Toyota RAV4 I (1994–2000)

Toyota RAV4 I, Typ XA (1994–2000) Toyota RAV4 I, Typ XA (1994–2000)

Toyota RAV4 (1994–2000)

— 06.10.2005

Auf ihn ist Verlaß

Er war ein echter Pionier und hat die kompakte SUV-Klasse begründet. Und der Toyota RAV4 der ersten Generation ist typisch japanisch zuverlässig.

Ein überaus rüstiger Methusalem

Wir schreiben das Jahr 1994. Die Autowelt staunt. Nicht nur über den RAV4, der Pkw-Technik mit Geländewagen-Optik verbindet. Sondern auch über den Hersteller Toyota, der Mut zum Risiko beweist und der staunenden Kundschaft ein Auto präsentiert, das sich zwischen alle Stühle setzt. Nicht Fisch, nicht Fleisch. Minimale Geländetauglichkeit durch lediglich Allradantrieb und nur 180 Millimeter Bodenfreiheit, aber maximales Straßenhandling.

Der Erfolg gibt den Japanern recht und zieht zahlreiche Nachahmer an. Vom Original kommt im kommenden Winter bereits die dritte Generation. Doch auch wer die 25.000 Euro für einen nagelneuen RAV4 nicht aufbringen kann oder will, muß sich nicht grämen. Denn gerade auch als Gebrauchtwagen ist der kompakte Allradler höchst attraktiv. Die ältesten Exemplare sind bereits elf Jahre alt – und offenbar nach wie vor äußerst verläßlich.

Von den RAV4 der ersten Generation findet man etwa gleich viele Exemplare als kurze Zweitürer oder als längere Viertürer auf dem deutschen Markt. In beiden wirkt der Zweiliter-Vierzylinder-Benziner stets spritzig, Fahrwerk und Lenkung machen den Japaner angenehm handlich. Der Viertürer bietet als Plus einen verwertbaren Gepäckraum und einen etwas besseren Federungskomfort.

Motor und Fahrwerk

Bei knapp 5000 Euro geht es los mit den gebrauchten RAV4. Die dabei üblichen Kilometerstände von mehr als 100.000 sollten jedoch keineswegs schrecken. Zahlreiche Leser haben bereits die 200.000-km-Marke überschritten – mit erstem Motor und Getriebe, versteht sich. Auch andere teure Baugruppen wie Allrad, Lenkung oder elektrische Helferchen haben ein langes Leben. Ganz selten streikt mal eine Benzinpumpe oder eine Lichtmaschine.

Einzig dem filigranen Fahrwerk sollte man bei der Besichtigung eines gebrauchten RAV4 besondere Aufmerksamkeit zuteil werden lassen. Die komplett aus dem Pkw-Bau entlehnten Radaufhängungen halten rüde Behandlung bei Geländefahrt nicht aus. Einseitig abgefahrene Reifen sind dabei ein Alarmsignal und oft ein Hinweis auf verbogene Aufhängungen oder Querlenker.

Ein verhältnismäßig kurzes Leben hat oft die von Toyota werksseitig verwendete Starterbatterie. Nicht selten bricht sie bereits in ihrem dritten Winter zusammen und muß ausgetauscht werden. Trotz der recht hohen Preise für eine große Inspektion (durchschnittlich 383 Euro) ist die große Mehrheit (79%) der RAV4-Fahrer zufrieden mit den Toyota-Werkstätten.

Komfort und Wiederkaufquote

Das gleiche gilt für das Auto selbst. Über mangelnde Zuverlässigkeit beschwert sich praktisch niemand. Über den mäßigen Fahrkomfort schon. Hauptsächlich jedoch hagelt es Kritik wegen des Mini-Gepäckraums im kurzen Zweitürer.

Auch die im Anhängerbetrieb überforderte Kupplung ist ein Thema. Selbst die erlaubten 1500 Kilogramm können beim Anfahren an Steigungen zuviel sein. Auch deshalb, weil ausgerechnet der untersetzungslose RAV4 einen übermäßig langen ersten Gang hat.

Trotzdem erreicht der RAV4 eine stolze Wiederkaufquote. 78 Prozent der Fragebogen-Teilnehmer haben einen erneuten RAV4-Kauf bereits ins Auge gefaßt. Dazu kommen einige, die sich ein Fahrzeug zwischen RAV4 und LandCruiser wünschen. Wer der Marke Toyota untreu werden will, sucht sich meist beim Nissan-Händler einen X-Trail aus. Und hofft dabei auf die gleiche japanische Zuverlässigkeit.

