100.000 Kilometer im Toyota Yaris Hybrid

Toyota Yaris 1.5 Hybrid Toyota Yaris 1.5 Hybrid Toyota Yaris 1.5 Hybrid

Toyota Yaris Hybrid: 100.000-Kilometer-Dauertest

— 26.02.2016

Rüstig, aber rostig

Längst sind Toyotas Hybridmodelle ein Synonym für Zuverlässigkeit. Doch die 100.000 Dauertest-Kilometer gingen nicht völlig spurlos an Deutschlands einzigem Kleinwagen mit Hybridantrieb vorüber.

Was soll denn da schon passieren? Zum fünften Mal tritt ein Hybridmodell von Toyota zum AUTO BILD-Dauertest an. Niemals gab es zuvor eine technische Störung, alle waren 100-prozentig zuverlässig. Prius I, Prius II und Lexus CT 200h (Prius-Technik) beendeten den Dauertest mit der Traumnote 1, der Lexus GS 450h mit einer 2+. Die Erwartungen an den 20.450 Euro teuren Yaris 1.5 Hybrid Life waren entsprechend hoch. Hinsichtlich der Zuverlässigkeit macht der Yaris auch keine Ausnahme: Die 100.000 Kilometer absolviert der Kleine pannenfrei, alles funktioniert in der gewohnten Toyota-Perfektion. Nur einmal muss er wegen eines sich gelösten Warnblinkschalters außerplanmäßig in die Werkstatt.

Gebrauchtwagensuche: Toyota Yaris

In der Stadt ist der Yaris stark, die Autobahn ist nicht sein Metier

Stadtpragmatiker: In der City spielt der Yaris Hybrid seine Talente aus. Dort ist er wendig, leise und sehr sparsam.

Seine Stärken kann der einzige Hybrid-Kleinwagen Deutschlands vor allem im Stadtverkehr ausspielen. Dort arbeiten der 61 PS leistende E-Motor und der 75 PS starke 1,5-Liter-Vierzylinder-Saugbenziner harmonisch zusammen. "Von Südost-London nach Wembley gefahren – mitten im Feierabendverkehr. Optimal mit dem Yaris! Noch nie so lang im Stop-and-go-Verkehr gesteckt, ohne genervt zu sein", notiert Redakteur Stefan Novitski. Kurze Etappen mit niedrigem Tempo schafft der Yaris rein elektrisch, der Antrieb ist flüsterleise, Schalten und Kuppeln entfällt. Da der Verbrenner in der Stadt sehr selten hoch drehen muss und der E-Motor häufig unterstützt, liegt der City-Verbrauch meist deutlich unter fünf Liter. Das positive Bild wandelt sich jedoch, sobald der Yaris Hybrid auf der Beschleunigungsspur zur Autobahn Fahrt aufnehmen muss. Gasstöße quittiert der Benziner mit lautem Gekreische, zudem fällt der Vortrieb für die Systemleistung von 100 PS schwach aus. Wer den Yaris dauerhaft mit 150 bis 160 km/h fährt, muss neben der nervigen Geräuschkulisse mit einem Verbrauch von bis zu zehn Litern leben. Bei einem Tankinhalt von nur 36 Litern blinkt dann nach circa 300 Kilometern die Reservelampe. Dauertest-Profi Manfred Klangwald bringt es schon früh auf den Punkt: "Für die Stadt und Kurzstreckeneinsätze ideal", schreibt er. "Der anstrengende und wenig gedämmte Motorsound diszipliniert. Das üble Geplärre bei durchgetretenem Gaspedal tut man sich nicht gern an. Also beschleunigt man zurückhaltend und nervenschonend, dann klappt es auch mit dem Verbrauch." Im Mittel über 100.000 km sind es 6,4 Liter, auf der AUTO BILD-Verbrauchsstrecke 5,4.
Im Überblick: Alles Infos zum Toyota Yaris
Mehr zum Thema: Die Dauertest-Rangliste mit allen Testergebnissen

Kritikpunkte: schwache Scheinwerfer und geringer Fahrkomfort

Komfort-Schwächen: Die Sitzflächen sind zu kurz, Federung und Dämpfung beinhart. Einzig Raumangebot und Ausstattung bringen Pluspunkte.

Zwei weitere Dinge ziehen sich wie ein roter Faden durch das Yaris-Fahrtenbuch: die schwachen Scheinwerfer und der geringe Fahrkomfort. Besonders auf dunklen Landstraßen wird deutlich, wie funzelig die Lichtkegel sind und wie schlecht die Scheinwerfer die Fahrbahn ausleuchten. Für einen modernen Kleinwagen kommt auch der Komfort zu kurz. Die Heizung erzeugt im Winter nur ein laues Lüftchen, die Sitzflächen sind zu kurz, Federung und Dämpfung beinhart. Einzig Raumangebot und Ausstattung bringen beim Komfort Pluspunkte. Beim Facelift im August 2014 hat Toyota jedoch wesentliche Kritikpunkte am Yaris ausgemerzt. Die Karosserie und die hintere Torsionslenkerachse wurden versteift, die Federn vorn und die Stoßdämpfer ringsum weicher abgestimmt. Das Ergebnis ist ein deutlich verbesserter Federungskomfort, das noch im Dauertestwagen störende harte und hölzerne Fahrgefühl ist weg. Neue Scheinwerfer sorgen für mehr Licht, der plärrig klingende Vierzylinder ist nun zwar besser gedämmt, aber unter Last immer noch nicht leise. Zu den Modellpflege-Maßnahmen zählen weiterhin eine etwas präzisere Lenkung und hochwertigere Innenraummaterialien mit weich aufgeschäumten Oberflächen. Auch das langsam rechnende Navigationssystem hat Toyota durch ein schnelleres und zuverlässigeres ersetzt.

