Tracktest Kia Rio V6 4x4

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Tracktest Kia Rio V6 4x4

— 27.02.2008

Der Schneekönig

Autorennen auf blankem Eis? Darum geht es in der Trophée Andros. AUTO BILD MOTORSPORT war live dabei und fuhr das Siegerauto Kia Rio V6 mit Allradlenkung und -antrieb.

Der erste Gang rastet mit lautem Klacken ein. Der Kia schüttelt sich ein bisschen. Stammfahrer Dayrout gibt letzte Anweisungen: "Vollgas bis in den Begrenzer und dann einfach die Kupplung loslassen." Gesagt, getan. Auf die brutale Art beschleunigt rast der nur 950 Kilogramm schwere Rio los, als würde er von einem riesigen Katapult abgeschossen. Mein Kopf fliegt nach hinten gegen die Nackenstütze. Der Kia mit V6-Power reißt dank der 350 Newtonmeter die Eispiste derart schnell unter seiner nackten Bodenplatte weg, dass ich kaum mit dem Schalten hinterherkomme. Die Ice Contact 3-Spikereifen krallen sich in das Eis. Die kalten Splitter schlagen lautstark in den Radhäusern umher. Insider schätzen, dass der Koreaner für den Sprint von null auf hundert weniger als vier Sekunden benötigt.

Und das auf polierten Eis, auf dem man kaum richtig laufen kann. Wahnsinn! Blitzartig reiße ich die Gänge durch das sequenzielle Getriebe. Grell aufblitzende Lampen mahnen den Gangwechsel an. Den Zeitpunkt würde ich aber auch ohne diese Erinnerung nicht verpassen. Laut und deutlich verlangt der drehzahlfreudige Sechszylinder hinter meinem Rücken nach dem nächsthöheren Gang. Erst ab 8000 Umdrehungen geht ihm dann doch die Puste aus. Bei sensiblem Umgang mit dem Gaspedal lassen sich die Bärenkräfte des Motors aber gut dosieren. So fällt es mir leicht, in den engen Kurven der Eisrennstrecke in Isola 2000 (Frankreich) saubere Drifts hinzulegen. Doch damit ist es in der Trophée Andros nicht getan. Auf den Strecken dieser legendären Eisrennserie, meistens auf beeisten Parkplätzen namhafter Skigebiete künstlich angelegt, sind die Kurven oft mehr als 90 Grad eng. Deswegen kommt beim Kia Rio wie bei allen seinen Konkurrenten die Synchron- oder auch Allradlenkung zum Einsatz.

Von null auf hundert in weniger als vier Sekunden

Der nur 950 Kilogramm leichte Kia Rio zieht dank Allradlenkung fast mühelos seine Kreise.

Auch sonst hat dieser Kia nichts mehr mit einem Serienmodell zu tun. Nur Scheinwerfer, Frontscheibe und Spiegel kommen aus dem Rio-Regal. Unter der Kia-Haut aus leichtem Kunststoff versteckt sich ein Gitterrohrrahmen. Hinter der Fahrgastzelle, vor der Hinterachse wohnt ein Sechszylinder und der Mechanismus für die Allradlenkung. Bremsen und Fahrwerk sind Eigenbau. Nach zwei Runden sind der Allrad-Kia und ich bereits dicke Freunde. Ich steigere das Tempo. An der nächsten langen Rechtsskurve, versuche ich mich im Rallyestil. Also kurz vom Gas, leicht am Lenkrad drehen und den Wagen zum Drift anstellen. Sobald die Querlage erreicht ist, aufs Gas. Doch dieser Versuch schlägt fehl, ich drehe mich, der Motor stirbt ab.

