Toyota Corolla VI (1987-1992)

Gebrauchtwagen Toyota Corolla E9 Gebrauchtwagen Toyota Corolla E9

Toyota Corolla VI (1987-1992)

— 25.02.2002

Eine graue Eminenz

Eine Schönheitskonkurrenz hat der Corolla nie gewonnen. Doch beim Thema Zuverlässigkeit räumt der unscheinbare Japaner alle Preise ab.

Karosserie und Technik

Musterhaft beim TÜV, zigfacher Verkaufsmillionär und doch nur eine graue Maus. Toyota-Händler verzweifeln oft daran, daß ihr Corolla nie annähernd so ein Image erlangt hat wie der Golf. Dem achtmal neu aufgelegten Kompaktmodell aus Japan fehlt einfach Charakter. Schon beim ersten Corolla von 1966 setzte Toyota auf ein Kompromißauto, das möglichst vielen Kunden gefallen sollte.

Das gilt bis heute und garantiert weltweiten Erfolg: Der Corolla ist mit knapp 23 Millionen Exemplaren das meistverkaufte Auto der Welt - noch vor VW Käfer und Ford T-Modell. Doch das gilt nur dem Namen nach. Während Käfer und Tin Lizzy in ihrem Lebenszyklus kaum geändert wurden, teilt der Ur-Corolla mit dem heutigen Modell nur noch seinen Namen und sein unauffälliges Auftreten. Im bunten Reigen der Gebrauchtwagenmärkte steht der Toyota meist abseits. Nur Kenner wissen von der anspruchslos robusten Technik unterm Blech. Der Corolla ist so eine Art ungekrönter König der Gebrauchten - seine graue Eminenz.

Das gilt vor allem für die sechste Generation bis 1992, die 4,3- millionenmal gebaute E9-Serie. Ob Pannenstatistik oder TÜV-Report, der Japan-Golf liegt stets ganz vorn. Rost, bei früheren Modellen an Schwellern und Kanten zu finden, gab es bei unserem 91er Testmodell nirgendwo. Lediglich im Auspuff sammelt sich Kondenswasser und zermürbt von innen nach außen das Metall. Im schlimmsten Fall brechen die Auspuffrohre. Bremsleitungen unter Plastikschienen, kaum Flugrost an Achsen und Trägern, Korrosionsschutz bis in den letzten Falz – unverwüstlich.

Motor und Komfort

Das traf auf die sonst standfesten Motoren (85-89) nicht immer zu: Gerissene Zahnriemen wurden anfänglich zum Triebwerk-Killer. Auch der überdurchschnittliche Ölverbrauch fällt auf. Zwar gilt bei allen Herstellern noch immer die alte Norm, ein Liter auf 1000 Kilometer sei normal.

Doch die meisten Modelle kommen zwischen den Ölwechseln ohne Nachschlag aus. Der alte Corolla schafft das nicht immer. Bis zu 1,5 Liter auf 10.000 Kilometer gehen durch Ventilschäfte und Kolbenringe verloren. Wer nicht regelmäßig seinen Ölstand kontrolliert, riskiert Überhitzung und verbrannte Zylinderkopfdichtungen (bis Baujahr 88 typisch). Anfällig bei älteren Modellen: die Elektrik. Die Verteilerkappe reagiert empfindlich auf Feuchtigkeit (Startschwierigkeiten), die Batterie ist manchmal kurzlebig, und der Vergaser vereist im Winter gerne mal. Auch verbrannte Unterbrecherkontakte und defekte Chokes gehören zu den kleinen Ärgernissen.

Letzter Kritikpunkt: Komfort. Rauhe und brummige Motoren, harte Federung und Windgeräusche nerven besonders bei schneller Fahrt. Dafür entschädigt der durchweg geringe Verbrauch (sieben Liter sind's beim 1300er Modell) und der geräumige Kofferraum (385 Liter in der Liftback-Variante). Solider Corolla, preiswerter Corolla: Zehnjährige Modelle mit Kat kosten um 5000 Mark, rund 1000 weniger als der kleinste vergleichbare VW Golf. Bei den Qualitäten eine reelle Hausnummer für seine graue Eminenz.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 10/66 Vorstellung des Ur-Corolla auf der Motorshow in Tokio 5/70 Exportbeginn nach Europa 9/87 sechste Corolla-Generation in vier Versionen: Compact, Fließheck (Liftback), Stufenheck und Kombi. Vergasermotoren mit 74, 90 und 115 (GTi) PS, Diesel mit 64 PS (1.8) 5/88 neuer Tercel 4x4 auf Basis des Corolla Kombi 9/89 neue Einspritzmotoren mit G-Kat: 75 (1.3) und 105 (1.6) PS 1/90 neuer Diesel mit 67 PS (1.8) 7/92 siebte Generation E97/97 achte Generation. Corolla-Auflage seit 66: 22 Millionen

Schwachstellen Zahnriemen sind ein typisches Verschleißteil. Das Wechselintervall liegt bei 100.000 Kilometern - oder alle fünf Jahre, dann wird das Gummi porös • Auspuffrohre gammeln vor allem in den Winkeln, dort sammelt sich das Kondenswasser. Tip: Öfter mal auf die Autobahn, Hitze treibt die Feuchtigkeit raus • Ölverbrauch bis zu anderthalb Liter auf 10.000 Kilometer sind normal. Bedeutet: Auch zwischen den Intervallen muß nachgekippt werden. Kaum Verbesserungen brachte der Wechsel in der Serie auf andere Ventilschaftdichtungen und Kolbenringe • Verteiler mögen keine Feuchtigkeit. Bei Startschwierigkeiten immer schön trocken halten

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Toyota Corolla 1.3 Liftback, 55 kW/75 PS, Baujahr 1990. Nicht zu Unrecht gilt der Corolla als japanischer Volkswagen - die meisten Reparaturen liegen auf günstigem Niveau.

Fazit und Expertentipp

Fazit "Der Corolla ist der japanische Käfer – er läuft und läuft. Robuste Technik, zuverlässige Motoren, akzeptabler Komfort. Rost gibt es allenfalls am Auspuff, die Langzeitqualität der Karosserie ist vorbildlich. Nicht ganz so ordentlich ist die schnell verschlissene Kupplung, besonders bei Stadtautos. Bei älteren Modellen ist die Elektrik ein bekannter Schwachpunkt, besonders Verteiler, Zündkerzen und -anlagen. Außerdem leiden alte Corolla und vereisten Vergasern und defekten Chokes. Bis auf einen leichten Ölverbrauch sind die Motoren unverwüstlich. Schon die kleine 1,3-Liter-Motorisierung mit 75 PS garantiert bei einem Verbrauch um die sieben Liter völlig ausreichende Fahrleistungen." Dirk Tietjen, DEKRA-Sachverständiger, Hamburg

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