. Im Gegenteil: Fürs Geschäft ist der Carina eher schädlich. Denn die Prüfer würden viel lieber eine Nachuntersuchung verordnen, um noch mal zu kassieren.

Für den Kunden ist so viel Solidität allerdings Gold wert. Und er kann sich auf absolute Sorglosigkeit einstellen – zumindest bei den schwächeren Motoren. Denn wo GTi draufsteht, ist Vorsicht geboten: Schon der 158 PS starke Zweiliter der Jahre 92 bis 94 zeigt einen Hang zu durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen, der beim 175 PS starken, aus dem Celica übernommenen Triebwerk noch heftiger ausfällt. Eine regelmäßige Kontrolle des Kühlwasserpegels ist Pflicht.

Die schwächeren Carina sind dafür kaum totzukriegen. Nur wer jede Wartung verschläft, dürfte nach sechsstelligen Laufleistungen Probleme mit dem Zahnriemen bekommen – weshalb ein penibel geführtes Kundendienst-Heft auch bei einem zuverlässigen Auto wie dem Toyota als echter Pluspunkt zählt. Was nicht heißt, daß ein Carina gar keine Schwachstellen hätte. So gehören die Kunststoffbuchsen der Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse beispielsweise zu den Dauerbaustellen: Etwa alle 40.000 bis 50.000 Kilometer verlangen sie laut rumpelnd nach Erneuerung. Ein Schönheitsfehler, den höchstens diskogeschädigte Ohren ignorieren.

Karosserie und Technik

Unschön sind auch die pfeifenden Frontscheiben. Bei den ersten Modellen bis Mitte 93 hob sich ab 110 km/h die obere Abdeckleiste und ließ einen nervigen "Orgeleffekt" entstehen. Besserer Kleber sorgte bei neueren Carina für Ruhe. Ein weiteres Kuriosum betraf die Kupplung: Sie stöhnte beim Einrücken manchmal gequält auf. Toyota änderte deswegen 94 Druckplatte und Belag; diese Maßnahme wird auch heute noch auf Kulanz durchgeführt.

Fast schon japanischer Standard ist dagegen eine andere Eigenart: hakelnde Schlösser. Die Riegel schließen generell schwer. Zwischen 94 und 95 sorgten zusätzlich weiche Schlüssel für Verdruß: Die Zahnung schliff regelrecht runter. Folge: Die Schlüssel klemmten im Schloß. Doch gemessen an dem, womit andere Fahrzeuge ihren Besitzern auf der Tasche liegen, sind diese Problemchen Peanuts. Denn das Risiko wirklich teurer Reparaturen liegt beim Carina E ausgesprochen niedrig. Ölleckagen beispielsweise - bei deutschen Gebrauchten ein Dauerärgernis – spielen beim Toyota der Mitte keine Rolle. Wenn überhaupt, dann erst weit jenseits der 100.000 Kilometer und auch nur an den Antriebswellenflanschen.

Trotz so viel Lob: Der Carina gehört nicht zu den Lieblingskindern auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Guten Zuspruch findet nur der geräumige Kombi, besonders mit dem sparsamen Magermix-Motor. Beim Viertürer mit Stufe im Heck hält sich die Nachfrage bereits in Grenzen, und der Liftback mit Schrägheck und großer Klappe ist eine echte Standuhr – erst recht als GTi. Denn Wölfen im Schafspelz hilft nicht mal mehr ein guter Ruf beim TÜV.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 4/92 Einführung des Carina E (Typ T19) als Ablösung des Carina II. Karosserievarianten: Stufenheck viertürig und Schrägheck mit großer Klappe; Motoren von 1,6 Liter, 107 PS über 2,0 Liter, 133 PS bis zum 2,0-Liter mit 158 PS 3/93 Carina Combi wird eingeführt 3/95 Modellüberarbeitung, Fahrer-Airbag Serie 2/96 auch Beifahrer-Airbag serienmäßig 1/98 Produktionsende. Nachfolger Avensis

Schwachstellen • Kühlwasserverlust durch poröse Schläuche führt zu Überhitzungsschäden. Eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung ist die teure Folge • Auspuffgelenk vor dem Katalysator vibriert mit der Zeit entzwei, macht sich lautstark bemerkbar • Bremslichtschalter waren eine Zeitlang zu stark gefettet, gaben kein Signal. Die verbesserte Version trägt ein "M" auf der Rückseite (nur ausgebaut sichtbar) • Windgeräusche mit Orgel-Effekt. Ursache des Pfeifens war die obere Zierleiste der Frontscheibe. Das Übel wurde Mitte 93 in der Serie abgestellt • Türkontaktschalter neigten zum Klemmen - entweder brannte das Innenlicht dauernd oder gar nicht

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Toyota Carina 2.0 GLi, Bj. 93. Toyotas Mittelklasse liegt schon auf gehobenem Preisniveau. Aber wann geht am Carina schon mal was kaputt?

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der Carina E gehört zu den Autos, die wir am seltensten in der Werkstatt zu sehen bekommen. In unserer Kundendatei laufen Fahrzeuge, die auch mit 300.000 Kilometern auf der Rolle nur zu den regelmäßigen Wartungsdiensten kommen. Ein Schwachpunkt sind allerdings die Kunststoffbuchsen der Stabilisatoraufhängung, sowohl an der Vorderachse als auch hinten. Die schlagen aus, und dann rumpelt es vernehmlich auf schlechtem Pflaster. Je nach Fahrweise können die Buchsen schon nach 40.000 Kilometern hinsein. In der ersten Serie gab es zudem Probleme mit Türschlüsseln, die zu schlecht gehärtet waren. Das weiche Metall nutzte schnell ab - und dann waren auch bald die Schlösser ausgenudelt, wenn die Fahrer genervt mit den regelrecht abgeschliffenen Schlüsseln in ihnen herumstocherten. Ärgerlich, doch selbst diese Kleinigkeit ändert nichts daran, daß der Carina ansonsten sehr zuverlässig ist." Jürgen Lenz, Toyota-Werkstattmeister

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