Toyota Celica S 1.8

Toyota Celica S 1.8 Toyota Celica S 1.8

Toyota Celica S 1.8

— 12.02.2002

Der Scharfmacher

Scharf, schärfer, Celica - doch hält der rasante Keil auch, was die verführerische Hülle verspricht?

Flach wie eine Flunder

Scharfmacher mit fadem Nachgeschmack? Eigentlich ein Widerspruch in sich, seit Verona und Naddel aber (fast) allgegenwärtig. Hinter der verlockenden Fassade lauert die Langeweile: außer Blubb und Bohlen nichts zu holen. Eine Enttäuschung, die uns Toyota mit Celica Nummer sieben (Deutschland-Debüt 1971) hoffentlich erspart. Optisch lässt die schärfste Versuchung seit Erfindung der Keilform nämlich gekonnt den Fernost-Ferrari raushängen - ihre inneren Werte enthüllt dieser Test.

Zugang verschaffen wir uns auf Knopfdruck und durch riesige Türen, deren mickrige Griffschalen wir aber gern gegen solide Bügelgriffe (am besten aus Chrom) eintauschen würden. Außer in wirklich engen Parklücken gleiten wir anschließend mehr oder weniger elegant (typbedingt) auf die maßgeschneiderten Sportsitze und genießen das gut sortierte Cockpit. Passt. Den knappen Fond des Viersitzers sollten ohnehin nur Kinder oder Koffer sehen. Also rutscht nur der Beifahrersitz zum Einsteigen nach vorn, fehlen Kopfstützen in der zweiten Reihe gleich ganz, nutzen wir gerne die geteilt umlegbare Rücksitzlehne.

Die 1,32 Meter flache Celica macht im Pärchenbetrieb ohnehin die beste Figur - wobei der Spaßfaktor deutlich höher liegt als bei Peep und Veronas Welt zusammen. Der 1,8-Liter-Motor spendiert muntere 143 PS, die ohne Hemmungen zubeißen und schon nach 8,3 Sekunden Tempo 100 knacken. Respekt, das schafft ein Alfa GTV 2.0 V6 TB mit 201 PS auch nicht schneller.

Motor, Fahrwerk, Extras

Trotzdem mäkeln verwöhnte Zeitgenossen: Dem Vierventiler mit seinen 170 Nm Drehmoment und der variablen Ventilsteuerung VVT-i (nur Einlassseite) fehlt der richtige Pep. Also bitte: Ende des Jahres legt Toyota nach, Turbo und VVTL-i (variable Ventilsteuerung beidseitig) entlocken dem 1.8er dann 180 PS. Ehrfürchtig erstarren muss die Celica deswegen aber nicht. Die knackige Sechsgangschaltung bietet stets die passende Übersetzung, erlaubt flotte Überholmanöver. Und wer den sparsamen Motor (8,5 Liter) nicht zu Drehzahlorgien treibt, bewahrt sich die Fahrfreude und ein gutes Gehör.

Vor Ausrutschern in Feldbusch oder Straßengraben bewahren uns die gnadenlos zupackende Stotterbremse (36,2 m) sowie das angenehm straffe Fahrwerk mit 16-Zoll-Alus (Serie beim Celica S). Auch schnelle Kurven meistert die Celica gelassen, schiebt nur dezent über die Vorderräder und quittiert Angstlupfer mit einem leichten Hüftschwung. Im Zusammenspiel mit der präzisen Lenkung (Marke gefühlsecht) eröffnet Celica-Fahren dabei kaum mehr Überraschungen als Dieter Bohlens Musik - ist aber deutlich unterhaltsamer (meint der Autor).

Mit Wohlwollen registriert das Publikum zudem, dass die Celica S für 43.900 Mark nicht mit Zugaben geizt. Aluräder, Klimaautomatik, beheizte Außenspiegel und Nebelscheinwerfer gibt es gratis. Erträgliche Versicherungstarife sowie die Toyota-typische Dreijahresgarantie (bis 100.000 km) runden die gelungene Darbietung schließlich ab. Und anders als unsere Peep-Promis verursacht der japanische Scharfmacher dabei weder einen faden Nachgeschmack noch Sodbrennen.

Bewertung und Fazit

Karosserie und Innenraum Für ein 2+2-sitziges Coupé trotz knappem Fond akzeptable Platzverhältnisse, Toyota-typisch ordentliche Verarbeitung und geräumiges, variables Gepäckabteil.

Motor und Getriebe Muntere 143 PS reichen völlig, begnügen sich mit 8,5 Litern. Der bei hohen Drehzahlen laute Motor erfüllt nur D3, die Schaltung glänzt mit kurzen Wegen.

Fahrwerk und Sicherheit Braves Kurvenverhalten mit leichter Tendenz zum Untersteuern und kaum Lastwechsel-Reaktionen. Sicherheitsausstattung sinnvoll, Bremsen Spitze.

Komfort Straffe Federung mit alltagstauglichem Restkomfort, gut geformte Sportsitze, üppige Ausstattung, hohe Funktionalität - nur die unübersichtliche Karosserie stört.

Preise und Kosten Angesichts der umfangreichen Ausstattung geht der Preis (43.900 Mark) total in Ordnung, drei Jahre Garantie und gnädige Versicherer erfreuen zusätzlich.

Fazit Die Mischung stimmt. Die Celica paart verführerische Optik mit sportlicher Technik und erschwinglichen Preisen. Nicht nur für Coupé-Fans eine Freude.

Technische Daten

Technik Motor Vierzylinder • Hubraum 1794 cm3 • Leistung 105 kW (143 PS) • bei Drehzahl 6400/min • Drehmoment 170 Nm bei 4200/min • Getriebe 6-Gang manuell • Antrieb Front • Bremsen (vo./hi.) Scheiben/Scheiben • Testwagenbereifung 205/50 R 16V • Serienbereifung 205/50 R 16V • Kofferraum 365 Liter • Tankinhalt 55 Liter • Länge/Breite/Höhe 4335/1735/1315 mm • Wendekreis 10,4 Meter

Serienausstattung ABS • Fahrer-/Beifahrerairbag • Seitenairbags vorn • Gurtkraftbegrenzer vorn • E-Fensterheber vorn • E-Spiegel beheizt • Rücksitzlehne geteilt klappbar • ZV fernbedient • Nebelscheinwerfer • 16-Zoll-Alufelgen • Klimaautomatik

Extras Teilleder-Ausstattung 1500 Mark • elektrisches Schiebedach 1480 Mark • Metalliclackierung 890 Mark • CD-Player 968 Mark • CD-Wechsler (sechsfach) 840 Mark

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