Tracktest Ford Fiesta R2

Tracktest Ford Fiesta R2 Tracktest Ford Fiesta R2

Tracktest Ford Fiesta R2

— 18.07.2009

Wieder ein Ford-Schritt

Die exklusive Pirsch im Nachfolger des beliebtesten Rallye-Einsteigerautos. Beim Abschlusstest des brandneuen Ford Fiesta R2 übernehmen wir das Steuer von M-Sport-Junior Matthew Wilson.

Der Zeitplan ist straff. Ende Juli müssen alle Details stehen. Am 1. August muss der brandneue Ford
Fiesta R2 zur Zulassung bei der Motorsportbehörde FIA sein. Der Plan: Der Neuwagen soll die erfolgreiche, rund 300-mal verkaufte Rallye-Version des Ford Fiesta ST überflügeln. Also rein in die neueste Kreation von Ford-Entwicklungspartner M-Sport. Matthew Wilson, einer der Topfahrer der Rallye-WM (mit 19 Punkten aktuell auf Rang 7) und Sohn von Ford-Teamchef Malcolm Wilson übergibt das Steuer. "Du wirst dich wundern", gibt er mir mit auf den Weg. "Dies ist ein richtiges Rennauto – ganz anders als sein Vorgänger." In der Tat: Schon beim Start zur schnellen Pirsch lässt sich der Ford-Schritt erkennen. Der Schaltstock des sequenziellen und unter kräftigem Druck zu schaltenden Fünfgang-Getriebes steht ebenso aufrecht im Cockpit wie der Hebel der hydraulischen Handbremse.

Der 163 PS Motor verlangt einen schweren Gasfuß

Mit dem bulligen Rallye-Fiesta durch den Modder – ein Spaß für alle Beteiligten.

Im seriennäheren aber mit Zwei­liter-Motor ausgerüsteten Vorgänger auf ST-Basis stand mit 163 PS exakt die gleiche Leistung zur Verfügung. Nun muss der Vierzylinder-Motor seine Kraft aus 1,6 Litern schöpfen. Um das zu erreichen, sind Kolben, Pleuel, Schwungscheibe, Nockenwelle, der Ansaugtrakt sowie das Motormanagement neu. Das Rallyeaggregat verlangt nach schwerem Gasfuß. Im unteren Drehzahlbereich passiert wenig. Hurtiger geht es zwischen 5000 und 8500 U/min nach vorn. Das maximale Drehmoment von zarten 182 Nm steht bei 6000 U/min an, alle 163 PS bei 8500 U/min. Danach hat man noch 400 Umdrehungen Luft, um kurz vor 9000 den nächsthöheren Gang einzulegen. Kürzere Ganganschlüsse sorgen für Kurzweil beim kernigen Ritt zur Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h. Die längere der beiden, bis 196 km/h reichende Übersetzung wird nur auf der Rennstrecke zum Zuge kommen.

Bremssättel aus der amerikanischen NASCAR-Serie packen zu

Der 1,6 Liter Vierzylinder-Motor leistet 163 PS.

Zudem glänzt schon die neue Serienversion bei Radstand, Spur und Fahrverhalten mit Klassen-Bestwerten. Nur logisch, dass die zukunftsträchtige und deutlich aufwendigere R2-Mixtur aus Serienkarosse, optimiertem Sportmotor plus sequenziellem Getriebe und optimalem Fahrwerk präziser, kerniger und aggressiver daherkommt.  Das nun mit dreifach verstellbaren Dämpfern ausgestattete Fahrwerk ermöglicht den gesicherten Ritt am Limit. Zielsicher lässt sich der Fronttriebler mit dem Gaspedal auf dem rechten Weg halten. Die Verzögerungswerte sind enorm. Dafür sorgen an den Vorderhufen gewaltige Vierkolben-Sättel aus der amerikanischen NASCAR-Serie. "Ein glücklicher Zufall", freut sich Projektleiter Andrew Wheatley. "Die passten genau in unser Anforderungsprofil und waren auch noch preiswert."

Günstiger Rallye-Bolide

Ähnliches gilt für das gesamte R2-Paket. Rund 24 000 Euro kostet das top ausgestattete und über 40 Punkte umfassende Rallye-Umbaukit, das unter anderem den Sicherheitskäfig, das komplette Fahrwerk, ein sequenzielles Getriebe, die Bremsanlage inklusive hydraulischer Handbremse, Unterschutz, Sitze sowie alle Motorenbauteile samt Steuergerät und zusätzlicher Software zur optimalen Justierung und Abstimmung auf die gegebenen Streckenbedingungen beinhaltet. Zum Aufbau wird Geschick, Zeit und ein Serien-Ford Fiesta Sport benötigt, den M-Sport in einer abgespeckten Version für knapp 15 000 Euro gleich mit anbietet. Eine lohnenswerte Anschaffung: Der Zyklus des Basismodells ist für sieben Jahre festgelegt. Demzufolge ist das Rallyeauto bis mindestens 2016 aktuell – länger als jeder vergleichbare Wettbewerber.        

Technische Daten Ford Fiesta R2
Motor Vierzylinder, in Reihe
Einbaulage vorn quer
Hubraum 1599 cm3
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette
PS bei U/min 163/8500
Literleistung 102 PS/Liter
Nm bei U/min 182/6000
Antriebsart Frontantrieb
Getriebe 5-Gang, sequenziell
Reifen Schotter / Asphalt 175/70 x 15 / 200-600 x 16
Reifentyp Pirelli Rallyereifen
Länge/Breite/Höhe 3953/1722/1481 mm
Radstand 2490 mm
Leergewicht 1030 kg
Leistungsgewicht 6,3 kg/PS
Tankvolumen 48 l
Kraftstoffsorte Super Plus bleifrei
Messwerte
Beschleunigung 0–100 km/h 6,9 Sek. je nach Übersetzung
Beschleunigung 0–200 km/h entfällt
Bremsweg aus 100–0 km/h k. A.
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h
Fahrzeugpreis inkl. MwSt. 49300 Euro
Autor:

Niclas Hagenau

Fazit

Leistung ist nicht immer alles. Der neue Ford Fiesta R2 glänzt mit anderen Attributen. Der sportive Vorgänger war noch mehr Straßenauto. Nun kommt die kleine Wuchtbrumme als echtes Rennauto, mit gewaltiger Bremse, sattem Fahrwerk und hochdrehendem 1,6-Liter-Motörchen daher. Wer lernen will, wie man dank sequenziellem Getriebe ohne Kupplungseinsatz die hohe Kunst des Linksbremsens zelebriert, ist hier genau richtig. Das Schöne daran: Auch wenn Motorsport nicht billig ist, kann er doch verhältnismäßig preiswert sein. Dafür bietet M-Sport neben nationalen Serien weiterhin auch eine paneuropäische Trophy im Vorhof der Rallye-WM an. Maximales Potenzial für minimale Kosten. Also: Auf, auf zum fröhlichen Jagen.

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