Audi S3 und A3 24h im Tracktest

Track-Test: Audi S3 gegen A3 24h Track-Test: Audi S3 gegen A3 24h

Tracktest Audi S3 gegen A3 24h

— 01.08.2007

Familien-Zwist

Sie gleichen sich fast aufs Haar und sind doch so unterschiedlich. Hier der alltagstaugliche Audi S3, dort seine Rennversion, der A3 24h. Wir haben die beiden auf dem Nürburgring gegeneinander antreten lassen.

Die guten Ergebnisse bei Testläufen und Qualifying hatten es vermuten lassen, das Rennen bestätigte die Vorschusslorbeeren. Der vom Team Jörg van Ommen eingesetzte Pirelli Audi A3 24h mit AUTO BILD-Cheftestfahrer Dierk Möller-Sonntag belegte beim 24-Stunden-Rennen vom Nürburgring  (7. bis 10. Juni) zwischenzeitlich den 14. Gesamtrang. Und das bei 228 Teilnehmern. Doch ein Unfall und Probleme mit der Elektronik bereiteten der Hoffnung auf den Klassensieg ein jähes Ende. Am Ende kam "nur" der 82. Gesamtplatz heraus. Rückblende. Der Nürburgring zwei Wochen vor der 24-Stunden-Hatz. AUTO BILD SPORTSCARS bittet den A3 24h zum Duell mit seinem zivilen Organspender, dem Audi S3 . Obwohl gleicher Motor und gleiche Karosserie, sind die Unterschiede größer als gedacht. Hier das sportlich-luxuriöse Topmodell der A3-Baureihe mit 265 PS und permanentem Allradantrieb, dort der aufs minimale Gewicht gestrippte und auf 310 PS aufgeblasene A3 24h. Der – man lese und staune – "nur" einen Frontantrieb besitzt und deshalb auf das S in seinem Namen verzichten muss. Grund: Anstatt sich mit dem gewichtigen quattro-Antrieb zusätzliche Pfunde aufzuhalsen, setzt man auf der Nordschleife lieber auf den leichteren Frontantrieb. Für ausreichende Traktion kümmert sich hier eine mechanische Differenzialsperre. Überhaupt spielte die Gewichtsreduktion bei der Entwicklung des 24-Stunden-Renners eine der wichtigsten Rollen.

Komfort verkommt zur Nebensache

Im A3 24h blickt man auf nacktes, in giftigem Grün lackiertes Blech.

Dort, wo man beim S3 auf eine perfekt verarbeitete Mittelkonsole inklusive Wohlstands-Entertainment in Form von Klimaautomatik und Audio-System schaut, blickt man im A3 24h auf nacktes, in giftigem Grün lackiertes Blech. Überhaupt wirkt der Innenraum alles andere als einladend. Ein scheinbar wild zusammengeschweißtes Geflecht aus Stahlrohren bildet einen massiven Schutzkäfig, den es erst mal zu entern gilt. Ist der jogamäßige Bewegungsablauf überstanden, wartet als Belohnung ein Schalensitz, der selbst schlank gebaute Körper wie eine Schraubzwinge gefangen hält. Doch all das verkommt zur Nebensache, wenn der 2,0-Liter-Turbovierzylinder mit 310 PS heiser röhrend zum Leben erwacht. Hier will einer spielen und der Pilot darf dabei sein. Also, DSG-Getriebe auf D und raus aus der Boxengasse.

Ein Hoch auf die Turboaufladung

Die Differenzialsperre lässt den A3 wie auf Schienen aus der Kurve schießen. Durchdrehende Räder? Fehlanzeige. Grip? Ohne Ende.

