Fahrbericht Toyota Mega Cruiser BXD 10

Toyota Mega Cruiser BXD 10 Toyota Mega Cruiser BXD 10 Toyota Mega Cruiser BXD 10

Toyota Mega Cruiser BXD 10: Fahrbericht

— 05.10.2016

Hummer auf Japanisch

Ähnlich konzipiert wie ein Humvee, aber viel besser, da japanisch-perfektionistisch umgesetzt: der ultraseltene Toyota Mega Cruiser

Es braucht schon einen verstrahlten Autofreak wie den Münchner Kfz-Betriebswirt Alexander von Khuon (45), um bei uns ein Auto zur Zulassungsreife zu bringen, das a) sein Herkunftsland Japan nur mit kreuzweise zersägtem Rahmen und ohne Kabelbaum verlassen darf und für das b) kein Datenblatt existiert – militärische Geheimhaltung! Ein Auto, das nie zuvor jemand in Deutschland zugelassen hat, weder Datenblatt noch Abgasgutachten vorhanden – so etwas gilt unter Oldtimer-Selbstimporteuren als K.O.-Kriterium, weil die Zulassungsprozedur einem monatelangen Spießrutenlauf gleichkommt und fünfstellige Euro-Summen verbrennt.

Der Weg zur deutschen Zulassung war lang und steinig

Bevor der TÜV seinen Segen gab, waren nicht weniger als 42 Änderungen am Mega Cruiser gefordert.

Alexander nimmt so etwas sportlich: "Ich habe mit zwölf Jahren mein erstes Auto besessen, das erste Auto gehandelt habe ich mit 14." Viele Jeep CJ-7 hat er seitdem besessen, aber das kann ja jeder. Buschtaxi-Freaks in seinem Freundeskreis machten ihn auf den Mega Cruiser aufmerksam. "Den wollte ich haben!" Aber wie soll er nur an ein unzersägtes Exemplar herankommen? Der mit Handelserfahrung und weltweiten Kontakten ausgestattete Kaufmann fand einen Weg, den er für sich behalten möchte. Kauf und Verschiffung folgten acht Monate Datenrecherche und 42 vom TÜV verlangte Änderungen – dem Münchner blieb nichts erspart. Die gefürchtete Hürde des TÜV-Abgasgutachtens ließ sich nur nehmen mittels einer Neuprogrammierung der Software, Teilzerlegung des 4,1-Liter-Nutzfahrzeugdiesels und Injektorenreinigung. Dreipunktgurte nachzurüsten – keine Standardausstattung beim Mega Cruiser – erforderte Karosseriearbeiten und die Beschaffung ISO-zertifizierter Schrauben.

Im Toyota steckt reichlich Platz-da-hier-komm-ich-Appeal

Gut fürs Ego: Besitzer Alexander von Khuon gibt zu, dass er mit dem exotischen BXD 10 gerne auffällt.

Einzige Erleichterung: Toyota produzierte von 1995 bis 2002 eine frei verkäufliche und technisch nahezu identische Zivilversion namens BXD 20. Die ist zwar auch ein in homöopathischen Dosen produzierter Exot, denn Toyota bot sie nur in Japan an zum Preis von umgerechnet 90.000 Euro – prohibitiv teuer Mitte der 90er. Nur rund 150 Privatkunden sollen sich für den zivilen Mega Cruiser entschieden haben. Aber: Für die Zivilversion gab es wenigstens ein Datenblatt. Auch die Reifen (Bridgestone Mud Dueler im unüblichen Format 37 x 12,5 R 17.5, Stückpreis rund 900 Euro) gibt's nicht über offizielle Kanäle. An diesem Auto entwickelte sich wirklich alles zum Spiel über Bande. Weshalb die ganze Mühe? Ja, es stecke schon ein Stück Persönlichkeitsmarkierung dahinter, bekennt Alexander freimütig. "Es ist nicht mehr möglich, sich in der Münchner Maximilianstraße mit einem Auto abzuheben, für das man bloß Geld braucht. Für diesen Exoten brauchst du Kontakte."

