WRC

Die Rallye-Boliden der WRC-Saison von 2018

Toyota siegt bei Rallye Deutschland

Titelkampf wieder völlig offen

Ott Tänak zieht nach Siegen mit Tabellenführer Thierry Neuville und Weltmeister Sébastien Ogier gleich. ABMS-Fahrer Fabian Kreim und Marijan Griebel stark.
Mit dem dritten Saisonsieg macht Ott Tänak (30) aus dem Duell um den WM-Titel einen Dreikampf. Der Toyota-Pilot hat jetzt nur noch 36 Punkte Rückstand auf Tabellenführer Thierry Neuville (30, Hyundai), der mit 39,2 Sekunden Rückstand Zweiter wurde. Auf Titelverteidiger Sébastien Ogier (34, Ford), am Wochenende nur Vierter, fehlen Tänak sogar nur noch 13 Zähler. „Trotzdem denke ich noch nicht an die Weltmeisterschaft“, behauptete Tänak. „Ich denke nur von Rallye zu Rallye und will noch so viele Siege wie möglich feiern.“ Drei davon hat er jetzt auf dem Konto, genauso viele wie Neuville und Ogier.
Der Belgier und der Franzose hatten bei der Rallye Deutschland Glück, beide erbten ihre Schlussränge auch durch Fehler von Konkurrenten. Neuville war in die Sonntagsetappe nur als Vierter gegangen, während der gesamten Rallye unzufrieden mit dem Fahrverhalten seines Hyundai. Ogier war am Samstagabend sogar nur Siebter, zurückgefallen vom zwischenzeitlichen zweiten Rang durch einen Reifenschaden.

Nach dem Erfolg wieder im Titelkampf drin: Ott Tänak

Ein Unfall von Dani Sordo (35, Hyundai), bis dahin Zweiter, und ein Getriebeschaden am Toyota von Jari-Matti Latvala (33), bis dahin Dritter, spülten Neuville und Ogier jeweils zwei Plätze nach vorne. Nur Andreas Mikkelsen (29, Hyundai) überholte Ogier noch aus eigener Kraft. „Das war Schadensbegrenzung, mehr nicht. Es ist frustrierend, dass wir dem Tempo von Tänak nicht folgen konnten“, ärgerte sich der Franzose, der am 23. September in Spielberg/Österreich im Mercedes sein erstes DTM-Rennen bestreitet.
Bei seiner WM-Premiere in einem World Rally Car (WRC) holte Marijan Griebel (29) das Optimum aus dem zwei Jahre alten Citroën DS3 heraus. Vor ihm lagen am Ende ausschließlich Werksfahrer mit unter anderem 60 PS mehr unter der Haube. Mit Rang acht wurde Griebel außerdem bester Deutscher. „Die Rallye ist perfekt gelaufen, mehr war nicht drin“, freute sich der hauptberufliche Polizist.
Pech hatte Fabian Kreim (25) aus dem Team von Skoda Deutschland. Der von AUTOBILD MOTORSPORT unterstützte Odenwälder wäre mindestens aufs Podium in der Kategorie WRC2 gefahren – hätte er nicht schon am Freitagmorgen über eine Minute durch einen Reifenschaden am Fabia R5 (rund 285 PS, Allrad) verloren. Mit einer starken Aufholjagd kämpften sich Kreim und Beifahrer Frank Christian (33) bis ins Ziel wieder auf Rang vier in der Kategorie (Gesamtrang zwölf) nach vorne. Auf WRC2-Sieger Jan Kopecký (35) aus dem tschechischen Skoda-Werksteam fehlten den beiden Deutschen am Ende nur 50,9 Sekunden.

Immerhin: Marijan Griebel holte das Optimum raus

„Ich mag gar nicht darüber nachdenken, was ohne den Reifenschaden möglich gewesen wäre. Immerhin war die Rallye Deutschland die perfekte Vorbereitung auf die Rallye Barum“, bilanzierte Kreim mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Schon am kommenden Wochenende startet er beim Europameisterschaftslauf in der Tschechischen Republik, dort führt Kreim in der U28-Wertung. Roman Schwedt (19) aus dem von AUTOBILD MOTORSPORT unterstützten Team von Peugeot Deutschland belegte Gesamtrang 21.
Für Aufregung sorgte ein Vorfall auf der siebten Wertungsprüfung. Das Fahrzeug eines privaten Teilnehmers kam von der Strecke und rutschte auf eine Zuschauergruppe zu. Alle konnten sich mit Sprüngen in Sicherheit bringen und wurden nicht vom Auto erfasst. Vier Personen wurden allerdings im Durcheinander leicht verletzt.
Ergebnis Rallye Deutschland
1. Ott Tänak/Martin Järveoja (Toyota Yaris WRC) 3:03.36,9 Stunden
2. Thierry Neuville/Nicolas Gilsoul (Hyundai i20 WRC) + 39,2 Sekunden
3. Esapekka Lappi/Janne Ferm (Toyota Yaris WRC) + 1.00,9 Minuten
4. Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (Ford Fiesta WRC) + 1.34,5 Minuten
5. Teemu Suninen/Mikko Markkula (Ford Fiesta WRC) + 2.02,9 Minuten
6. Andreas Mikkelsen/Anders Jæger (Hyundai i20 Coupe WRC) + 2.13,8 Minuten
Meisterschaftsstand nach neun von 13 Rallyes:
1. Thierry Neuville (Belgien, Hyundai), 172 Punkte
2. Sébastien Ogier (Frankreich, Ford), 149 Punkte
3. Ott Tänak (Estland, Toyota), 136 Punkte
4. Esapekka Lappi (Finnland, Toyota), 88 Punkte
5. Andreas Mikkelsen (Norwegen, Hyundai), 65 Punkte
6. Dani Sordo (Spanien, Hyundai), 60 Punkte

Autor: Christian Schön

Fotos: Picture-Alliance

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