Tracktest: KTM X-Bow Battle

Tracktest KTM X-Bow Battle

— 09.07.2010

Auf eigener Achse

Mit dem X-Bow hat KTM ein straßenzugelassenens Auto geschaffen, das mehr Rennwagen ist als Pkw. Jetzt gibt es die passende Rennserie zum Austoben. Wir sind hin- und mitgefahren – beides im X-Bow, versteht sich.

Platsch! Der große Wassertropfen verläuft auf dem Visier, zieht einen dünnen Film hinter sich her. Mein Blick hebt sich nach oben. Weg von den verwackelt vorbeiziehenden Asphaltflicken und Spurrillen der Autobahn, rauf zur dunklen Wolkenfront. Bitte keinen Regen. Nicht mit diesem – nun ja – Auto. 350 Kilometer, vom Sitz unserer Redaktion in Schwabach bei Nürnberg ins tschechische Most, zwei Stunden Trainings und Rennen auf der dortigen Rennstrecke und noch mal rund 200 Kilometer bisheriger Rückweg.

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Die straßenzugelassenen Toyo Proxes R 888 Semi-Slicks sind an der Verschleißgrenze. Aquaplaninggefahr. Auf eigener Achse zur Rennstrecke und zurück. Ohne ein einziges Mal am Auto zu schrauben. Das ist mit dem Leichtbausportwagen X-Bow (ge­sprochen Cross-Bow) der österreichischen Motorradschmiede KTM in der in diesem Jahr gestarteten X-Bow -Battle möglich. Grund genug für uns, die Probe aufs Exempel zu machen. Rückblende: Nach dem schnellen Rechtsknick hänge ich meinem Vordermann direkt am Heck. Habe seine beißenden Abgase in der Nase. Höre einen wilden Kanon unserer beiden Motoren. Bekomme von seinen Hinterreifen immer wieder herumliegende Gummiwürste, den Abrieb von Slicks, ins Cockpit geschleudert.

Im Rückspiegel machen sich Verfolger im Vollformat breit

Wie von einem anderen Stern: 16 X-Bow kämpfen in Most um den Sieg.

Der Klügere gibt nach? Von wegen! Denn in den beiden Rückspiegeln machen sich zwei Verfolger bereits im Vollformat breit. Bereit, zum Überholen anzusetzen. Am Ende der Start-und-Ziel-Geraden ziehe ich aus dem Windschatten nach rechts rüber. 208 km/h zeigt das wasserdichte digitale Kombi-Display. Möglich dank des per Chiptuning auf 270 PS erstarkten 2,0-Liter-Turbo-Direkteinspritzer-Motors von Audi im Heck. Durch das Visier schiele ich nach links rüber, blicke meinem Konkurrenten direkt ins Cockpit. "Bloß nicht früher bremsen als er", schießt es mir durch den Kopf. Als sein X-Bow links neben mir nach hinten verschwindet, weil er verzögert, stemme auch ich meinen rechten Fuß auf die Bremse.

Das KTM-Motto: "Ready to race"

Mit qualmenden Vorderreifen biege ich in die folgende Schikane. Vor ihm. Lohn: Platz vier in der Klasse bis 300 PS – eine von drei Kategorien, neben Serienautos und offener Klasse mit 380-PS-Monstern. Das bedeutet: in beiden Rennen Gesamtplatz acht von insgesamt 16 Autos. Und zeigt, dass echter Clubsport mit einem straßenzugelassenen KTM X-Bow tatsächlich möglich ist. Außer nachzutanken und den Luftdruck der Reifen anzupassen haben wir das gesamte Wochenende über nichts am Auto geändert. Keine Fahrwerkseinstellung, keine Bremsbalance, nichts. Denn als "Ready to race", also "Bereit zum Rennen", bewirbt KTM das erste vierrädrige Gefährt des Unternehmens. Seit 2009 haben die Österreicher rund 500 Stück verkauft. Ein klares Nischenprodukt. Das dank der in dieser Saison geschaffenen X-Bow-Battle nun aber doppelt Sinn macht: als puristischer Sportwagen für die Straße und Rennwagen in einem. Zurück im Jetzt: Ich ziehe meinen Koffer aus dem Beifahrerfußraum. Angekommen daheim. Es regnet nun in Strömen. Glück gehabt.

Autor: Martin Westerhoff

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