Als Erstes müssen die Slicks langsam auf Temperatur gebracht werden. Schon jetzt erinnert die Geräuschkulisse in dem A3 24h an eine leere Cola-Dose, mit der gerade Fußball gespielt wird. Der Motor faucht, der Auspuff bollert und in den Radkästen knallen kleine Kieselsteine. Als die Reifen auf Temperatur sind, geht es mit Vollgas die Start-Ziel-Gerade hinunter. Per Schaltwippen wird ein Gang nach dem anderen reingeflippert – hier kommt fast schon Formel-1-Feeling auf! Was auch am Motor liegt. Das fast durchgängig anliegende maximale Drehmoment von 340 Newtonmetern schiebt einen drehzahlunabhängig nach vorn – ein Hoch auf die Turboaufladung. Dann das Ende der Geraden, der erste richtige Bremsversuch. Audi hat mit Blick auf die 24-Stunden-Strapaze mitgedacht und die vordere Bremsanlage des Sportwagens R8 verbaut. Das Ergebnis: Noch bevor der Einlenkpunkt überhaupt in der Nähe ist, bleibt der A3 24h fast stehen. Also wieder rauf aufs Gas, rein in die Kurve. Von Untersteuern keine Spur.

Als der Scheitelpunkt erreicht ist, geht es voll aufs Gas, der Frontantrieb soll ein bisschen provoziert werden. Blitzartig wird einem klar, warum Audi auf den Allradantrieb verzichten konnte. Die Differenzialsperre lässt den A3 wie auf Schienen aus der Kurve schießen. Durchdrehende Räder? Fehlanzeige. Grip? Ohne Ende. Runde für Runde wird man selbstbewusster im Umgang mit dem grün-weißen Renner, bremst später, gibt früher Gas. Vollbremsungen aus hohen Geschwindigkeiten quittiert das Heck mit einem leichten Tänzeln, mehr nicht. Und wenn man doch einmal zu schnell in eine Kurve hineinsticht, ist ein sanftes Untersteuern das Einzige, was man befürchten muss. Dann hat der Spaß ein Ende, der Tank ist leer.

Unbeirrbarer quattro-Antrieb im S3

Schon der S3 sieht sportlich aus, der A3 24h setzt mit seinen noch einen obendrauf.

Jetzt ist der S3 dran. Im Gegensatz zum A3 24h wirkt der von außen betrachtet wie das pure Understatement. Front- oder Heckspoiler sind gefühlte acht Nummern kleiner, erfüllen jedoch ihren Zweck. Bilden sie doch zusammen mit dem Chromgrill im XL-Format und den alufarbenen Außenspiegeln den gewohnten S-Look. Doch gucken können andere, hier wird gefahren. Anders als im A3 24h dröhnt im S3 nach dem Anlassen nichts, der Motor verrichtet seine vier Takte wohlgedämpft. Doch Vorsicht, auch der S3 hat es faustdick hinter den Ohren. Seine vier Zylinder leisten zwar "nur" 265 Turbo-PS, die sind dafür aber umwerfend kultiviert. Und idiotensicher einsetzbar. Der permanente Quattro-Allradantrieb erstickt jeden Schlupfversuch im Ansatz. Besonders auf Nässe ist das ein großer Vorteil. Doch auf der trockenen Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings merkt man dem S3 sein zusätzliches Gewicht sofort an. Dort, wo der A3 24h noch unbeirrt und vor allem neutral ums Eck wischt, untersteuert der S3 deutlich Richtung Kurvenausgang. Selbst provozierte Lastwechsel bringen kein Leben ins Heck, das Spiel mit dem Gaspedal auch nicht. Der Allradantrieb ist hierfür einfach zu neutral ausgelegt. Zugegeben, hier wird auf hohem Niveau gejammert, doch oben wird die Luft halt dünner.

Rennstrecken - nicht jedermanns Sache

Apropos dünner. Die Bremsanlage des S3 ist zwar ordentlich dimensioniert, nach drei Runden am Limit braucht aber nahezu jede Serienbremse eine Pause. Und auch die Straßenreifen verlieren jetzt an Grip. Es wird Zeit, dem S3 den wohlverdienten Feierabend zu gönnen. Eine langsame Runde zum Abkühlen und dann geht es in die Boxengasse. Dort erholt sich der weiße Audi erschöpft und knisternd von den Strapazen. Rennstrecken sind nicht seine Sache, ihm liegen eher Autobahnen und reizvolle Landstraßen. Das mit dem Motorsport überlässt er dann doch lieber seinem Bruder.

