Toyota in der Krise

— 25.02.2010

Toyoda am Pranger

Ein Rückruf folgt dem anderen, das Image ist schwer beschädigt. Inmitten der schwersten Krise von Toyota musste Konzernchef Akio Toyoda vor dem US-Kongress zu Kreuze kriechen. Der Japaner räumte schwere Fehler ein.



(dpa/cj) Toyota steht wegen seiner Pannenserie in den USA am Pranger. Der extra aus Japan angereiste Konzernchef Akio Toyoda musste sich harsche Kritik von Mitgliedern des US-Kongresses gefallen lassen. "Toyota hat Beschwerden ignoriert oder kleingeredet", sagte der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Edolphus Towns. Der weltgrößte Autobauer sei eher auf den eigenen Profit aus gewesen als auf die Sicherheit seiner Kunden. "Toyota hat vor den Kunden versagt", so Towns zum Auftakt der siebenstündigen Anhörung. Der Autobauer habe die Schuld für die Defekte zuerst auf Fußmatten geschoben. "Sogar bei Autos, die gar keine Fußmatten hatten." Dann seien klemmende Pedale schuld gewesen. Towns: "Ich bleibe skeptisch, dass dies die einzigen Ursachen sind." Bei Unfällen durch ungewolltes Beschleunigen sollen in den vergangenen Jahren 34 Menschen gestorben sein.

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Problemzone: In diversen Modelle von Toyota und Lexus machte das Gaspedal Ärger.

Problemzone: In diversen Modelle von Toyota und Lexus machte das Gaspedal Ärger.

Der öffentlichkeitsscheue Toyota-Chef räumte eigene Fehler ein: "Ich fürchte, das Tempo, in dem wir gewachsen sind, könnte zu schnell gewesen sein." Das Management habe verlernt, auf die Kunden zu hören, es habe die Ausbildung seiner Leute vernachlässigt und die Entwicklung des Unternehmens aus den Augen verloren. Toyoda wies aber die Überlegungen zurück, dass es Fehlfunktionen beim elektronischen Gaspedal gebe. Er entschuldigte sich für das Geschehene. Jeder Tote und jeder Verletzte tue ihm leid: "Mein Mitgefühl gehört ihnen vom Grunde meines Herzens." Die Sicherheit der Kunden habe oberste Priorität.

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Das Unternehmen steht in den USA vor allem wegen einer an die Öffentlichkeit gelangten Präsentation in der Kritik, in der sich der Autobauer damit rühmt, vor drei Jahren durch gute Lobbyarbeit einen massiven Rückruf verhindert zu haben. "Dass ist eines der beschämendsten Dokumente, dass ich jemals gesehen habe", sagte der Kongressabgeordnete John Mica.

8,5 Millionen Betroffene

Der weltgrößte Autohersteller hatte Ende 2009 einen ersten großen Rückruf gestartet. Auslöser war der Tod von vier Menschen in einem Lexus gewesen. Mittlerweile rief Toyota weltweit 8,5 Millionen Fahrzeuge zurück, den überwiegende Teil davon auf dem US-Markt, wo sich der Konzern über Jahre auf den zweiten Platz in der Beliebtheit vorgearbeitet hatte. Der Autobauer unterhält zudem mehrere Werke in den Vereinigten Staaten. Die von Verkehrsminister Ray LaHood beaufsichtigte US-Behörde für Verkehrssicherheit NHTSA musste sich ebenfalls scharfe Kritik gefallen lassen. Towns warf ihr vor, tatenlos zugesehen zu haben, obgleich sich die Beschwerden von Fahrern gehäuft hätten. "Wir nehmen alle ernst", wehrte LaHood ab und verwies auf die hohe Zahl an Eingaben von Verbrauchern. Der Vermutung, dass die Toyota-Probleme auf die Elektronik zurückgehen, werde nachgegangen.

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