Tracktest Audi quattro A1 — 11.09.2007
Das Ur-Vieh
Unvergessen sind die Heldentaten der Röhrls und Co mit dem Ur-quattro von Audi. AUTO BILD MOTORSPORT testete ein Original. Das Auto von Michèle Mouton von der Rallye Portugal 1983.
Ein durchdringendes, schrilles, hässliches Kreischen schlägt vorn unter der Haube Alarm. Die Fünfzylinder-Maschine scheint meinen Fahreranzug zu bügeln. Kevlarhaut, Polster des Sitzes und dünne Trennwand zum Motor sind als "schützende Elemente" nicht der Rede wert. Der kraftvolle Sound aus den XXL-Zylindern martert meine Ohren. Ein Tritt aufs Gaspedal, und der A1 (erster Rallye-quattro der Gruppe-B-Ära) springt geradezu los. Wie ein vorsintflutliches Ur-Tier auf der Jagd. Erster und zweiter Gang fix durch. Gnadenlos werde ich weiter nach vorn katapultiert. Den Spurt – oder besser den Schuss – von null auf 100 vollführt der weiß-rote Bolide in weniger als fünf Sekunden.
Kein Umluftsystem - das heißt Kampf mit den Turbolöchern
Nach ungefähr zehn Sekunden ist die fünfte Welle eingelegt und die Drehzahlnadel am Anschlag. Die Top-Geschwindigkeit von "nur" 185 km/h ist erreicht. Das Besondere kommt beim Lastwechsel. Gas – Bremse – Gas – Bremse, Alltag auf den Rallye-Wertungsprüfungen früher wie heute. Da es damals noch keine Umluftsysteme für konstanten Ladedruck gab, hatten Mouton, Röhrl und Co. mit jeder Menge Turbolöchern zu kämpfen. Wie ich jetzt auch. Zwischen den Gangwechseln dauert es einige Sekunden, bis der Ladedruck und damit der Schub wieder da ist. In Kurven reagiert der Audi unterschiedlich Gehst du sachte mit dem Gaspedal um, untersteuert er heftig. Trittst du zu gnadenlos rechts drauf, kommt aber das Heck quer - so wie wir es beim Bestaunen der Profis einst so liebten. Die Servolenkung arbeitet leicht und präzise.Die Bremsen sind okay, wenn auch längst nicht so zupackend wie heutige Sechs-Kolben-Anlagen in einem World Rallye Car. Dann: Der Audi steht. Schalter auf "off". Das Triebwerk verstummt. Jetzt läuft nur noch der Kühlpropeller. Und das Herz, das rast natürlich noch. Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Testfahrer Guido Naumann: Es ist schon fast Irrsinn, mit welchen Mitteln vor über 20 Jahren die Röhrls, Mikkolas und Moutons um Bestzeiten kämpften. Der Ur-quattro A1 war die erste Gruppe-B-Rakete von Audi. Mit viel Leichtbau, stärkerem Motor und mehr Technik. Jedoch ohne starke Bremsen, ohne helfende Elektronik. Und mit nur 340 PS relativ wenig Leistung. Das fordert noch mehr Respekt vor den Heldentaten und den WM-Titeln, die man 1983, 1984 und 1985 mit diesem Modell einfuhr.
| Messwerte | Audi Ur-quattro A1 |
|---|---|
| Beschleunigung 0 – 100 km/h | 4,5 Sekunden |
| 0 – 200 km/h | – |
| Höchstgeschwindigkeit | 185 km/h |
| Bremsweg aus 100 km/h | 38,7 Meter |
| Benzinverbrauch | ca. 43 l/100 km (Rennbetrieb) |
| Grundpreis | 145.718 Euro (1983) |
| Fahrzeugdaten | |
| Motor Bauart/Zyl./Einbaulage | R5, vorn, längs |
| Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/ 1 |
| Nockenwellenantrieb | Kette |
| Hubraum | 2144 ccm |
| Max. Leistung bei Drehzahl | 340 PS bei 6600 U/min |
| Max. Drehmoment bei Drehzahl | 414 Nm bei 3600 U/min |
| Antrieb | Allrad |
| Länge/ Breite/ Höhe | 4404/ 1733/ 1344 |
| Leergewicht | 1130 kg |
| Reifentyp | Michelin |
| Felgengröße vorn/ hinten | 10x15 Zoll / 10x15 Zoll |
| Tankinhalt / Kraftstoffsorte | 120 l / Super Plus |

































