Toyota Mirai (FCV): Fahrbericht LA 2014

Toyota Mirai Toyota Mirai Toyota Mirai

Toyota Mirai (FCV): Fahrbericht LA Auto Show 2014

— 19.11.2014

Erste Fahrt im Brennstoffzellen-Toyota

Mit dem neuen Mirai bringt Toyota die Brennstoffzelle in Serie. Wie sich der futuristisch aussehende Japaner fährt, zeigt unser erster Fahrbericht.

Toyota bringt die Brennstoffzelle in die Serie: Noch 2014 beginnen die Japaner mit dem Verkauf des ersten designierten Serienautos mit Fuel-Cell-Technologie – zunächst in Japan, ab September 2015 auch in den USA und Europa. Für ihre Mission hat die kompakte Stufenheck-Limousine im Format des VW Passat den passenden Namen bekommen: Mirai bedeutet im Japanischen "Zukunft".
So kommt der Toyota Mirai

Innen wie ein modernisierter Prius

Hinten wird es für die Knie und vor allem für den Kopf ein bisschen knapp.

So unkonventionell der Mirai mit seinen riesigen Lufteinlässen an der Front und den von Wellen umwogten Rümpfen eines Katamarans am Heck auch aussieht: Sobald man eingestiegen ist, fühlt man sich wie in einem modernisierten Prius. Die Bildschirme sind ein bisschen größer, die Konsolen ein wenig vornehmer, die Sensorschalter auf der Mittelkonsole erinnern an iPhone und Co. Überall funkeln Zierleisten aus Chrom. Aber im Grunde ist der Bote aus der Zukunft ein Toyota wie jeder andere auch: Von der wenig lebenslustigen Farbauswahl über die eher durchschnittlichen Sitze bis hin zur mechanischen Fuß-Feststellbremse, die so gar nicht zu einem Auto von Morgen passen möchte.

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Auch die Platzverhältnisse in der knapp 4,90 Meter langen Limousine erinnern an den Prius: Vorn sitzt man ganz ordentlich, hinten wird es für die Knie und vor allem für den Kopf dagegen schon ein bisschen knapper. Der Kofferraum fasst etwa 450 Liter. Dass das eine reife Leistung ist, selbst wenn der Prius 40 Zentimeter kürzer ist, erkennt man beim Blick auf die ganze Technik, die Toyota im Mirai unterbringen musste. Denn neben dem Elektromotor, der Steuerelektronik und dem Nickel-Metall-Hydrid-Akku als Pufferbatterie wollen ja auch noch die beiden zusammen rund 120 Liter großen Tanks für etwa fünf Kilogramm Wasserstoff und der so genannte Stack (in Reihe geschaltete Zellen) der Brennstoffzelle selbst integriert werden. Dass daraus keine größeren Einschränkungen resultieren als eine dezent erhöhte Sitzposition, ist eine Leistung.

Ordentlicher Punch auf den ersten Metern

Auf der Straße fühlt sich der Brennstoffzellen-Toyota an wie jedes andere Elektroauto auch.

Auf der Straße fühlt sich der Mirai an wie jedes andere Elektroauto auch. Der Futurist fährt so unauffällig wie ein Prius mit Plug-In-Technik: Mit seinem 155 PS starken E-Motor an der Vorderachse hat er bei maximal 335 Nm auf den ersten Metern einen ordentlich Punch, lässt sich danach aber umso mehr Zeit beim Beschleunigen. So schafft er es in weniger als zehn Sekunden von 0 auf 100. Mit maximal 178 km/h taugt er nicht nur für den geschwindigkeitsbeschränkten Highway, sondern auch für eine deutsche Autobahn. Mit seinen 1,9 Tonnen hat der Mirai jedoch ordentlich zu schleppen und wird nicht gerade zum Kurvenräuber. Der Motor und das Kraftwerk im Unterboden sind sehr viel präsenter als in jedem anderen Stromer. Ein bisschen Geduld muss man auch haben, um in einer Auffahrt zu beschleunigen. Wer vorher nicht aus dem Eco-Programm heraus wechselt, braucht viel Kraft im rechten Bein.

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Toyota verspricht, dass das Volltanken des Mirai in nur fünf Minuten über die Bühne geht.

Den größten Unterschied zu allen anderen Fahrzeugen mit jedweder Form von Elektro-Antrieb findet man in den Untermenüs des bislang noch auf Japanisch programmierten Bordcomputers: Die Reichweite. Denn wo herkömmliche Akku-Autos spätestens nach 150, 200 Kilometern an die Steckdose müssen und für die Plug-In-Modelle schon nach maximal 50 Kilometern Schluss ist, stromert der Mirai im Alltag bestenfalls 500 Kilometer weit. Dann geht der Brennstoffzelle der Wasserstoff aus und sie kann den E-Motor nicht mehr versorgen. Halb so wild: Denn Toyota verspricht, dass das Volltanken nur fünf Minuten dauern soll.

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Stolzer Einstiegspreis

Die unkonventionelle Formsprache des Mirai mündet in diesen Rückleuchten.

Dass die Chancen des Mirai auf hohe Verkaufszahlen trotzdem denkbar gering sind, hat einen anderen Grund: den Preis. Denn nachdem Toyota mittlerweile Milliarden in die Brennstoffzelle gesteckt hat, wollen die Japaner jetzt einen Teil von ihrem investierten Geld zurück und verlangen in Deutschland stolze 78.540 Euro für den Mirai. Damit ist er etwa doppelt so teuer wie ein i3 oder eine B-Klasse mit electric drive. Die Japaner müssen sich um den Absatz ihrer ersten Autos bei uns wohl trotzdem kaum sorgen, denn 2015 sollen nur rund 100 Mirai nach Europa kommen. Wenn Toyota ab dem nächsten Jahrzehnt aber tatsächlich "zehntausende Brennstoffzellen-Autos im Jahr" verkaufen will, dann sollten die Japaner nochmals über die Preispolitik nachdenken – oder einfach nach Amerika schauen. Dort, wo der Mirai wegen der staatlichen festgelegten Zero-Emission-Quote für die Toyota-Flotte zum Erfolg verdammt ist, kostet er nämlich kaum mehr als die Hälfte.

Autor: Thomas Geiger

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