Tracktest Ford F-150

Ford F150 Ford F150

Tracktest Ford F150 Trophy Truck

— 08.02.2010

Wahn frei!

Auf zum wüsten Ritt im 850 PS starken Monster-Pick-up. Sogar in den USA, dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten, ist diese Fahrt jenseits des ganz normalen Wahnsinns.

Wie schnell man doch zum Tier wird. Vorhin, bei Tempo 70, hatte ich für einen kurzen Moment überlegt, die Sache erst einmal vernünftig anzugehen. Der Drehzahlmesser zittert lässig über die 5000er-Marke und der großvolumige Achtzylinder in meinem Rücken brüllt stimmgewaltig. Nix Modern Talking, AC/DC pur: Highway to Hell, durch Stadt, Land und auch Fluss. Bevorzugt über die mexikanische Halbinsel Baja California, denn selbst im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gelten dieser 850 PS starke Ford F150 Trophy Truck und seine Kollegen aus der US-Offroadserie SCORE als zu durchgeknallt. Kein Wunder, der Auftrag des zweieinhalb Tonnen schweren Monster-Pick-ups ist klar definiert. Nichts, aber auch gar nichts, außer den beiden wagemutigen Piloten soll bei den Rennen querbeet möglichst schnell von Punkt A nach Punkt B transportiert werden. Es ist total gefährlich. Es ist total verrückt – aber es ist auch total faszinierend.

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Hochbeinig: Riesige Reifen und nicht minder eindrucksvolle Federbeine lassen beim Fahrer das Gefühl von Hochsitz aufkommen.

Die Baja 1000, Höhepunkt und Abschluss der US-Offroad-Rennserie SCORE auf der nordmexikanischen Halbinsel Baja California, ist für jeden motorsportbegeisterten Mitteleuropäer ein Kulturschock. Das beginnt schon am Tag vor dem Rennen. Der steht ganz nüchtern als Technische Abnahme im Programm und ist doch ein motorsportliches Volksfest. Die technische Prüfung findet in einem Zelt statt und dauert nur wenige Minuten. Was soll man auch prüfen in einer Serie, in der das Schlagwort "unlimited" also ohne Grenzen lautet? Den Weg in dieses Zelt müssen sich die diesmal 328 Starter hart erkämpfen. Dabei schieben sie ihre Autos durch Massen von Fans über einen zwei Kilometer langen Boulevard durch Ensenada, Start- und Zielort der 42. Baja 1000. Die wird tags darauf gestartet und führt diesmal über 1028 Kilometer durch den wilden Norden Mexikos.

Fahrgefühl wie bei einem Speedboot

Balance: Der 7,2-Liter-Ford-Motor, der baugleich in der NASCAR zum Einsatz kommt, sitzt mittig vor der Hinterachse des V8-Trucks.

Das Fahrgefühl gleicht dem eines Speedboots. Beim Gasgeben reckt sich die Motorhaube Richtung Himmel. In Kurven neigt sich das hochbeinige Renngerät mit simpler Starrachs-Technologie an der Hinterachse bedrohlich zur Seite. Ungewohnt auch das Bremsen. Der Pedaldruck gleicht dem Tritt in einen Schwamm. Entsprechend ist die Verzögerung. "Zum Bremsen ist dieses Gerät auch nicht gebaut", erläutert mir Besitzer Gustavo Vildosola, seines Zeichens schnellster und erfolgreichster Mexikaner der SCORE per Gegensprechanlage. Das baugleich in der NASCAR verwendete und hier mittig vor der Hinterachse platzierte 7,2-Liter-V8-Ford-Triebwerk lärmt herrlich urban. Der Wind pfeift durchs Cockpit. Scheiben sucht man vergebens, Elektronik gilt als unnützes Brimborium.

Vernünftiges Offroadfahren undenkbar

Wir biegen ab auf einen Trampelpfad. Ebenso fix wie das skurrile Renngerät davonstürmt, verfliegen meine Bedenken über vernunftgeprägtes Offroadfahren. 140 km/h liegen an, kommodes Autobahntempo mitten im Gelände. Wahn frei! Bei derlei automobilen Gewaltexzessen ist volle Konzentration gefragt. Auch wenn dieses Geländemonster kaum etwas aufhalten könnte. Felsbrocken im Format eines Fernsehers werden schlicht ignoriert. Ein normales Rallyeauto würde es zerreisen, einem Dakar-Allradler zumindest die Eingeweide rausreißen. Hier spürt man einen dumpfen Schlag, ein Zucken in der Lenkung und weiter geht’s wie auf einem fliegenden Teppich. Dank der Federwege von 80 bis 90 Zentimeter und einer Bodenfreiheit von knapp 60 Zentimetern – ein World Rally Car bringt es im hochbeinigen Schotter-Trimm gerade auf 17 Zentimeter. Ein Radstand von 3,15 Meter – das sind Maybach-Dimensionen – gilt als angemessen. Selbst nach Megasprüngen setzt der so wild scheinende Offroader ganz sanft auf und macht sich aus dem Staub.

Der Ford F150 Trophy Truck kostet nur 300 000 Euro

Einfach ist Trumpf: Großes Lenkrad und Drehzahlmesser beim Fahrer, GPS-System beim Beifahrer, viel mehr bietet das Cockpit nicht.

Caramba, wilder ist kein Westen. Riesiges Spektakel, geringe Kosten: Ein konkurrenzfähiger Ford F150 Trophy Truck ist für 300 000 Euro zu haben und hält rund drei bis fünf Jagdsaisons. Ein deutlich anfälligerer WRC kostet weit über das Doppelte. Dass sich einfache und preiswerte Renntechnik sowie hohe Wettbewerbsfähigkeit aber nicht ausschließen, verdeutlicht ein anderer Fakt eindrucksvoll. Wie in der NASCAR werden beim Tanken rund 250 Liter hochprozentiger Rennsprit über Stutzen auf dem Heck ins Wageninnere gedrückt. Inklusive Radwechsel auf der Antriebsachse ist ein Boxenstopp im offenen Gelände in gerade mal 45 Sekunden Geschichte. Dann machen sich Mensch und Maschine wieder aus dem Staub.
Autor:

Niclas Hagenau

Fazit

Wahnsinn mit Methode! Seltenhatte ich soviel Muffe und Spaß in einem. Dieses Renngerät ist herrlich unvernünftig, verlangt einem viel ab. Es ist ehrlich, eben für echte Männer und für seine Leistungsdaten günstig im Preis. Viva la Mexiko - Baja ich komme!

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