Tracktest Ford Mustang GT RTD

Tracktest Ford Mustang GT RTD Tracktest Ford Mustang GT RTD

Tracktest Ford Mustang GT RTD

— 05.12.2008

Smudos Steckenpferd

Grüne Welle, Nürburgring und Hip-Hop-Star – passt das zusammen? Ja! Der 280 PS starke Mustang GT RTD von Fanta4-Frontmann Smudo ist ein echter Rennwagen mit Bio-Genen.

Es riecht nach leckeren Pommes, und mir läuft der Schweiß übers Gesicht. Nein, ich sitze nicht bei 30 Grad an einer Bude und ziehe mir gerade leckere Fritten und eine Currywurst rein. Ich befinde mich in einem Rennauto. Ja, richtig gelesen. Nicht in irgendeinem, sondern im Bio-Mustang von Hip-Hop-Pionier Smudo. Der Geruch kommt vom Biodiesel und von den vielen Bio-Materialien in diesem Auto. Der bekannte Rapper ist seit Jahren begeisterter Motorsportler und drehte schon einige hundert Runden auf der Nürburgring-Nordschleife. 2008 begeisterte er die Fans des Langstreckenpokals mit seinem Auftritt in einem Ford Mustang.

Der Diesel aus Smudos Renner stammt von Ford

Äußerlich ist dem Mustang sein Bio-Konzept nicht anzusehen. Auffällig ist nur sein Geruch nach Frittenfett.

Entwickelt wurde das Fahrzeug vom Rennteam Four Motors, das als Bio-Kraftstoff-Pionier seit 2003 im Motorsport aktiv ist. Als Antrieb für den Mustang GT RTD dient ein 280 PS starkes Vier-Zylinder-Diesel-Aggregat mit zwei Litern Hubraum. Das Triebwerk stammt aus dem Ford-Regal und wurde mithilfe von einem größeren Turbolader und neuer Elektronik getunt. Damit ist diese Kombination der derzeit stärkste Turbodiesel mit Biodiesel-Kraftstoff. Die dazu verwendeten Schmierstoffe sind natürlich alle Öko und umweltfreundlich. In den Sicherheitstank passen 100 Liter "Flower Power Biodiesel" der UFOP (Union zur Förderung von Öl-und Proteinpflanzen e. V.). BASF unterstützt das Projekt mit Biokraftstoffadditiven, Glysantin und Autolacken von R-M.

Die komplette Außenhaut besteht aus nachwachsenden Rohstoffen

Festgezurrt in den Schalensitzen hat Smudo die Rennstrecke bestens im Blick.

Trotz oder gerade wegen (?) all der Öko-Zusätze sprintet der Mustang in nur fünf Sekunden von null auf 100. 245 km/h Spitze sind auch nicht von schlechten Eltern. Das maximale Drehmoment des Selbstzünders liegt bei 450 Newtonmetern. 1170 Kilogramm wiegt der Öko-Renner. Die Türen geben schon optisch einen Hinweis auf die verwendeten Materialien. Die komplette Außenhaut besteht aus nachwachsenden Rohstoffen. Diese Naturfaser-Karosseriebauteile wurden in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt und der FNR (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.) realisiert.

Gutmütiger Bio-Racer

Zurück ins Cockpit. Der Pommes-bzw. Bio-Geruch wird immer stärker. Noch einmal in die Box des Hockenheimring, etwas frischen Sauerstoff und Biodiesel tanken. Tom von Löwis, Projekt-Initiator und Ex-DTM-Pilot, gibt mir noch ein paar Tipps: "Hab keine Angst, fahr den Mustang wie einen echten Rennwagen. Du kannst auch das Getriebe quälen, also hart schalten, so wie es sich gehört. Nutze das Drehmoment gut aus und schalte frühzeitig. Viel Spaß!" Raus geht's auf die Strecke. Vorsichtig drücke ich vor der ersten Kurve aufs Bremspedal – mit dem linken Fuß. Die Kupplung zu treten, ist nicht nötig. Nach dem Anfahren lässt sich das sequenzielle Drenth-Getriebe ganz einfach schalten: Über einen langen, blanken Metallhebel, gleich rechts neben dem Lenkrad. Reißt du ihn nach hinten, geht es einen Gang hoch. Drückst du ihn nach vorn, schaltet man runter. Einlenken in die enge Rechtskurve zur Parabolica: Der Wagen schiebt leicht über die Vorderreifen. Kein Wunder, die Slicks sind noch nicht auf Temperatur. Sachte gegenlenken, etwas Gas – und rein in die nächste Links. Erstaunlich exakt und gutmütig ist der Bio-Racer zu fahren. Mit jedem Meter beeindruckt mich diese Fuhre mehr.

Der Diesel brummt bei 4500 Touren wie ein hungriger Bär

Seit 1999 hat Fanta4-Frontmann Smudo seine Rennlizenz. Seit 2003 fährt er mit Biodiesel.

Vor der Spitzkehre liegt die fünfte Welle des Getriebe an, Tacho 240. Den linken Fuß auf das Bremspedal gehämmert, dabei den Schaltstock fünfmal nach vorn gepresst und rum um die Haarnadelkurve. Klack, klack, klack – innerhalb weniger Drehzahlen kann man wieder hochschalten. Dem üppigen Drehmoment sei Dank. Schon knapp über 1500 Umdrehungen schiebt die volle Power den schwarzen Mustang vorwärts. Geschaltet wird bei nur 4500 Touren. Dabei brummt der Diesel wie ein hungriger Bär. Der für einen Diesel durchaus sportliche Sound kommt aus einer Sportauspuffanlage. Mittlerweile vergesse ich vor lauter Fahrfreude auch den Pommes-Geruch.

Federbeine und Bremsen stammen von einem 996er Cup-Porsche

Fremd gegangen: Der Turbodiesel stammt von Ford und kommt im Renneinsatz auf 280 PS.

Dann die heikle Links-Rechts-Kombi vor der Mercedes-Tribüne. Das Fahrwerk lässt die Karosserie kaum aufschaukeln. Die für einen Hecktriebler ungewohnt gutmütige Fahrweise ist dem kleinen und leichten, hinter der Vorderachse sitzenden Motor, dem langen Radstand und dem Zuffenhausener Fahrwerk zu verdanken. Zuffenhausen? Ja richtig! Die Federbeine samt giftiger Bremse wurde kurzerhand von einem Cup-Porsche übernommen und passend gemacht. Die Rechts am Eingang Motodrom geht ohne Zucken, Wahnsinn. Das Anbremsen in die Sachs-Kehre gelingt auf den letzten Drücker. Unglaublich, wie sicher sich der Mustang trotz hektischer Arbeit des Gastfahrers anfühlt. Zurück an die Box. Breites Grinsen bei Tom von Löwis. Er wusste von den Qualitäten seines Renners. Und mir fehlen die Worte, so hat mich der Mustang überascht. Trotz Bio-Konzept und eigenartigem Geruch ist der GT RTD von Smudo ein echter Rennwagen.

Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Tesfahrer Guido Naumann Bio und Rennsport? Es geht! Das Team von Four Motors hat den Mustang zum waschechten Sportler umgebaut. Mit sequenziellem Getriebe, Porsche-Fahrwerk und geringem Gewicht. Rein subjektiv könnte der Öko-Racer aber noch 100 Pferde mehr verkraften. Und wie steht's mit dem Verbrauch? Ein 3-Liter-Auto ist der Mustang nicht. Mit sechs Liter Biodiesel pro Runde Nordschleife ist er aber dennoch auf der genügsamen Seite.

Autor: Guido Naumann

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