Tracktest Ferrari F430 vs Ducati 1098s

— 12.10.2007

Der Schöne und das Biest

Sportwagen gegen Superbike - Ferrari F430 Challenge gegen Ducati 1098s: ein außergewöhnliches Speed-Duell in Oschersleben für AUTO BILD MOTORSPORT-Testfahrer Guido Naumann.



Matthias Neukirchen (42) gibt Vollgas. Aus der langen Rechtskurve vor der Start-und-Ziel-Geraden heraus beschleunigt der mehrfache Deutsche Meister seine Ducati 1098s. Gar einen freudigen Wheelie andeutend, zieht er an seinem Gegner vorbei. Der sitzt eine Etage tiefer in seinem Ferrari F430 Challenge. Holger Harmsen (43), immerhin Dritter in der deutschen Ferrari Challenge, hat scheinbar keine Chance. Aber eben nur scheinbar. Eine Runde später nämlich taucht die Ducati wieder im Windschatten des roten F430 auf der Zielgeraden auf. Aber wo büßt das rassige Bike mit 160 PS die Zeit auf den 330 PS stärkeren Ferrari ein? Ganz einfach: in den Kurven. Beispiel gefällig? Während Harmsen mit 89 km/h durch die Zielkurve zischt, hinkt der Biker mit 69 km/h deutlich hinterher. Auf den Geraden zwischen den Kurven gast das Zweirad aber gewaltig an. Mit der 171 Kilogramm leichten Zweizylinder-Ducati erreicht Neukirchen in der Motorsport Arena 233 km/h. Der Ferrari bringt es nur auf maximal 212km/h Topspeed. Die Erklärung zeigt unser Messgerät, die Driftbox: Trotz feuchter Strecke spielt das Bike seinen Beschleunigungsvorteil voll aus. Aber sein Fahrer muss früher und länger bremsen als der Kontrahent im Ferrari. Weit vor der Kurve beginnt die Bremsphase. Sie endet allerdings gleich nach dem Einlenken. Dann wird gefühlvoll, aber durchaus mit Druck am Gashahn gedreht. So hält Neukirchen die Rollphase (Vorwärtsbeschleunigung nahe 0) der Ducati möglichst kurz. Dennoch, auf zwei Rädern geht's halt nicht so schnell ums Eck wie auf vieren. Da nutzt es letztlich auch nichts, dass die Ducati einige Passagen viel direkter fahren kann und somit über eine Runde einige Meter weniger zurückzulegen hat.

Wo die Ducati schwächelt, liegen die Stärken des Ferrari

Der Schöne: Ferrari F430 Challenge. 430 PS beschleunigen ihn auf maximal 302 km/h.

Trotz der ungünstigen Streckenverhältnisse schafft Neukirchen eine starke Rundenzeit von 1.58,0 Minuten. Der Abstand von etwas mehr als sieben Sekunden (1.50,6 Min.) zum Auto entspricht den Erwartungen. Interessant, wie der Pilot sich im Verlauf des Vergleichs steigert. Neukirchen wird in seinen drei Testsessions über zehn Sekunden schneller. Erst im letzten Umlauf schafft er die Bestzeit. Ein klarer Hinweis darauf: Bei Motorrädern in IDM-Version (im Gegensatz zu MotoGP oder Superbike ohne elektronische Fahrhilfen) ist das Fahrkönnen extrem wichtig. Der Einfluss auf die Performance ist ungleich größer als in jedem Auto. Das schlechte Wetter beeinträchtigt den Ferrari weit weniger als das Motorrad. Dennoch zeigt sich auch auf dem schwierigen Untergrund: Der Speed steigt, je mehr sich der Pilot eingewöhnt. Harmsen verbessert sich im Verlauf seiner Stints um circa neun Sekunden. Er fährt die Bestzeit in seiner drittletzten Runde. Wo die Ducati schwächelt, spielt der Ferrari-Pilot den Vorteil seines F430 voll aus. Die Querbeschleunigung des roten Renners liegt im Nassen auf dem Niveau guter Straßensportwagen bei Trockenheit. Und egal ob nass oder trocken: Weder die Power des Motors noch die der Bremse überfordern den Gentleman-Driver. Was die nackten Daten angeht, sieht der Ferrari gutmütig und berechenbar aus. Steuermann Holger Harmsen lässt aber auch deutlich erkennbar Luft zum Limit. Ähnlich wie der Biker bremst er vor der, nicht in die Kurve, stabilisiert das Auto früh mit dem Gas und beschleunigt sanft raus. Alles aber mit deutlich höherem Speed als die Ducati.

