Tracktest Jetta TDI Cup

Tracktest Jetta TDI Cup

— 04.11.2008

Born to be mild

Er ist geboren, um als Diesel-Saubermann die USA zu revolutionieren: Der VW Jetta TDI Cup ist die neue Nachwuchsserie Amerikas. AUTO BILD MOTORSPORT hat den Diesel-Jetta getestet.

Mit 80 Sachen biege ich in die letzte Kurve vor der Start- und Zielgeraden der Motorsport Arena Oschersleben ein. Viel zu schnell! Der Jetta schiebt ber die Vorderrder, hin zum ueren Rand. Ich gehe vom Gas, drehe das Lenkrad wieder ein Stck zurck. Stur fhrt der "lange Golf" wieder geradeaus. Bei dem Tempo schon ber dem Limit? Ja. Denn das, was der Tacho da hinterm Renn-Display mit Drehzahlbalken und Rundenzeiten zeigt, sind Meilen pro Stunde. Exklusiv darf ich heute den Jetta TDI testen. Volkswagens Cup-Renner fr Amerika. Was hierzulande der Polo Cup ist, ist seit 2008 auf der anderen Seite des groen Teichs der Jetta TDI Cup. "Clean Diesel" steht gro auf der Windschutzscheibe des Rennwagens. Denn: Der Markenpokal soll nicht nur dem Tourenwagen-Nachwuchs auf die Sprnge helfen, sondern auch der Markteinfhrung des Jetta TDI (steht fr Turbo Diesel Injection) in Nordamerika.

Power-Car mit Saubermann-Image

Als "Clean-Diesel" bewirbt VW den Jetta 2,0-Liter-TDI. Ein Saubermann mit 170 PS.

Umdenken sollen die Amis, weil Diesel-Motoren in Pkw dort noch immer das Image von lahmen Ruschleudern verfolgt. Mit Partikelfilter ist dieser Jetta geboren, um mild zur Umwelt zu sein. Aber von lahm kann nicht die Rede sein. Schon bei 1750 Touren liegt das volle Drehmoment von 350 Newtonmetern an. Brummig drhnend prescht der Jetta so schon bei niedrigen Drehzahlen aus engen Kurven. Die Schaltlichter vor mir melden sich erst bei ber 4200 Touren. Und blitzen wenig spter, mahnen zum Hochschalten. ber die auch in der Serienversion verfgbaren Schaltwippen wechselt das Doppelkupplungsgetriebe DSG ratzfatz in den nchsten der sechs Gnge.

Profi-Setup fr alle

Knick im Heck: Der "Stufenheck-Golf" kommt in den USA gut an.

Das Fahrwerk verhlt sich lammfromm. Zu schnell in eine Kurve gefahren, und der Jetta untersteuert sachte, schiebt leicht ber die Vorderrder. Einmal kurz gegenlenken, das hlt ihn auf Kurs. Dank des verhltnismig langen Radstandes von 2,58 Metern (beim deutschen Cup-Polo sind es 2,46 Meter) verhlt sich das Heck wie festbetoniert. Wer dort Bewegung reinbringen will, um es vor engen Ecken gezielt anzustellen, kann das nur ber viel Luftdruck in den Hinterreifen erreichen. "Ein Profi-Rennfahrer fhrt bei jedem Lauf in den USA ein Basis-Setup heraus. Danach wird das Fahrwerk bei allen Autos gleich eingestellt", erklrt VW-Ingenieur Hans Marschall. Er und sein Kollege Bernd Wiemann sind die "Vter" der in Wolfsburg entwickelten Cup-Version des Jetta.

Die Herausforderung beim Cup-Jetta ist, als Fahrer die letzten Zehntelsekunden auf der Rennstrecke rauszukitzeln. Und das geht nur mit einer angepassten Fahrtechnik: Durch das DSG ist es mglich, mit dem linken Fu zu bremsen wie in einem Kart. Mein linker Fu schwebt schon ber dem Bremspedal. Ende der Start- und Zielgeraden. Runter vom Gas und gleichzeitig voll in die Eisen. Das spart Zeit denn ich muss nicht erst mit dem rechten Fu das Pedal wechseln. Ganz nach dem Motto: Wer spter bremst, ist lnger schnell. Beim ersten Versuch drckt es mich ordentlich nach vorn in die Hosentrger-Gurte. Bis das schrfer programmierte ABS regelt. Zehenspitzengefhl ist gefragt. Schlielich beit hier die Vier-Kolben-Bremse an der Vorderachse zu, die normalerweise an der Hinterachse im R8 verbaut ist. Scheibendurchmesser: stolze 35 Zentimeter! Das Ma einer groen Pizza. "Wo es ging, haben wir uns im Konzernregal bedient", erklrt Entwickler Marschall. "Serienteile von anderen Modellen sparen gegenber speziellen Rennsportteilen deutlich Kosten".

Moderner Diesel - Einfach zu fahren

Gemischtes Flair: Lenkrad und Armaturenbrett wie in der Serie – Käfig, Gurte und Feuerlöschsystem wie im Racer.

Clever. Denn schlielich soll sich der Jetta TDI Cup auch in den USA als bezahlbare Nachwuchsserie etablieren. Etwas gewhnungsbedrftig, aber effektiv: lang gezogene Kurven, die in ihrem Verlauf schneller werden, in einem vermeintlich zu hohen Gang anfahren. Denn auch aus niedrigen Drehzahlen gibt's Druck satt. Spteres Schalten in der Kurve und der dadurch ausgelste Ruck an den Vorrdern entfallen. Dadurch bleibt das Auto sehr ruhig, beschleunigt optimal und gleichmig auf die nchste Gerade. Ziemlich entspannt steige ich wieder aus dem Jetta. Anstrengend ist es nicht, ihn zu fahren. Eben ganz modern, so ein Diesel.

Fazit von ABMS-Testfahrer Martin Westerhoff

Auch wenn das Fahrwerk vielleicht einen Tick bertrieben zu brav abgestimmt ist: Die Cup-Version des Jetta ist ein tolles Auto, um eine "Tourenwagen-Schule" in den USA zu etablieren. Das fr einen Rennwagen dieses Formats sehr hohe Gewicht von 1280 Kilo gleicht das ppige Drehmoment des Turbodiesel-Motors mit ordentlicher Durchzugskraft zum Teil wieder aus. Schade, dass dieser Jetta nur fr Amerika bestimmt ist. Als Langstrecken-Auto wre er hier ideal.

Autor: Martin Westerhoff

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