Check nach Zerlegung: Rost blüht an verschiedenen Stellen

Positiver Motor-Check: Alle Antriebskomponenten wirken frisch und bereit für weitere 200.000 Kilometer.

Bei der Zerlegung nach Testende sehen wir viel Erfreuliches: Weder am Motor noch am Getriebe oder an der Hybrideinheit ließ sich mess- oder sichtbar Verschleiß feststellen. Die Antriebskomponenten wirkten dermaßen frisch, dass wir ihnen weitere 200.000 km zutrauen. Nicht jedoch der Karosserie, die an einigen, von außen nicht sichtbaren Stellen ersten Korrosionsansatz zeigt. Die Lackschicht an den verschraubten Crashelementen vor den Längsträgern vorn ist so dünn, dass sich dort Oberflächenrost gebildet hat. Auch an Blechfalzen unter den Gummidichtungen an den hinteren Türen und am Kofferraumdeckel finden wir erste Rostpickel. Und an einem Steckergehäuse der Inverter-/Konvertereinheit (regelt die Abläufe zwischen Verbrenner, E-Motor und Batterie) ist äußerlich Gammel zu sehen. Am heftigsten zugeschlagen hat der Rost am Ankerblech vorn links: Das Blech, das die Bremsscheibe vor Schmutz und Nässe schützt, ist bereits komplett vom Rost zerfressen und wäre bei der ersten Hauptuntersuchung sicherlich beanstandet worden. Kurios: Auf der rechten Seite ist zwar auch erster Gammelansatz zu sehen, aber der Zustand ist weitaus besser als links.

Resümee: Die Zuverlässigkeit ist ohne Tadel

Um es klar zu sagen: Sämtliche Korrosionsansätze sind für den Kunden nicht sichtbar und außer dem linken Ankerblech auch technisch nicht relevant. Abgesehen vom ausgeclipsten Warnblinkschalter gab es keine einzige Störung auf 100.000 km, die Zuverlässigkeit ist völlig ohne Tadel. Dennoch sind die Roststellen für ein zwei Jahre altes Auto ungewöhnlich und insbesondere für ein Qualitätsauto wie einen Toyota enttäuschend. So bleibt ein gespaltenes Bild: In der Stadt kann der Yaris Hybrid als stressfreies, leises, sparsames und kinderleicht bedienbares Auto voll überzeugen. Wer häufig Autobahn fährt, ist mit dem 90 PS starken Yaris Diesel (1.4 D-4D) mit Sechsgang-Schaltgetriebe erheblich sparsamer, druckvoller und geräuschärmer unterwegs als mit dem nervtötend lauten, bis zu zehn Liter verbrauchenden Hybrid. Fans stören sich weder an der nervigen Geräuschkulisse noch an der systembedingt gummibandartigen Fortbewegung – sie passen einfach ihre Fahrweise an und freuen sich an niedrigen Verbrauchswerten. Am Ende sammelt der Yaris Hybrid drei Fehlerpunkte im Kapitel Zuverlässigkeit (loser Warnblinkschalter), sechs bei der Langzeitqualität (Rost) und vier in der Alltagswertung (Geräusch, Federung). Macht Note 2. Wenn doch nur der Rost nicht wäre!
Wertung: Toyota 1.5 Hybrid
Zuverlässigkeit
Liegenbleiber 0 x 15 0
Motor-/Getriebeschaden 0 x 15 0
Defekte Antriebs-/Funktionsteile 0 x 5 0
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch 1 x 3 3
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt 0 x 5 0
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) 0 x 2 0
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) 0 x 1 0
Langzeitqualität (aus Demontage)
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) 0–5 3
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) 0–5 0
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) 0–5 0
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) 0–5 0
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) 0–5 2
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) 0–5 1
Alltagswertung /Fahren
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch 0–10 4
Gesamtpunkte 13
Note: 2
0 Punkte: 1+; 1–4 Punkte: 1; 5–8 Punkte: 1-; 9–12 Punkte: 2+; 13–16 Punkte: 2; 17–20 Punkte: 2-; 21–24 Punkte: 3+; 25–28 Punkte: 3; 29–32 Punkte: 3-; 33–36 Punkte: 4+; 37–40 Punkte: 4; 41–44 Punkte: 4-; 45–48 Punkte: 5+; 49–52 Punkte: 5; 53–56 Punkte: 5-; ab 57 Punkte: 6.
In der Bildergalerie erfahren Sie, was während des Tests und bei der Demontage des Testwagens nach Erreichen der 100.000 Kilometer außerdem aufgefallen ist.

100.000 Kilometer im Toyota Yaris Hybrid

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Dauertest: Toyota Yaris Hybrid

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt vom Toyota Yaris 1.5 Hybrid Life (Typ XP13) (Dauertest).

Veröffentlicht:

05.02.2016

Preis:

1,00 €

Autor:

Manfred Klangwald

Fazit

Der fünfte Dauertest-Hybrid von Toyota absolvierte die 100.000 km wie jeder andere vorher: perfekt und zuverlässig. Ein Alleskönner ist der Kleine nicht, überzeugen kann er nur in der Stadt. Auf der Autobahn ist er träge und laut. Enttäuschend für Qualitätsprimus Toyota: die kleinen, aber vielen Rostansätze, die sich bei der Zerlegung ergaben.

Autoren: Manfred Klangwald, Lars Busemann

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