Ein Artikel aus AUTO BILD ALLRAD

Derzeit als Lkw mit vier Sitzplätzen zugelassen, ist der Toyota nach acht Monaten noch immer nicht ganz fertig: In Vorbereitung ist momentan die Euro-3-Einstufung mittels nachgerüstetem Dieselkat und Rußfilter von der SK Handels AG. Das allein kostete über 5000 Euro. Ein Softtop ließ Alexander ebenfalls anfertigen, natürlich gibt's auch das nicht von der Stange.

Die Frontpassagiere sitzen gefühlt in verschiedenen Zeitzonen

Ein Mitteltunnel wie ein Gebirge: Fahrer und Beifahrer sitzen im Mega Cruiser mega weit auseinander.

Genießen wir doch einfach mal dieses außergewöhnliche Gefährt. Ich nehme Platz auf dem Fahrersitz, der mich in Defender-artiger Manier an die Seitentür quetscht. Der Beifahrer scheint schon in einer anderen Zeitzone zu sitzen. Bei den Abmessungen übertrifft der Toyo den Humvee leicht. Will heißen: Das Ding ist noch breiter und das bei einem Rechtslenker. Mit der Breite kommt der Fahrer am besten zurecht, wenn er sich angewöhnt, beim Fahren öfters per Blick in den rechten Seitenspiegel zu prüfen, dass er keinen Platz verschenkt am rechten Wegesrand. Ansonsten: Hoffen, dass auch der Gegenverkehr Angst um sein Blech hat. Was mir hier an Geländetechnik zur Verfügung steht, lässt keine Wünsche offen: Untersetzung (mit einem bleistiftartig filigranen zweiten Schalthebel zu bedienen), echter Permanentallrad, Zentraldifferenzial per Kippschalter elektrisch sperrbar, hinzu kommen zwei Quersperren, mittels eines zweistufigen Drehschalters zu bedienen. Die Achsentlüftungen sind derart hochgelegt, dass der Wagen durch 1,10 Meter hohes Wasser waten kann.

Auch schwerstes Gelände ist für den Japaner kein Problem

Dank Allrad, 46 Zentimeter Bodenfreiheit und bis zu 1,10 Meter Wattiefe stoppt den Toyota fast nichts.

Die Achsen haben wie beim Hummer H1 Radvorgelege, das Resultat sind generöse 46 Zentimeter Bodenfreiheit. Wenn ich auf Sand fahren will, kann ich per Bord-Kompressor zwischen Normalbetrieb (2,2 Bar Luftdruck) und Sandbetrieb (1,0 Bar) hin- und herschalten. Ein besseres Fahrzeug für Weltreisen oder Katastrophengebiete mag vor meinem geistigen Auge nicht auftauchen. Gegenüber dem Humvee sind drei zentrale Vorteile auszumachen: Erstens ist der Japaner leiser; im Toyota können sich die Insassen auch bei 70 km/h noch unterhalten. Zweitens die filigrane, elaborierte Achskonstruktion, die nicht wie im Humvee die mühsam geschaffene Bodenfreiheit mit derben Querlenkern wieder zunichte macht. Beeindruckendster Pluspunkt des Mega Cruiser: der winzige Wendekreis, der dem Breitbau sogar so etwas wie Alltagstauglichkeit verleiht: 11,2 Meter statt 16,2 beim Humvee.

Die Japaner haben eine geschwindigkeits- und einschlagsabhängige Allradlenkung verbaut, die den Riesen zwar in engen Kurven gern in instabile Drift-Fahrzustände übergehen lässt, aber den Wendekreis auf Kompaktauto-Niveau schrumpft. Man hat das Gefühl, der Toyota könne sich um sich selbst drehen wie ein Kettenfahrzeug. Weitere Details zum Toyoyta Mega Cruiser gibt es in der Bildergalerie.

Autor: Rolf Klein

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