Schwächen und Kosten

Schwachstellen: Die vorderen Bremsscheiben halten immerhin rund 80.000 Kilometer. Ganz selten gibt es Probleme mit dem Getriebe. Es beginnt mit einem kratzenden zweiten Gang bei Kälte (3% der Leser) bei ganz frühen RAV4. Das Automatikgetriebe gibt ebenfalls erst nach hoher Laufleistung auf. Bei RAV4, die auch im Gelände eingesetzt wurden, muß man sehr vorsichtig sein. Das Fahrwerk ist filigran und hält dies auf Dauer nicht aus (6,5% der Leserfahrzeuge). Vor allem die Hinterachsquerlenker verbiegen.

Ausfälle bei der Elektronik gibt es so gut wie nie. Die Zuverlässigkeit des RAV4 ist vorbildlich. Weniger als 2% hatten Startprobleme (überalterte Batterien ausgenommen). Wenn, dann lag es an der Wegfahrsperre oder (noch seltener) am Anlasser. Pannen auf freier Strecke sind ebenso selten. Selbst mit Getriebeschaden fährt ein RAV4 nach Hause.

Reparaturkosten: Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines RAV4 Viertürer mit Schaltgetriebe, Bj. 1999. Alle Preise bewegen sich im üblichen Rahmen. Für einen Benziner ist der Motor sehr teuer, er hält aber zum Glück so gut wie ewig.

Modellgeschichte, Technik, Fazit

Modellgeschichte: 1994 Modelleinführung des zweitürigen RAV4 mit kurzem Radstand, 2,0-Liter-Vierzylinder-Benzinmotor, 129 PS; wahlweise Schaltgetriebe oder Automatik; LxBxH 3,72x1,70x1,66m 1995 Einführung des viertürigen RAV4 mit langem Radstand; 4,15m Außenlänge 1996 Nun 128 statt 129 PS; Schadstoffarm Euro2 1997 Facelift mit neuen Stoßfängern, Klarglasscheinwerfern, geänderten Heckleuchten; Schadstoffarm D3 1998 Offene Version auf Basis des Zweitürers mit kurzem Radstand 2000 Ablösung durch RAV4 II (intern A2)

Technik: Allradantrieb permanent über manuell sperrbares Zentraldifferential (Schaltversion; v:h 50:50) oder permanent über zentrale Lamellenkupplung (Automatik; v:h 100:0 bis 50:50); keine Geländereduktion; keine Traktionshilfen Aufbauweise selbsttragende Stahlblech-Karosserie Verbrauch 10,5 Liter Superbenzin pro 100 km (Tankinhalt 58 Liter) Höchstgeschwindigkeit 179 km/h (Werksangabe 170 km/h)

Urteil von alles allrad-Redakteur Martin Braun: Das preisgünstig zu unterhaltende Langzeitauto mit Allradantrieb? Der Gebrauchtwagen ohne Risiko? Hier ist er – einen älteren RAV4 kann man praktisch per Telefon kaufen, notfalls ohne Probefahrt. Einziger Nachteil: Weil sich die Qualität herumgesprochen hat, ist der RAV4 nicht billig.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Hier einige Schwachstellen des RAV4 I, die auch für den Laien gut zu prüfen sind: Bei der Probefahrt sollte das Schaltgetriebe nur ein ganz leises und dezentes Singen hören lassen. Ein Mehr an Geräusch ist auch ein Mehr an Defekt. Das Automatikgetriebe schaltet von Haus aus etwas ruppig. Es muß jedoch unverzüglich schalten, keinesfalls verzögert.

Obwohl Rost auch bei den ältesten RAV4 praktisch nicht vorkommt, die Auspuffanlage anscheinend das ewige Leben hat und alle Aggregate meist öldicht sind, lohnt sich ein Blick unter den RAV4. Da das Fahrwerk sehr empfindlich auf Belastungen durch Geländeeinsatz reagiert, sollte man die Unterseite nach Kampfspuren absuchen.

Ein verbeulter Auspuff, Längsschrammen am Vorderachsträger oder gar Schürfwunden an den besonders gefährdeten, weil recht labilen Hinterradquerlenkern sollten mißtrauisch machen. Nur Könner schaffen es, einen RAV4 im Gelände ohne Schaden zu bewegen.

Autor: Martin Braun

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