Toyota Yaris (1999–2005)

Toyota Yaris (1999–2005)

— 07.10.2005

Kein Grund, rot zu sehen

Wer glaubt, ein Toyota ginge nicht kaputt, irrt gewaltig. Noch allerdings hält sich wie beim Yaris alles im Rahmen.

Motor und Getriebe

Toyota? Nicht aufregend, aber zuverlässig. Allerdings: Mit dem Alter kommen auch bei einem Toyota die Probleme. Denn außer typischen Fahrer-Fehlern wie Berührungen mit harten Gegenständen kann auch der kleinste Toyota als Gebrauchtwagen eine große Bandbreite möglicher Fehlerquellen vorweisen.

Beginnen wir mit der teuersten, dem Getriebe: Schäden daran treten vor allem bei den Baujahren 1999 und 2000 auf, und zwar gleichermaßen am Schaltgetriebe, dessen automatisierter Ausführung Freetronic und der Viergang-Wandlerautomatik des 1,3-Liters. Auch von den 19 Yaris, die im AUTO BILD-Kummerkasten verzeichnet sind, leiden zwei unter Getriebeschäden. Bei beiden ist die Kraftübertragung schlicht blockiert, so, als seien zwei Gänge gleichzeitig eingelegt.

Doppelt so häufig, nämlich viermal, haben wir Motorschäden notiert. Zum einen zunächst noch relativ harmlose Geräusche aus dem komplizierten Ventiltrieb, die sich durchaus zum GAU entwickeln können, zum anderen sind sogar deftige Kolbenfresser bekanntgeworden. Ursache ist meist ein defekter Luftmassenmesser, der falsche Werte an die Einspritzanlage übermittelt. Die spritzt zuviel Sprit ein. Folge: Der Ölfilm wird aus den Zylindern gewaschen.

Auch hiervon sind besonders die frühen Baujahre betroffen, die Werkstätten wissen Abhilfe. Erste Vorsichtsmaßnahme: Wer meint, sein Yaris brauche zuviel Benzin, sollte den CO-Gehalt vor Kat messen lassen. Mechanisch lassen sich die Motoren sonst nichts zuschulden kommen, dank kettengetriebener Nockenwellen entfällt auch der anfällige Zahnriemen samt teurer Wechselintervalle. So etwas freut den Vielfahrer, allerdings stört ihn die nur gering ausgeprägte Durchzugskraft der Benziner.

Karosserie und Technik

Etwas besser geht der seit 2002 lieferbare Diesel mit dem Yaris um, leider erfüllt er bis heute nur Euro 3 und besitzt immer noch keinen Rußfilter. Dafür zeigt er sich zuverlässiger als die Benziner, auch der ADAC meldet als einzige Pannenursache abgerutschte Ladeluftschläuche des Turboladers.

Undichtigkeiten im Kraftstoffsystem wie bei europäischen Common-Rail-Dieseln? Keine Spur. Dem Auto an sich nicht anzukreiden: Marder haben den Yaris zum Fressen gern. Und knabbern schon mal seine Spritleitungen an. Außerdem – natürlich nur an Benzinern – die Zündkabel, was zu Startproblemen und feuchten Zündkerzen führt. Wie gesagt, das Auto kann nichts dafür. Auch bleiben wir skeptisch, wenn wir von Spritmangel wegen falsch anzeigender Tankuhren hören – was Leute halt so erzählen, wenn sie ohne Sprit auf der Autobahn liegenbleiben ...

Keine zwei Meinungen dagegen beim Fahrwerk: straff und stabil. Anders als bei anderen Japanern. Auch die Achsgelenke halten dauerhaft. Allerdings zählt sensibles Ansprechen der Federung nicht zu den Stärken des kleinen Japaners. Nicht nur die Insassen werden durchgeschüttelt, auch die Inneneinrichtung. Hörbar, denn die Plastiklandschaft rund um den ablesefeindlichen Digitaltacho neigt zum Klappern, ebenso die verschiebbare Rückbank. Mit dem Alter prägt sich diese Tendenz aus.

Klarer Fall: In puncto Verarbeitung hängt Toyota manch kleinen Europäern deutlich hinterher. Und in Punkto Pannen? Hier sind laut ADAC-Pannenstatistik Audi A2 und Mercedes A-Klasse besser. Was spricht für den Yaris? Bei den ersten Baujahren vor allem der Preis. Jüngere und teure Fahrzeuge werden es ab Herbst schwer haben, denn Toyota zeigt auf der IAA den Nachfolger. Und das drückt auf den Preis.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte: 4/99 Modelleinführung des drei- und fünftürigen Yaris als Nachfolger des Starlet. Einliter-Motor mit 68 PS; ABS, Fahrer- und Beifahrerairbag serienmäßig 11/99 zusätzlicher 1,3-Liter-Benziner (86 PS), auch mit Automatik. Sidebags serienmäßig; Einführung Yaris Verso: fünftüriger Micro-Van, nur mit 1,3-Liter-Motor 3/01 1,5-Liter mit 106 PS für Yaris und Yaris Verso 3/02 1,4-l-Common-Rail-Diesel für beide Baureihen 3/03 leichtes Facelift, Benziner leisten nun 65, 87 und 105 PS

Schwachstellen: Flugrost zeigt der Yaris an zahlreichen Anbauteilen unterm Fahrzeug, so an Achsen, Antriebswellen und Motorträger. Auspuffanlage rostet relativ schnell, wird an ihren Verbindungsstellen undicht, und die Sammelrohre des 1,3-Liters neigen zu Haarrissen. Getriebe machten vor allem in den ersten Baujahren 1999 und 2000 öfter Ärger, betroffen sind Schalt- und Automatikausführung gleichermaßen. Weiter gilt die Kupplung der 99er Modelle als zu schwach dimensioniert. Verarbeitungsqualität fällt gegenüber anderen Toyota-Produkten ab, die Innenausstattung kann schon mal klappern, und einige Leser bemängelten Lackfehler und undichte Seitenscheiben.

Reparaturkosten: Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Toyota Yaris 1.0, 50 kW/ 68 PS, Baujahr 2000. Anlasser und Lichtmaschine sind so teuer wie bei Luxuslimousinen. Kleiner Trost: Sie gehen so gut wie nie kaputt. Der teure Auspuff aber schon.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit von Peter Winkler, Gutachter TÜV SÜD: "Der AUTO BILD TÜV-Report 2005 deutete es bereits an: Der Toyota Yaris ist der Mängelzwerg unter den Kleinwagen. Was aber nicht bedeutet, daß er völlig fehlerfrei ist. Die Handbremse zieht manchmal zu schlapp oder ungleichmäßig, und die Scheinwerfer fallen bei der zweiten Hauptuntersuchung nach fünf Jahren gelegentlich mit korrodierten Reflektoren auf. Uneingeschränktes Lob jedoch für stabile Radaufhängungen und die standfeste Lenkung."

Modellempfehlung: Toyota Yaris 1.0 linea terra (50 kW/68 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 68 Euro im Jahr/Euro 3 Testverbrauch: 6,3 Liter. Werksangabe: 5,6 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (16/500 Euro SB): 586 Euro. Teilkasko (15/150 Euro SB): 116 Euro. Haftpflicht (13): 544 Euro (Basis: Ontos-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion: 15.000 Kilometer. Kosten: etwa 100 bis 350 Euro Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 36 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 500 Euro Verlust

Autor: Hendrik Dieckmann

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