Fazit von AUTO BILD SPORSCARS-Redakteur Lars Zühlke

Klar, der Vergleich zwischen einem Renn- und einem Straßenfahrzeug hinkt fast immer. Diesmal verliert der Audi S3 gegen den A3 24h. Aber nur, weil wir die beiden auf der Rennstrecke miteinander verglichen haben. Bei einem Alltagstest wäre der S3 der klare Sieger. Wer will schon jedesmal in sein Auto klettern. Und erst der Kofferraum. Doch Spaß beiseite, es ist schon ziemlich beeindruckend, wie simpel und problemlos sich der A3 24h fahren lässt. 

Technische Daten Audi A3 24h Audi S3
Motor R4, Turbolader R4, Turbolader
Einbaulage vornquer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1984 cm3 1984 cm3
Bohrung x Hub 82,5x92,8 mm 82,5x92,8 mm
Verdichtung 9,8:1 9,8:1
kW (PS) bei 1/min 228 (310)/6000 195 (265)/6000
Literleistung 156 PS/Liter 134 PS/Liter
Nm bei 1/min 340/2500–5500 350/2500–5000
Antriebsart Vorderrad Allrad
Getriebe 6-Gang, DSG 6-Gang manuell
Bremsen vorn 365 mm/innenbel. 345 mm/innenbel.
Bremsen hinten 310 mm/innenbel. 310 mm/innenbel.
Radgröße vorn / hinten 8,5x18 7,5x18
Reifen vorn / hinten 265/45R18 / 245/45R18 225/40 R 18
Reifentyp Pirelli Corsa Slick Continental SportContact 2
Länge/Breite/Höhe 4811/1835/1373 mm 4214/1765/1399 mm
Radstand 1510 mm 1510 mm
Leergewicht 1125 kg 1510 kg
Leistungsgewicht 3,65 kg/PS 5,69 kg/PS
Zuladung k.A. 505 kg
Tankinhalt 100 l 60 l
Höchstgeschwindigkeit ca. 255 km/h 250 km/h
Messwerte Audi A3 24h Audi S3
0– 50 km/h k.A. 2,1 s
0–100 km/h 5,2 s 6,2 s
0–130 km/h 7,6 s 9,0 s
0–160 km/h 10,8 s 13,6 s
0–200 km/h 17,8 s 23,2 s
Viertelmeile
0–402,34m k.A. 14,15 s
Elastizität
60–100 km/h im 4. Gang 3,8 s 4,5 s
80–120 km/h im 5. Gang k.A. 5,9 s
80–120 km/h im 6. Gang k.A. 8,2 s
Bremsweg (Verzögerung)
100–0 km/h kalt 33,0m (–11,7 m/s 2) 36,9m (–10,0 m/s 2)
100–0 km/h warm 32,2m (–11,9 m/s 2) 36,6m (–10,0 m/s 2)
200–0 km/h warm k.A. 150,6m (–10,3 m/s 2)
Testverbrauch
Ø auf 100 km ca. 32,7 l SP (im Rennen) 11,7 l SP
Reichweite ca. 306 km 513 km
Rundenzeit Nürburgring* 1:38,58 min** 1:52,83 min
*Kurzanbindung, **Mit Rennreifen. Slicks verbessern die Rundenzeit signifikant, sind aber nicht alltagstauglich
Preise in Euro (inkl.MwSt.) Audi A3 24h Audi S3
Grundpreis 36.050 Euro
Navigationssystem 3005
Schalensitze 3385
Preis Testwagen keine Angabe 43.975 Euro

 


 

Autor: Lars Zühlke

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