Unter feuchten Testbedingungen ist der Ferrari überlegen

Das Biest: Die Ducati 1098s ist mit 160 PS unwesentlich langsamer (300 km/h) als der Ferrari.

Nach den harten Messrunden konnte sich auch der Autor von den Tugenden der beiden Italiener überzeugen. Der Ferrari lässt sich sehr sicher bewegen. Trotz nasser Bahn und 490 Pferden an der Hinterachse. Die automatische F1-Schaltung mit Wippen hinter dem Lenkrad arbeitet sportlich und punktgenau. Das Fahrwerk erlaubt dem F430 Challenge kaum noch Seitenneigung und lässt wie erwähnt auch im Nassen irrwitzig scheinendes Kurventempo zu. Untermalt wird das Ganze vom herrlichen Sound der acht Zylinder im Rücken. Bei der Ducati 1098s ist alles etwas brutaler. Geschaltet wird auch hier, ohne vom Gas zu gehen, per Schaltautomat, die kurzzeitig die Zündung unterbricht. Ein kurzes Zucken am Gasgriff reicht, und schon hebt das Vorderrad ab. Egal in welchem Gang. Dabei war ich beim Schalten noch 2000 bis 3000 Touren vom roten Bereich entfernt. Motorrad-Racer müssen total wahnsinnig sein. Trotz der kompletten Gegensätze von Superbike und Sportwagen, das Duell zwischen brachialer Bremsleistung und überlegener Beschleunigung endet unentschieden. Fazit: Holger Harmsen, ABMS-Tester Guido Naumann und Matthias Neukirchen sind sich einig: Unter den feuchten Testbedingungen ist der Ferrari überlegen und kann die Ducati beim Anbremsen und in der Kurve klar distanzieren. Der große Leistungsgewichtsvorteil (160 PS bei 171 Kilogramm) des Bikes zeigt sich nur bei der Beschleunigung.
Messwerte F430 Challenge Ducati 1098s
Beschleunigung 0 - 100 km/h 3,6 Sekunden 3,1 Sekunden
0 - 200 km/h 11,6 Sekunden 8,1 Sekunden
Höchsgeschwindigkeit 302 km/h 300 km/h
Bremsweg aus 100 km/h 34,2 Meter 38,5 Meter
Benzinverbrauch ca. 50l/ 100 km (Rennbetrieb) ca. 8l/ 100 km (Rennbetrieb)
Grundpreis 218.690 Euro 35.000 Euro
Fahrzeugdaten F430 Challenge Ducati 1098s
Motor Bauart/ Zylinder/ Einbaulage V8, hinten längs V2, vorn längs
Ventile/ Nockenwellen 4 pro Zylinder / 2 4 pro Zylinder / 2
Nockenwellenantrieb Kette Zahnriemen
Hubraum 4308 ccm 1099 ccm
Max. Leistung bei Drehzahl 490 PS bei 8500 U/min 160 PS bei 9750 U/min
Max. Drehmoment bei Drehzahl 465 Nm bei 5250 U/min 122 Nm bei 8000 U/min
Antrieb Heck Heck
Getriebe Sechsgang, Automatik Sechsgang
Länge/ Breite/ Höhe 4512/ 1923/ 1184 2100/ - / 1100
Leergewicht 1225 kg 171 kg
Reifentyp Pirelli Bridgestone
Reifengröße vorn/ hinten 235-645/ R19 /295-680/R19 120/70 ZR17 / 190/55 ZR17
Tankinhalt / Kraftstoffsorte 100 l/ Super plus 15,5 l/ Super plus

Autor: Guido Naumann



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