Tracktest Chrysler 300C SRT8

Zakspeed Chrysler 300C SRT 8 Zakspeed Chrysler 300C SRT 8

Tracktest Chrysler 300C SRT8

— 21.10.2008

Deutschland baut den Superstar

Die einen suchen ihn noch, die deutsche Zakspeed-Truppe hat ihn längst gebaut: den mächtigen Chrysler 300C SRT8 aus der italienischen Superstars-Serie. AUTO BILD MOTORSPORT war mit dem Fünfmeter-Geschoss in Hockenheim unterwegs.

Kennen Sie dieses Gefühl? Gerade in ein neues Haus gezogen, und das leere Wohnzimmer wirkt ohne Möbel riesig und verlassen? Daran müssen Sie sich als Pilot in Zakspeeds über fünf Meter langem Chrysler 300C SRT8 Tourenwagen aus der italienischen Superstars-Serie dauerhaft gewöhnen! Um mich herum sehe ich viel dunkelblau lackiertes, nacktes Blech. Den weiten Innenraum durchziehen die blauen Streben des Überrollkäfigs. Viel Platz für eine Person – in dieser Renn-Limousine. Aber einmal aufs Gas getreten ist die Einsamkeit schnell verflogen. Das Donnern des riesigen V8-Motors füllt das Cockpit mit Leben. Dumpf prasseln kleine Steinchen in den Radhäusern, von den klebrigen Slick-Reifen  aufgesammelt und hochgeschleudert.

Die Zakspeed-Truppe hat den Chrysler um 600 Kilo abgespeckt

Einlenken ins Motodrom von Hockenheim, dem berühmten Kurvengeschlängel. Der 1400 Kilo schwere Tourenwagen folgt schnurstracks dem Lenkbefehl. Kein teigiges Gefühl im Steuer, kein Aufschaukeln der Karosserie. Obwohl dieser stattliche Rennwagen rund 400 Kilo mehr auf die Waage bringt als ein aktuelles DTM-Auto. "Das Gewicht und den Schwerpunkt des Autos abzusenken war unsere größte Herausforderung", erklärt Projektingenieur Christoph Meier. Um über 600 Kilo speckte das Team aus Niederzissen den Ami ab. "Im Vergleich mit unserer Konkurrenz sind die möglichen Kurvengeschwindigkeiten beim Superstars-Chrysler ziemlich hoch", resümiert Meier das Ergebnis.

Trotz hohen Gewichts gute Chancen gegen Audi RS4, BMW M5 und Co.

Imposant: Die "Tourenwagen-Limousine" ist mehr als fünf Meter lang.

Das war keine einfache Aufgabe. Denn: Die italienische Superstars-Serie hat ein striktes technisches Reglement, das nur sehr wenige Änderungen gegenüber dem Serienmodell erlaubt. Ob Reifen, Bremsanlage oder Heckflügel – für die Rennversionen sind viele Einheitsteile Pflicht. Damit der Chrysler 300C SRT8 auf der Strecke gute Chancen gegen Konkurrenten wie Audi RS4, BMW M5 oder Jaguar S-Type hat, legt die Serie die erlaubte Motorleistung und das Gewicht für jedes Modell fest. Und zwar so, dass am Ende alle ein vergleichbares Leistungsgewicht haben: Gewicht durch Leistung – also wie viel Kilo Auto ein PS des Motors antreiben muss. "Am Motor durften wir nur wenig ändern", erklärt Meier. "Hauptsächlich Feintuning war möglich. Eine geänderte Elektronik und Einspritzanlage, leichtere Kolben und eine Rennauspuffanlage. Das war's schon."

Die Leistung stieg um 49 PS, von serienmäßigen 431 auf 480. Und aus dem ohnehin schon bulligen Drehmoment von 569 Newtonmetern wurden 620. Die vier Lampen unter dem kleinen, zentralen Display blinken in schneller Folge immer wieder auf. Schaltalarm! Kupplung treten, Ganghebel packen. Aus dem dritten nach unten in den vierten ziehen, Fuß vom Kupplungspedal und wieder auf Gas. Dieser Superstar hat keine Renngetriebe-Allüren. Ein normales Schaltgetriebe muss eingebaut sein – aus Kostengründen sind halbautomatische, sequenzielle Schaltboxen verboten. Das des Superstars-Chrysler adaptierte Zakspeed aus der Dodge Viper. Weil es den 300C nur mit Automatik zu kaufen gibt. Dass ich den Hebel gar nicht so oft in die rechte Hand nehmen muss, merke ich ziemlich schnell. Eine scheinbar ruhig angegangene Runde – fast überall einen Gang höher als vorher gefahren – ist um zwei Sekunden schneller!

Der Motor lebt von der Durchzugskraft aus dem Keller

Gib Gummi: Mit 480 PS und satten 620 Nm Drehmoment zählen Donuts zu den leichtesten Übungen des Zakspeed-Chrysler.

"Da musst du dich erst dran gewöhnen, dass so ein großer V8 hohe Touren gar nicht mag", erklärt mir Zakspeed-Fahrer Sascha Bert bei einem Zwischenstopp an der Box. Der Profi-Rennfahrer ist schon ein Superstars-Rennen gefahren. "Der Motor lebt von der Durchzugskraft aus dem Drehzahlkeller." Mit dieser Erkenntnis spule ich die letzten Runden viel gelassener ab. Ja fast spielerisch leicht. Zu früh und zu hart in Kurven auf dem Gas, macht das Heck schnell einen Schlenker. Aber so geschmeidig und vorhersehbar, dass es mit leichtem Gegenlenken sofort wieder dem Fahrer gehorcht. Nur in der Spitzkehre überfahre ich ständig die Randsteine. Eben ungewohnt eng hier – für eine Limousine im Wohnzimmer-Format.

Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Redakteur Martin Westerhoff

Das Konzept der Superstars-Serie ist stimmig: echte Tourenwagen treten hier gegeneinander an. Nah an der Serie, günstig im Unterhalt. Der Chrysler 300 C SRT8 von Zakspeed ist ein passender Charaktertyp. Groß, bullig, laut und schnell. Aber trotzdem lammfromm im Fahrverhalten. Ideal, denn das Team will den Deutsch-Amerikaner im Kundensport für Amateure einsetzen. Da bleibt nur zu hoffen, dass sich die Serie auch international etabliert.
Technische Daten
MESSWERTE Zakspeed Chrysler 300C SRT 8
Beschleunigung 0-100 km/h 4,2 Sekunden
0-200 km/h 12,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit ca. 270 km/h
FAHRZEUGDATEN Zakspeed Chrysler 300C SRT 8
Motor V8, vorn längs
Hubraum 6100 ccm
Ventile/Nockenwellen 2 pro Zylinder/1
Nockenwellenantrieb Kette
Max. Leistung bei Drehzahl 480 PS bei 5900 U/min
Max. Drehmoment bei Drehzahl 620 Nm bei 4600 U/min
Literleistung 79 PS/Liter
Getriebe 6-Gang, manuell
Antrieb Hinterrad
Länge/Breite/Höhe/Radstand 5035/2000/1430/3050 mm
Reifentyp Pirelli PO Slicks
Reifengröße (v/h) 265/645-18
Leergewicht 1400 kg
Leistungsgewicht 2,9 kg/PS
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 100 l/Super Plus (100 Oktan)
Preis 150.000 Euro

Autor: Martin Westerhoff

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