Tracktest ROC-Buggy

Tracktest ROC Buggy, Race of Champions Tracktest ROC Buggy, Race of Champions

Tracktest Fast&Speed-Buggy

— 23.12.2008

Renner für Champions

Jedes Jahr im Dezember startet das serienübergreifende Motorsport-Event des Jahres. Im Race of Champions (ROC) messen sich die Besten der Besten aus allen Motorsport-Kategorien. Vielleicht auch bald in Deutschland.

Unglaublich, ich fliege gerade mit Vettels Auto über ein Gelände nahe der Gelsenkirchener Veltins-Arena. Irgendwie schwebt dabei der Heiligenschein von Sebastian über dem Fahrzeug. Die Gebrauchsspuren an Volant und Schalthebel zeugen vom Agieren des Rookie of the Year 2008 der Formel 1. Halb sitzend, halb liegend klammere ich mich ans Lenkrad. Hinter mir ordentlich Musik. Der Sound des Triebwerks ist der reine Wahnsinn. Aber schon fliegt die nächste Kurve auf mich zu. Mein Kopf reagiert auf jede Bewegung des Buggys: links, rechts, vor, zurück. Ab 7000 Umdrehungen wird der Wagen giftig, bei 11.000 so richtig fies. Er beschleunigt in nur drei Sekunden auf 100 km/h. Und das mit grobstolligen Reifen auf nassem Asphalt. Alle Achtung!

Einfach um die Kurve fahren ist nicht: anbremsen und im Drift geht's rum ums Eck.

Die Aussicht ist dabei wirklich ungewohnt. Vor meinen Augen nur eine wenig Vertrauen erweckende Windschutzscheibe, links und rechts Gefängnisgitter. Ich fühle mich eingesperrt. Der Schalthebel muss fast im Sekundentakt nach vorn oder hinten gerissen werden. Das extrem kurz übersetzte sequenzielle Getriebe will es so. Ständig blinken im Display vor mir die Gangzahlen. 4, 5, 6, dabei kommt mir meine Fahrt subjektiv langsam vor. In jeder Kehre will das Vehikel gedriftet werden. Einfach um die Kurve fahren ist nicht. Kurz anbremsen, runterschalten, das Heck instabil machen – und rum ums Eck.

Nach zehn Runden kommt die schwarz-weiß karierte Flagge. Ich muss in die Boxen. Denn das Auto wird noch gebraucht. Für das nächste Race of Champions. Schweißgebadet steige ich aus. Mein Traum, einmal in einem Vettel-Renner zu fahren, ist wahr geworden. Und das auch noch mit dem Sieger-Boliden des ROC 2007. Vor einem Jahr gewann Sebastian Vettel auf diesem roten Spielzeug den Nations Cup. Spielzeug?

Mit solchen Buggys rasen scheinbar todesmutigen Typen sonst über holprige Autocross-Pisten. Die Karren wühlen sich normalerweise durch Schlamm und groben Schotter, springen wild durch Schlaglöcher und kommen in Kurven grundsätzlich quer daher. Eine Firma, die sich da bestens auskennt, ist Fast&Speed in Holland. Die haben auch dieses Monster gebaut. Schon ein Blick in das Datenblatt meines Buggys verursacht ein breites Grinsen. 170 PS bei einem Leergewicht von 475 Kilogramm. 0 auf 100 in nur 2,9 Sekunden. Die maximale Geschwindigkeit von 180 km/h erreicht das Gerät in nur 8,4 Sekunden. Das schafft kaum ein Sportwagen.

Für genügend Vortrieb sorgen Michelin-Schottergummis in 15 Zoll

Im Heck wütet das 170-PS-Aggregat der Honda Fireblade mit einem irren Sound.

Verzögerung ist für sein Einsatzgebiet eher unwichtig. Mit gelochten Scheiben und ohne Bremskraftverstärker ist die Anlage nicht gerade bissig. Im Heck des ROC-Buggy arbeitet ein Honda-Triebwerk. Natürlich nicht ganz Serie. Statt einem Auto- verbauten die Holländer einen leichteren Motorrad-Motor mit 170 PS. Die Vierzylinder-Maschine entstammt der Honda Fireblade und wurde den Autocross-Gegebenheiten mit spezieller 4-in-1-Auspuffanlage angepasst. Auch der Antrieb mit sequenziellem 6-Gang-Getriebe stammt von dem Superbike. Für genügend Vortrieb sorgen Michelin-Schottergummis in 15 Zoll. Die müssen auch auf dem Asphaltbelag des ROC-Parcours im Wembley-Stadion (London) gefahren werden. Damit die Meisterfahrer auch schön ins Rutschen kommen. Für optimale Federung ist das verstellbare Gewindefahrwerk zuständig.

Fürs ROC gibt's neue Kleider

Just for Show: Für das Race of Champions werden dem Buggy Spoiler und Schürzen angelegt.

Damit die ROC-Buggys auch optisch etwas hermachen, wurden sie mit Aerodynamik-Teilen bestückt. Der Gitterrohrrahmen ist an den Seiten und am Heck mit auffällig lackierten Schürzen verkleidet. Hinten thront ein dicker Spoiler. Das monströse Teil sieht von vorn aus wie Flügel. Das war es dann auch schon an Hightech. Im Cockpit befindet sich außer einem Lenkrad, einem Schaltstock, Starterknopf, Bezinuhr und einem gewöhnungsbedürftig schräg nach hinten gelagerten Schalensitz nichts. Kurz vor Tracktest-Ende fragt mich ROC-Chefin Michèle Mouton, einst schnellste Rallye-Lady der Welt: "Do you want to drive again, Guido?" (Willst du noch mal fahren?). Diese Frage muss man mir nicht zweimal stellen. Helm auf, rein in die Kiste, Gitter zu und los.

Für den Sound ist Honda zuständig

ROC-Organisatorin Michèle Mouton denkt darüber nach, das Race of Champions nach Deutschland zu holen.

Auf der Start- und Zielgeraden beschleunige ich den Buggy. Ruck, zuck geht's in den vierten Gang. Vor der nächsten Kehre kurz in den dritten, dann den zweiten Gang. Etwas am Lenkrad reißen und wieder aufs Gas. Wahnsinn, der Buggy fegt im allerfeinsten Drift um die Kurve! Langsam gewöhne ich mich an dieses merkwürdige Spaßgefährt. Meine Rundenzeiten werden immer besser und mein Pulsschlag immer höher. Die Kurve, die ich gerade im zweiten Gang durchdriftet habe, geht nun im dritten. Wo ich vorhin bei 9000 Touren um den Kurs gezirkelt bin, geht es nun mit satten 11.000 Touren um die Ecken. Der Honda-Motor hinter mir lässt dabei einen Sound hören, den man so nur von Motorradrennen kennt. Michèle winkt hektisch. Meine Fahrt ist endgültig zu Ende. Kein Wunder, die Französin ist auf dem Sprung von Gelsenkirchen nach London. Und warum war der Test dieses ROC-Gefährts in Gelsenkirchen? Dank Vettel-Hype denkt Frau Mouton ernsthaft darüber nach, das Race of Champions 2009 nach Deutschland zu holen.

Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Testfahrer Guido Naumann

Kein Wunder dass die F1- und Rallye-Piloten in diesem ROC-Buggy jede Menge Spaß haben. Die 170 PS des Motorradmotors haben mit dem 475-Kilo-Flitzer leichtes Spiel. Der Buggy macht auch auf festem Geläuf Laune. Einzig die Sitzposition und das Cockpit sind etwas gewöhnungsbedürftig.

Autor: Guido Naumann

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