Tracktest KTM X-Bow GT4 — 18.11.2008
Giftiges GT-Biest
Er ist klein und gemein, der KTM X-Bow, und er lehrt als GT4-Version den ausgewachsenen Sportwagen das Fürchten. 2009 gibt es das Biest auch für Kunden, die Rennen fahren.
Im Lenkrad und Hintern spüre ich den hohen Kerb, über den das linke Vorderrad hinwegfegt. Vor mir sehe ich parallel durch eine Öffnung in der Verkleidung, wie die Schubstange zwischen Radaufhängung und Federbein nach oben schnellt, die liegende Feder wie ein Akkordeon zusammendrückt. Mitte der Schikane. Umlenken. Das Heck schwänzelt leicht. Ich gehe schon wieder sachte aufs Gas, damit die Schaufelräder des Turboladers in Schwung bleiben, sein Ladedruck sofort ansteht. Scheitelpunkt der Ausgangskurve: Lenkeinschlag zurücknehmen, das Gas voll runter. Wie von der Tarantel gestochen springt das Auto vorwärts. Ich bin schneller am kurvenäußeren Kerb, als ich gucken kann. Die Windgeräusche am Helm werden lauter. Hochschalten und raus beschleunigen auf die nächste Gerade.
Das Leichtgewicht macht mächtig Dampf
Herrlich, wie viel Saft in dieser flachen Orange steckt! Aber halt: Genau gesagt sind es nicht mehr und nicht weniger als 240 PS Leistung und 310 Newtonmeter maximales Drehmoment. Aber in der Rennversion des KTM X-BOW (gesprochen Cross-BOW) hat der für Konsorten wie Audi TT (1395 Kilo) und Golf GTI (1336 Kilo) entwickelte 2,0-Liter-Direkteinspritzer mit gerade einmal 825 Kilo Lebendgewicht zu kämpfen. Und damit ist der offene Zweisitzer im Renntrimm – man höre und staune – 35 Kilo schwerer als sein Straßenpendant. "Die Veränderungen für die GT4-Rennversion des X-Bow beschränken sich im Wesentlichen auf zusätzliches Sicherheits-Equipment, das von der FIA vorgeschrieben ist", erklärt Toni Stöcklmeier. Als Produktmanager bei KTM ist er einer der Väter des ersten Autos des Motorrad-Herstellers aus Österreich.Alles drumrum gebaut
Wobei Auto wohl nicht der treffendste Begriff für den X-BOW ist. Fahrmaschine passt schon eher. Und das erklärt auch, warum bei der Rennversion auf- statt abgespeckt werden musste: Schon das Straßenmodell ist voll auf Sportlichkeit getrimmt. Null Komfort, also auch nichts zum Rauswerfen und Abmagern. Allein die Bauweise ist schon näher an einem Formel-Rennwagen als an einem Sportwagen. Das Kohlefaser-Monocoque dient Pilot und Beifahrer als Innenraum, ist die tragende Struktur des X-Bow. Motor, Getriebe, Achsen – alles ist drumherum gebaut. Bei normalen Autos ist üblicherweise die Blech-Karosse so konstruiert, dass sie die "Innereien" zusammenhält und den beim Fahren wirkenden Kräften standhält, das Auto "trägt". Doch das war den KTM-Ingenieuren zu viel Masse, zu schwer. Sie wollten ein minimalistisches Leichtgewicht, das stärkeren Sportwagen mächtig einheizt. Und deshalb erweckt der X-Bow den Eindruck, halb nackig zu sein. Nur an den Stellen, wo eine glatte Außenhaut aus aerodynamischen Gründen oder Sicherheitsaspekten nötig ist, trägt er minimale Verkleidungsteile.Schwerer aber schneller
Fazit von AUTO BILD MOTORSPORT-Testfahrer Martin Westerhoff
Die GT4-Version des X-Bow überzeugt mit Fahrleistungen, die GT-Rennwagen mit rund 500 PS in nichts nachstehen. Vor allem die hohen Kurvengeschwindigkeiten erinnern an Prototypen à la Le Mans. Gas geben, bremsen, lenken – davon geht allerdings immer nur eines. Sonst zickt das Biest, ein Dreher folgt schnell.KTM X-Bow GT4 "Race" im Motorsport
Gemeinsam mit Dallara und dem Reiter-Team konstruierte KTM für die Saison 2008 zwei X-BOW-Rennversionen nach dem seriennahen FIA GT4-Reglement. In der "Sports Light"-Klasse der EM fuhren die Deutschen Catharina Felser (26, Platz 3), Christopher Haase (21, Platz 1) und der Niederländer Dennis Retera (22, Platz 2) ihren Gegner davon. Beim Race of Champions (13.–14.12.2008) werden die Renn-Stars auch mit modifizierten Straßen-X-BOW im Wembley-Stadion (London) gegeneinander fahren. 2009 schafft KTM mit dem X-Bow Super Sport Cup eine eigene Wertung in bestehenden Rennserien wie der FIA GT EM oder dem ADAC GT Masters. Für eine Saison (8 Rennen) soll ein Komplett-Paket etwa 100 000 Euro kosten (ohne Reisespesen). Außerdem hat KTM das 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring im Visier. Problem: Das Reglement schreibt geschlossene Autos vor. Aber ein Dach könnte KTM sicher noch konstruieren.| TECHNISCHE DATEN | |
|---|---|
| MESSWERTE | KTM X-BOW GT4 "RACE" |
| Beschleunigung 0–100 km/h | 3,9 Sekunden |
| 0–200 km/h | 18,6 Sekunden |
| Höchstgeschwindigkeit | 235 km/h |
| Bremsweg aus 100 km/h | 32,9 Meter |
| Kraftstoffverbrauch | ca. 35 l/100 km* |
| FAHRZEUGDATEN | KTM X-BOW GT4 "RACE" |
| Motor: Bauart/Einbaulage | 4 Zylinder in Reihe, Turbo/mittig quer |
| Hubraum | 1984 cm3 |
| Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
| Nockenwellenantrieb | Zahnriemen/Kette |
| Max. Leistung bei Drehzahl | 240 PS bei 5500 U/min |
| Max. Drehmoment bei Drehzahl | 310 Nm von 2000 bis 5500 U/min |
| Literleistung | 121 PS/Liter |
| Getriebe | 6-Gang manuell |
| Antrieb | Hinterrad |
| Länge/Breite/Höhe/Radstand | 3738/1900/1205/2430 mm |
| Reifentyp | Pirelli P Zero Corsa Semi-Slicks |
| Reifengröße (v/h) | 205/50 ZR 17 und 235/40 ZR 18 |
| Leergewicht | 825 kg |
| Leistungsgewicht | 3,4 kg/PS |
| Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 70 l/Super Plus |
| Preis | 98.651 Euro |
| * im Rennbetrieb | |

































