Fahrbericht Toyota Land Cruiser V8

Toyota Land Cruiser V8 von Extrem: Test

Komfortsänfte mit sattem V8-Sound

Nur zwei Jahre lang bot Toyota den großen Land Cruiser V8 Benziner bei uns an. Ein freier Importeur holt her, was uns die Japaner vorenthalten.
Sanft wiegt mich der schwere ToyotaLand Cruiser durch die Alb-Landschaft, wie ein großes Motorboot. Das behäbige Einlenkverhalten passt zum Dicker-Dampfer-Fahrgefühl ebenso wie das schier amerikanische V8-Blubbern. Moment – gab dieser V8 früher nicht ein fast unhörbares Säuseln von sich? Damals, im Jahre 2008, als er offiziell importiert wurde? "Nun ja, wir haben mittels Y-Stück für mehr Sound gesorgt", sagt Andreas Woldrich, Chef des freien Importeurs Extrem Fahrzeuge aus Schwenningen, und grinst. "Ist halt ein Showcar …"

Der Importeur legt den Land Cruiser richtig hoch

Das ist die Höhe: Neues Fahrwerk und fette Reifen heben den Land Cruiser und satte 14 Zentimeter.

Durchgehende, hauptschalldämpferlose Auspuffrohre sind sonst ein Garant für aufdringlich-prolliges Gebrüll. Nicht so beim Land Cruiser, der selbst jetzt noch kultiviert rüberkommt und einfach nur schön und V8-typisch blubbert. Ich reise hier auf hohem Niveau – wortwörtlich, denn dieser Toyo liegt 140 mm höher als im Serienzustand. Davon entfallen 80 mm auf das Höherlegungsfahrwerk von OME, der Rest auf die hochflankigen Yokohama Geolandar-AT-Reifen in 325/60 R 20. Die sitzen auf Leichtmetallrädern von Delta 4x4, stehen leicht über und quietschen bei vollem Lenkeinschlag – die Reifen sind so breit, dass der Platz nicht einmal in derart großen Radhäusern reicht. Wer sich von den schwäbischen Buschtaxi-Importeuren ein ähnliches Auto zulassungsfähig aufbauen lassen will, muss sich mit 305er-Reifen bescheiden. Beim Fahren wundert man sich schon, weshalb dieses vertrauenerweckende Gefährt im November 2009 bei uns aus dem Toyota-Programm flog, nach nur zwei Jahren.

Mit dem V8 im Bug ist man entspannt unterwegs

Das ist das Kraftwerk: Aus 4,6 Litern Hubraum holt der V8 des Toyota lässige 318 PS und 448 Nm.

Im markengläubigen und damals dieselfixierten Deutschland ließ sich ein Toyota mit V8-Benziner nicht gut verkaufen. Überall sonst auf dem Globus aber verzichteten Kenner bei diesem Auto gern auf ein Prestige-Markenlogo. Es prangt zwar ein bürgerliches Toyota-Badge drauf, innen aber entfaltet sich zumindest optional lückenloser Luxus: belüftete Ledersitze, elektrische Heckklappe, Kühlbox in der Mittelkonsole, schlüssellos – eine Komfortsänfte reinsten Wassers, die stets auch den Ansprüchen der Scheichs genügen musste. Lässig dargereichte 318 PS und 448 Nm Drehmoment, die über eine diskret schaltende Sechsstufenautomatik an die vier permanent angetriebenen Räder gelangen – alles an diesem Auto wirkt kultiviert. Der bleibende Eindruck: Man dreht viel beim Fahren. Nein, nicht den souveränen V8, sondern die beiden massiv-metallenen Drehschalter für Fahrprogramme und Untersetzung. Das Fahrgefühl? Schwer, schön schwer. "Nenn mich bloß nicht SUV!" scheint der Leiterrahmen-Offroader ständig vor sich hin zu murmeln.

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Übermäßig viel zu tun hat der Fahrer nicht: Das Torsen-Zentraldifferenzial sperrt sich selbst bei zu viel Schlupf an einer der beiden Achsen. Ähnlich wie etwa beim aktuellen Land Rover Discovery lässt ein auf Kriechtempo eingestellter Gelände-Tempomat (Crawl Control) völlig ahnungslose Fahrer brillieren: Lenken und die Füße von den Pedalen lassen ist alles, was sie können müssen – der Toyota fährt bereits semi-autonom!

Luxus hat auch bei Toyota einen hohen Preis

Das ist der Preis: Für den Land Cruiser mit V8 werden in der GX-R-Version nicht unter 90.000 Euro fällig.

Billiger als die Nobelmarken macht er's hingegen nicht. Die gebotene Solidität sollte dem Eigner mindestens 78.900 Euro wert sein, plus 690 Euro Überführung. Die von uns gefahrene, gehobene GX-R-Version mit Leder und Festeinbau-Navi kostet nicht unter 90.000 Euro. Ein Discovery Si6 kommt fast 30.000 Euro billiger, bietet aber nur sechs Zylinder. Der große Land Cruiser ist bei Extrem optional mit dem voluminöseren 5,7-Liter-V8 zu haben, gegen 4600 Euro Aufpreis. Damit nähert er sich bereits dem Territorium des Range Rover. Die Schwaben beziehen den großen Land Cruiser aus einer nicht näher genannten Quelle im Nahen Osten. Weit hergeholt, dieses Auto. Aber wunderbar klingend, von Unzerstörbarkeits-Mythen umrankt und von adligen Wüstensöhnen noch immer favorisiert, den stetig zahlreicher werdenden Konkurrenten zum Trotz. Gern mit vergoldetem Kühlergrill, der das Prestige-Logo von Bentley und Co. entbehrlich macht.

Fahrzeugdaten Land Cruiser V8 4.6
Motor V8-Zyl., Saugbenziner; längs
Hubraum 4608 cm³
Leistung bei 1/min 233 kW (318 PS) / 5600
Drehmoment bei 1/min 448 Nm /3400
Abgasnorm Euro 6
Radaufhängung vorn, hinten Einzelrad/Starrachse
Reifengröße regulär 285/65 R 17
Reifengröße Testwagen 325/60 R 20
Getriebe 6-Stufen-Wandlerautomatik
Allrad; Kraftverteilung v:h permanent über Zentraldiff.; 40:60
Länge/Breite/Höhe (Serie) 5095/1980/1930 mm
Radstand 2850 mm
Wendekreis 13,5 m
Böschungswinkel 32°v./24°h.
Wattiefe 700 mm
Leergewicht/Zuladung 2740/610 kg
Anhängelast gebr./ungebr. 3500/750 kg
0–100 km/h 9,2 s
Vmax 195 km/h
Normverbrauch/Tankvolumen 13,3 l S/100 km/93 + 45 Liter
Norm-CO2-Ausstoß 308 g/km
Preis ab 78.900 Euro

Autor: Rolf Klein

Stichworte:

SUV

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