Einparkhilfe beim Toyota Prius

Toyotas Einparkhilfe im Test

— 05.05.2006

Wenn das mal gutgeht

Zu schn, um wahr zu sein: Eine Automatik lenkt ganz alleine in die Parklcke. In wirklich jede? Eine Blondine wagt fr AUTO BILD den Selbstversuch.

Nicht nur ein Blondinen-Test

Tief eingegraben hat sich die Schramme in den hinteren Radkasten des Mercedes CLK. Und noch tiefer ins schlechte Gewissen seiner Besitzerin. Nur ungern spricht Julia Groe-Ophoff ber den Tag, an dem ihr Schmuckstck der Garagenwand zu nahe gekommen ist. Ein entschuldigendes Lcheln huscht ber ihre rosageschminkten Lippen. "Ich kann eigentlich total super einparken, nur beim Rckwrtsfahren hapert es", sagt die Diplom-Pdagogin. Jetzt hat sich die 30jhrige Hilfe geholt.

Die Blondine mit Hochschulabschlu soll fr AUTO BILD den elektronischen Einparkassistenten von Toyota ausprobieren. Stellvertretend fr alle mit Parklcken-Panik. Im neuen Prius Sol bieten ihn die Japaner im Paket mit einem umfangreich ausgestatteten DVD-Navigationssystem an. Preis: 2950 Euro. In Japan wird das Zubehr bereits seit 2003 angeboten, 80 Prozent aller aktuellen Prius-Kunden entscheiden sich dafr.

Rckfahrkamera filmt das Geschehen

Bevor es losgeht, braucht der Computer-Assistent aber selbst eine Assistentin: Eine freundliche Pressedame von Toyota Deutschland erklrt eine halbe Stunde lang das System, das den Hybrid-Wagen ohne jegliches Zutun des Fahrers in alle mglichen Parklcken manvrieren soll. Dann ist Julia dran. Auf dem vollen Parkplatz der Klner Ikea-Filiale will sie ihr Glck versuchen. Zwei Frauen mit hohen Abstzen stemmen sich gegen ihre berladenen Einkaufswagen, ein Mann verlt mit zwei Hot Dogs die schwedische Wrstchenbude (mit angeschlossener Mbelabteilung).

Julia kippt den Joystick fr die Automatik auf "R". Im selben Moment filmt die Rckfahrkamera eine Reihe quer geparkter Autos. Live und in Farbe erscheinen sie auf dem Bildschirm. Rechts daneben ein grnes Viereck, in der Monitormitte sechs Richtungspfeile. Und in Julias Gesicht viele Fragezeichen. Kann das klappen? Die Dsseldorferin tippt mit spitzen Fingern auf den Pfeilen herum, fummelt so das grne Rechteck in die freie Parklcke. Das dauert. Hinter ihr drngeln andere Parkplatzsuchende, Julia macht das nervs. Genauso wie das stndige Piepen, wenn der Rckwrtsgang eingelegt ist. "Das nervt echt", sagt Julia, sichtlich gestresst. Dann traut sich die Blonde und nimmt den Fu von der Bremse. Langsam rollt das Auto los das Lenkrad dreht sich wie von Geisterhand. Julia, die Fahrerin, wird zum Passagier. "Ein beunruhigendes Gefhl. Man mu loslassen knnen", sagt sie.

Schwchen des Systems in Tiefgaragen

Im Schritt-Tempo kurvt der Wagen rckwrts in Richtung Parklcke. Julias zierlicher Fu ruht alarmiert auf dem Bremspedal, ihr Blick auf dem Bildschirm. Ein spannendes Programm, das da bertragen wird, nervenaufreibend wie ein guter TV-Krimi: Knapp schiebt sich das Prius-Heck am Trblech eines roten Polo vorbei. Ein paar hundert Euro aus der Haushaltskasse stehen auf dem Spiel, denn bei Einparkschden bernimmt Toyota keinen Cent. Per Fubremse steuert Julia das Tempo des Avantgarde- Autos, legt die letzten Zentimeter im Zeitlupentempo zurck. Eine rote Linie am Heck kommt ins Bild. Jetzt blo bremsen. Dann Motor aus und raus zur Kontrolle. Die schlanke Blondine zwngt sich durch den engen Trspalt. Verdammt dicht steht der Prius am Polo. Denn das System steuert stur dahin, wo der Fahrer das grne Viereck auf dem Touchscreen zuvor plaziert hat. Hindernisse wie Fugnger oder Autos registriert Toyotas Parkassistent nicht.

Nchster Testort: die dunkle Tiefgarage der Klner Uniklinik. Auf dem Schirm flimmern Grautne, die Kamera ist zu lichtschwach. "Man erkennt fast nichts", sagt unsere Testerin und fhrt weg. In einer ruhigen Klner Wohnstrae klappt es dann besser. Nach 90 Sekunden steht der Prius sauber am Bordstein. Julias Fazit: "Das System ist nicht an jedem Ort alltagstauglich. Mal sehen, was da noch kommt." Denn ganz sicher ist Toyotas Park-Assistent technisch erst der Anfang. Vom Ende aller Einpark-ngste.

Die Technik des Parkassistenten

Der Einparkassistent arbeitet mit einer Rckfahrkamera ohne weitere, zustzliche Sensoren. Das System ist vernetzt mit der Bordelektronik Navi-System, ESP und der elektrischen Servolenkung. Aus dem von der Kamera gelieferten Bild ermittelt der Rechner, ob die vom Fahrer auf einem Touchscreen-Bildschirm vorgewhlte Parklcke erreichbar ist. Falls ja, fhrt der Prius selbstndig exakt dorthin, ein Elektromotor bernimmt die Lenkarbeit.

Das System funktioniert nur im Rckwrtsgang und nur im Schritttempo (drei bis fnf km/h) das Tempo bestimmt der Fahrer mit dem Fu auf der schleifenden Bremse. Es arbeitet nicht bergauf, Schlu ist auch am Bordstein. Und es erkennt nicht, ob sich auf dem Weg in die angepeilte Parklcke ein Hindernis befindet oder gerade ein Kind entlangluft. Darauf mu der Fahrer weiterhin achten.

Was machen die anderen?

Toyota liegt vorn aber die anderen Hersteller schlafen nicht. BMW setzt auf ein mit VDO-Siemens entwickeltes System. Das arbeitet mit den Ultraschall-Sensoren der Einparkhilfe (PDC), erkennt im Vorbeifahren, ob die Parklcke gro genug ist und steuert diese dann an. Das System funktioniert in einem X5-Prototyp bestens und ist wohl 2008 serienreif. Citron hat bereits einen C3-Techniktrger mit Einpark-Automatik vorgestellt, ber einen Serieneinsatz ist noch nicht entschieden. Das System arbeitet so hnlich wie bei BMW, der Fahrer erhlt die Kommandos ber eine Sprachausgabe. Ebenfalls schon im Testeinsatz: der Parklenk-Assistent von VW. Damit der funktioniert, mu die Lcke allerdings 1,40 m lnger sein als das Auto.

Autor: Claudius Maintz

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