Schnell sind Kia-Pilot Jean-Philippe Dayraut und ein Techniker bei mir. Und noch ein Fahrer mit einer Toyota-Jacke. "Du darfst den Wagen nicht wie ein Rallyeauto fahren. Die Allradlenkung erledigt das. Einfach einlenken, als würdest Du ohne Drift fahren wollen", erzählt der Toyota-Mann. Ich höre ganz genau hin, denn der Toyota-Pilot ist kein Geringerer als der vierfache Formel-1-Weltmeister Alain Prost. Der 53 Jahre alte Franzose gehört heute zu den Star-Piloten der Trophée Andros. Ok, was Prost sagt, müsste doch eigentlich stimmen. Also Motor starten, erster Gang, Vollgas. Wieder röhrt der 370 PS starke 3,2-Liter-Motor aus dem Audi TT sein Lied.

Tschüß, Rücklicht!

Ex-Formel-1-Weltmeister Alain Prost (r., neben AUTO BILD MOTORSPORT-Autor Guido Naumann) zählt zu den Stars in der Trophée Andros.

Nach einer weiteren Runde: der zweite Versuch mit der langen Rechtskurve. Vierter Gang, dritter Gang, Lenkrad leicht nach rechts und schön auf dem Gas bleiben. Wie von Zauberhand dreht sich der Kia in die Kurve. Kein Wunder, über die Allradlenkung werden auch die hinteren Räder eingelenkt. Die Kia-Schnauze driftet haarscharf um den Eisberg. Ein kurzer Ruck, der Frontscheinwerfer streift die Begrenzung. Gas, Gas und nochmals Gas. Der Drift-Winkel lässt sich wunderbar per Gaspedal kontrollieren. Voller Selbstbewusstsein geht es jetzt auf die letzte schnelle Kurve vor der Start-Ziel-Geraden zu. Die vierte Welle liegt an. Ich bin jetzt schätzungsweise knapp über 100 km/h schnell. Mit ganz wenig Lenkbewegung dirigiere ich den Kia in einen sauberen, sicheren Drift. Ganz knapp geht's an der Strecken-Schneemauer entlang. Noch ein kurzes Rucken hinten links, das Rücklicht verabschiedet sich. Bevor ich noch mehr Teile entferne, gebe ich auf und überlasse das Auto den Profis. Mein Dauergrinsen nach diesem Erlebnis wird demnächst operativ entfernt.

Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Autor Guido Naumann

Selten hat mir eine Rennserie von außen wie von innen so viel Spaß gemacht. Obwohl man auf dem blankpolierten Eis kaum laufen kann, ist man mit dem Kia Rio so locker und sicher unterwegs wie mit einem Rallyeauto auf Schotter.
MESSWERTE KIA RIO V6 4X4 KIA RIO 1.6 CVVT
Beschleunigung 0–100 km/h ca. 3,7 Sekunden* 10,2 Sekunden
0–160 km/h ca. 9,6 Sekunden* 29,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit 160 km/h 188 km/h
Bremsweg aus 100 km/h ca. 30 Meter* 37,3 Meter
Kraftstoffverbrauch ca. 35 l/100 km 6,5 l/100 km
FAHRZEUGDATEN KIA RIO V6 4X4 KIA RIO 1.6 CVVT
Motor: Bauart/Einbaulage V6 (Audi TT 3,2) R4
Hubraum 2946 cm3 1599 cm3
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/4 4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb Zahnriemen Zahnriemen
Max. Leistung bei Drehzahl 370 PS bei 7400 U/min 112 PS bei 6000 U/min
Max. Drehmoment bei Drehzahl 350 Nm bei 4800 U/min 146 Nm bei 5000 U/min
Literleistung 123 PS/Liter 70 PS/Liter
Getriebe 6-Gang sequenziell 5-Gang manuell
Antrieb Allrad Front
Länge/Breite/Höhe/Radstand 3990/1897/1490 mm 3990/1695/1470 mm
Reifentyp Conti Iceracing Contact 3 Pirelli P7
(Spikereifen)
Reifengröße (v/h) 10/65 x 16 195/55 R 15
Leergewicht 950 kg 1244 kg
Leistungsgewicht 2,56 kg/PS 11,1 kg/PS
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 25 l/Super plus 45l/ Super bleifrei
Preis 150 000 Euro 15 410 Euro
* Fahrwerte auf Eis mit Spikereifen

Autor: Guido Naumann

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